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Panorama

08. Dezember 2016 | 21:08 Uhr

Video: Angriff der Horror-Clowns : Mit Maske und Kettensäge

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Grusel-Clowns treiben deutschlandweit ihr Unwesen. Täter müssen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen

„Clowns“ verbreiten derzeit Angst und Schrecken. Sie tragen Horror-Masken und Waffen und greifen vornehmlich nachts Passanten an. In den vergangenen Tagen sind bundesweit Übergriffe unheimlicher Spaßvögel bekanntgeworden. In Rostock attackierte ein Grusel-Clown einen 19-Jährigen mit einem Baseballschläger und verletzte ihn. In Gelsenkirchen erlitt ein 33-Jähriger nach einem „Clown“-Angriff mit einem Messer eine Schnittwunde. Und in Wesel erschreckte ein Maskierter eine Frau mit einer Kettensäge.

Nach Einschätzung des Psychologen Jens Hoffmann könnte die Zahl der Übergriffe gewalttätiger Grusel-Clowns weiter steigen. „Das Erschrecken hat eine lange Tradition, besonders zu Halloween. Das hat sich nun verselbstständigt, da gibt es einen großen Nachahmungseffekt“, sagt der Leiter des Instituts Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt. „Für viele ist das ein Spaß, einige wenige scheinen aber eine sadistische Motivation zu haben, wenn man sich die Aggressivität einiger Taten anschaut“, sagte Hoffmann.

In den USA registrieren die Behörden schon seit zwei Jahren entsprechende Vorfälle. Als Videos tauchen die makabren Streiche dann oft im Internet auf.

Ebenfalls in Gelsenkirchen bedrohte ein 16-Jähriger im Clownskostüm einen zwei Jahre jüngeren Bekannten mit einem Baseballschläger. Auf der Flucht verletzte sich der 14-Jährige so schwer an der Hand, dass er operiert werden musste. Gegen den 16-Jährigen wird nun wegen Bedrohung und Körperverletzung ermittelt. Er hatte sich der Polizei gestellt.

„In diesem Fall wird es wohl bei Sozialstunden oder einer Ermahnung bleiben“, sagt Olaf Brauweiler von der Polizei Gelsenkirchen. „Wäre der Täter volljährig, könnte das durchaus auf eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe hinauslaufen.“ Die Folgen für die Angreifer mit Clownsmaske seien zwar extrem abhängig vom Einzelfall, sagt Brauweiler. „Doch sobald sich jemand verletzt oder der Täter sein Opfer offensichtlich bedroht, gibt es einen Straftatbestand.“

Extra: Clown verwirrt Polizei in MV
In MV wurden mehrere Übergriffe von Grusel-Clowns registriert. In Rostock schlug ein Clown mit einem Baseballschläger zu, ein anderer zückte ein Messer. In Greifswald bekam ein Achtjähriger Angst, ein 13-Jähriger zitterte vor der Kettensäge. Und der Fall einer jungen Frau verwirrte sogar die Polizei. Der Mann mit der Maske habe einer Radfahrerin am frühen Morgen einen gehörigen Schrecken eingejagt, tickerte die Polizeipressestelle Anklam am Vormittag. Am späten Abend der Rückzieher: Der Mann habe gar keine Maske sondern nur Schminke getragen. Außerdem sei die Frau keine Radlerin gewesen, sondern hätte an einer Bushaltestelle gewartet. Andere Radfahrer seien aber sicher erschreckt worden. Schnelligkeit habe dazu geführt, räumte die Polizei ein, dass „die Faktenlage ein wenig auf der Strecke blieb“. Witzig sei die Sache nicht, gegen den „Clown“ wird ermittelt.

Besonders makaber ist ein Fall aus Sachsen-Anhalt. „Ihr werdet alle sterben“ stand auf einem Plakat, das ein „Clown“ an einer Grundschule in Stendal in der Hand hielt. Schüler hätten das Sekretariat über die unheimliche Person vor der Schule informiert, heißt es von der Polizei. Nach Angaben von Marko Ide von der Polizei Stendal kann auch dieser Vorfall strafrechtliche Folgen haben.

Warum ist ausgerechnet der Clown zum Erschrecken so beliebt, der doch eigentlich für Spaß und Freude steht? Der Trend, Figuren, die als kulturell niedlich gelten, zu Horror-Wesen zu stilisieren, sei durchaus weit verbreitet, sagt Wissenschaftler Hoffmann. „Auch in Filmen wird mit solchen Figuren immer wieder gearbeitet.“ Die Berichterstattung über entsprechende Fälle in den Medien und sozialen Netzwerken mache die „Clowns“ noch bekannter. Der Experte geht aber davon aus, dass die Popularität bald wieder nachlässt – wie oft bei Trends aus dem Internet.

 

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erstellt am 21.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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