zur Navigation springen

Panorama

04. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Tschernobyl : Gigantischer „Sarkophag“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spektakulärer Transport von neuer Schutzhülle hat begonnen

 An der Ruine des 1986 explodierten Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine haben Arbeiter mit dem spektakulären Transport einer riesigen neuen Schutzhülle begonnen.

Auf Spezialschienen werde die mehr als 36 000 Tonnen schwere Konstruktion zu dem etwa 330 Meter entfernten Reaktor geschoben, teilte die Staatsagentur zur Verwaltung der Evakuierungszone gestern mit. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Stunde und mit Pausen wird das größte bewegliche Bauwerk der Welt über den explodierten Block IV gedrückt: ein Stahlbogen von 110 Metern Höhe, 165 Metern Länge und 257 Metern Breite. Die Hülle ergänzt einen Betonsarkophag, der von der Sowjetunion nach der fatalen Kernschmelze 1986 eilig errichtet worden war und brüchig ist.

 

dpa_1892dc0089e0a20e

Der ukrainische Umweltminister Ostap Semerak sprach von einem historischen Schritt. „Das ist der Anfang vom Ende des 30-jährigen Kampfes gegen die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl“, sagte er. Der Abschluss der Arbeiten ist für den 29. November geplant, einen Tag vor dem 30. Jahrestag der Übergabe des ursprünglichen „Sargs“.

Nach Vorarbeiten 2008 war 2012 mit dem Bau der Hülle begonnen worden. Ein internationales Konsortium hatte den Mantel mit einer Grundfläche von etwa sechs Fußballfeldern in den vergangenen Jahren nahe der sogenannten Todeszone montiert. Mit dem Stahlbogen werde die Sicherheit um das abgeschaltete AKW „auf ein neues Niveau gebracht“, sagte Semerak.

Der riesige Mantel in Bogenform, unter dem die Pariser Kathedrale Notre Dame Platz hätte, soll für die nächsten 100 Jahre einen Austritt von Strahlen aus dem havarierten Meiler verhindern sowie vor Umwelteinflüssen wie Nässe schützen. Zudem ist die Konstruktion innen mit Greifarmen ausgestattet. Sie sollen Arbeiten an dem alten Reaktor ermöglichen. In der Anlage befinden sich Experten zufolge noch 200 Tonnen Uran. Den Organisatoren zufolge hält die neue Hülle einem Erdbeben der Stärke 6 und einem Tornado der Stufe 3 stand. Über 40 Geberländer ermöglichten das etwa zwei Milliarden Euro teure Mammutprojekt. Allein hätte die finanziell klamme Ex-Sowjetrepublik Ukraine den Bau nicht stemmen können.

Am 26. April 1986 um 1.23 Uhr Ortszeit war ein Test in Tschernobyl außer Kontrolle geraten, Reaktor IV explodierte. Der Gau trat ein.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Nov.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen