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Panorama

09. Dezember 2016 | 18:22 Uhr

Betriebsrenten-Reform : Hoffnung für Geringverdiener?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hintergründe zur geplanten Betriebsrenten-Reform und zum Streit über Beiträge und Rentenniveau

Das schwarz-rote Reformpaket für die Alterssicherung in Deutschland nimmt langsam Gestalt an. Im Streit über das Rentenniveau sind sich die Unionsparteien einig, so CSU-Chef Horst Seehofer gestern. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will bis Mitte des Monats ihre Reformidee vorlegen. Gestern enthüllte sie diese Pläne: Sie will bessere Absicherung von Selbstständigen und Betriebsrenten attraktiver machen. Neue Hoffnungen im Kampf gegen Altersarmut? Hintergründe zu den Koalitionsplänen von Rasmus Buchsteiner.


Wird das Rentenniveau stabilisiert?

Man brauche eine doppelte „Haltelinie“, erklärte CSU-Chef Seehofer gestern im Namen der Union. Zum einen dürfe das Rentenniveau nicht „endlos abrutschen“. Andererseits dürfe die Höhe der Beitragssätze nicht die junge Generation überfordern und Arbeitsplätze gefährden. Ähnlich äußerte sich auch Nahles.


Wie würde es ohne eine Reform aussehen?

Das Rentenniveau setzt eine Durchschnitts-Rente nach 45 Beitragsjahren ins Verhältnis zum aktuellen Durchschnittseinkommen. Derzeit liegt der Wert bei 47,6 Prozent. Laut Gesetz darf er bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Ohne Reformen würde das Rentenniveau bis 2045 auf 41,6 Prozent sinken. Ein Festschreiben des heutigen Sicherungsniveaus würde nach Expertenschätzungen 2030 Zusatzkosten von 19 Milliarden Euro verursachen. 2045 läge die jährliche Mehrbelastung bei 40 Milliarden Euro. Der Beitragssatz würde von 18,7 auf 26,4 Prozent steigen.


Geht es allein um das Rentenniveau?

Nein. Spannend dürfte vor allem werden, welche Schritte die Koalition gegen Altersarmut auf den Weg bringt – etwa für Kranke und Geringverdiener. Nahles hat wohl die Idee einer Lebensleistungsrente verworfen, die Aufstockungen von Geringverdiener-Renten beinhaltetet. Grund ist, dass viele mit niedrigen Renten über andere Absicherungen verfügen. Die Ost-West-Rentenangleichung bleibt in der Koalition umstritten.


Wie will Schwarz-Rot Betriebsrenten attraktiver machen?

Auch kleineren und mittleren Betrieben soll es erleichtert werden, Betriebsrenten anzubieten. Die Grundlage dafür sollen Tarifverträge bieten, in denen dann Beitragszusagen verabredet werden. Das bedeutet den Verzicht auf Garantien für eine bestimmte Rentenhöhe. Zudem können höhere Arbeitgeberzuschüsse vereinbart werden. Tarifverträge könnten für ganze Belegschaften gelten. Außerdem soll die Betriebsrente für Geringverdiener attraktiver werden.


Auf welchem Weg?

Erstens, indem die betriebliche Altersvorsorge künftig erst ab einem Freibetrag von bis zu 202 Euro auf die Grundsicherung angerechnet wird. Zweitens durch staatliche Zuschüsse für Geringverdiener, die vorsorgen.


Bis Zu welcheM Einkommen soll es Zuschuss geben?

Die Grenze soll bei 24 000 Euro Brutto-Jahreseinkommen liegen. Für Arbeitnehmer, die weniger verdienen, könnte der Staat 154 Euro Zuschuss jährlich zahlen. Laut Finanzministerium sollen Geringverdiener jährlich 400 bis 450 Euro für die Betriebsrente ansparen, ohne dass sich ihr Nettoeinkommen reduziert. Dabei war eine Nettorente von 396,60 Euro im Gespräch.


Was ändert sich bei den Betriebsrenten mit Blick auf Steuern und Beiträge ?

Der Höchstbetrag für die Steuerfreiheit steigt von 4776 auf 5208 Euro. Betriebsrenten sollen weiterhin bei Auszahlung besteuert werden. Außerdem werden volle Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig.



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erstellt am 01.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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