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Panorama

09. Dezember 2016 | 16:34 Uhr

ARD-Themenabend „Terror – Ihr Urteil“ : Schuldig oder ein Held?

vom
Aus der Onlineredaktion

Zuschauer bestimmen Ausgang der Geschichte

Ein außergewöhnliches interaktives Fernsehspiel bietet die ARD am heutigen Montag. Der Themenabend „Terror – Ihr Urteil“ beginnt mit der brisanten Frage: Darf man 164 Menschen töten, um 70 000 zu retten? Durfte also der Kampfpilot Lars Koch ein Passagierflugzeug abschießen, um zu verhindern, dass ein Terrorist dieses auf ein vollbesetztes Fußballstadion stürzen lässt? Die Zuschauer erleben im Schwurgericht Berlin die fiktive Verhandlung der großen Strafkammer.

Grundlage für das Fernsehspiel ist Ferdinand von Schirachs Theaterstück, das Lars Kraume für die ARD inszenierte. Über den Ausgang der Verhandlung entscheiden die Zuschauer, entweder online oder per Telefon. Frank Plasberg wird in seiner anschließenden Sendung „hart aber fair“ ab 21.40 Uhr das Urteil mit Experten erörtern und es in Bezug zur Wirklichkeit setzen.

Zur Verhandlung steht also die Entscheidung von Major Lars Koch (Florian David Fitz). Der Terror beginnt am 26. Mai um 20.53 Uhr. Im nationalen Lagezentrum für Sicherheit im Luftraum geht die Meldung der Entführung ein. Das Flugzeug ist auf dem Weg von Berlin nach München. Der Entführer droht, die Maschine auf ein vollbesetztes Fußballstadion stürzen zu lassen.

Zwei Kampfjets versuchen, das Flugzeug abzudrängen, geben dann einen Warnschuss ab. Der Befehl zum Abschuss wird aber nicht erteilt. Schließlich entscheidet Koch eigenmächtig, die Maschine abzuschießen. Alle Passagiere, darunter auch Kinder, sterben.

Hat er richtig gehandelt? Die Anklage der Staatsanwältin (Martina Gedeck) lautet auf Mord an 164 Menschen. Koch habe sich zum Herrn über Leben und Tod gemacht. Dagegen plädiert der Verteidiger (Lars Eidinger) auf Freispruch. Er sieht in seinem Mandanten keinen Mörder, sondern einen Helden, der 70 000 Menschen vor einem Terroranschlag gerettet hat.

In einer Zeit, in der sich Terror und Gewalt über ganz Europa ausbreitet, ist das Thema des Abends höchst aktuell. Erschreckend und verstörend sind die Bilder und Nachrichten, die uns in den letzten Monaten real erreichten. Wir müssen uns jetzt fragen: Wie gehen wir damit um? Wie verhalten wir uns in einem Ausnahmezustand?

Diese Frage geht ganz direkt an das Publikum, an jeden Einzelnen. „Der Film stellt sie in einer Art und Weise, die uns auch im Angesicht von Gefahr und Verängstigung zwingt, einen kühlen Kopf zu wahren, nachzudenken und unsere Urteilskraft walten zu lassen“, so Volker Herres, ARD-Programmdirektor, in der Pressekonferenz zum Themenabend.

Das ganz Besondere an diesem Abend ist, dass der Zuschauer entscheidet – nicht nur über den Ausgang eines Fernsehfilms, sondern über das Schicksal eines Menschen: schuldig oder nicht schuldig.

„Jeder, der an diesem Abend abstimmt, muss klären, wie die Tat des Angeklagten zu bewerten ist“, erklärt Herres. „Die Hauptperson des Films wird dadurch auch zum Stellvertreter, denn es schließt sich sofort die Frage an: Wie hätte ich selbst in dieser Situation gehandelt?“

Die fiktive Situation scheint relativ fern von der Alltagsrealität der Zuschauer. Wer von uns steuert schon einen Kampfjet? Doch im Grunde geht es um Moral: Was bedeutet Humanität im Angesicht des Inhumanen? „Der Film fordert uns, macht uns zur richterlichen Instanz und nimmt uns damit in die Verantwortung“, ergänzt der Programmdirektor.

Das Publikum fällt ein Urteil


Das TV-Gerichtsdrama „Terror - Ihr Urteil“ über den Abschuss einer von islamistischen Terroristen entführten Passagiermaschine wird heute um 20.15 Uhr (ARD) in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Slowenien und Tschechien zeitgleich ausgestrahlt.

Im Anschluss sind Live-Diskussionen geplant, in Deutschland moderiert Frank Plasberg eine „Hart aber fair“-Sondersendung (21.40 Uhr) zu dem Themenabend, der zu den herausragenden TV-Ereignissen des Jahres gehört.

DAS BESONDERE: Millionen TV-Zuschauer können nach der Ausstrahlung das Urteil fällen: Sie entscheiden quasi als Schöffen per Telefon oder Online-Voting, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht.

DARUM GEHT ES: Ein Bundeswehr-Pilot hat den entführten Airbus eigenmächtig abgeschossen. Er ist wegen 164-fachen Mordes angeklagt. Der Pilot hatte 70 000 Menschen in der Münchener Allianz Arena retten wollen, über der die entführte Passagiermaschine abstürzen sollte. Es geht um ethisches Handeln, um Befehlsverweigerung, um die Frage, ob es erlaubt ist, das Leben einiger zu opfern, um das Leben vieler zu retten.

DAS URTEIL: Beide Versionen - schuldig oder nicht schuldig - sind vorgedreht. Die Zuschauer stimmen nach den Plädoyers mehrere Minuten lang ab. Dann wird das Urteil gezeigt.

DIE ABSTIMMUNG: Am TV-Abend können Zuschauer ihr Urteil abgeben: Telefonisch * 0137 10 220 01 (schuldig), * 0137 10 220 02 (unschuldig) oder Online unter http://www.daserste.de/hartaberfair

Die VORLAGE: Das gleichnamige Erfolgstheaterstück des Autors und Juristen Ferdinand von Schirach, das im Oktober 2015 am Deutschen Theater in Berlin Uraufführung feierte, wurde fürs Fernsehen adaptiert. Viele Bühnen nicht nur in Deutschland zeigen das Theaterstück. Stets fällen die Besucher das Urteil. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch verzeichnet fortlaufend im Internet den aktuellen Stand. Zuletzt hatten von etwa 153 000 Zuschauern rund 60 Prozent den Piloten freigesprochen. In 429 Aufführungen in Deutschland wurde der Pilot 402 mal freigesprochen (Stand: 10. Oktober)

KINO-PREVIEWS: Vor der Fernsehpremiere wird der Film am 14. Oktober bereits in rund 100 deutschen Städten im Kino gezeigt. „Die Zuschauer werden Teil eines einmaligen Kinoexperiments und entscheiden live im Kinosaal über den Ausgang des Films - und des Prozesses“, betonte die ARD.
 

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