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Panorama

30. September 2016 | 10:20 Uhr

Terror-Attentat : „Frankreich unter Schock“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mindestens zwölf Menschen starben gestern in Paris bei einem brutalen Überfall auf die Redaktion des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“

Die drei Täter des Terroranschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris sind laut französischen Medienberichten identifiziert. Darunter seien zwei Brüder aus Paris mit französischer Staatsangehörigkeit. Das berichteten am Mittwochabend „Le Monde“ und mehrere andere Medien übereinstimmend unter Berufung auf Ermittler.

Es waren zehn Minuten, nach denen nichts mehr schien wie zuvor. Zehn Minuten am gestrigen Vormittag, die Frankreich in einen Schock-Zustand tauchten. Ungefähr 30 Schüsse fielen, dazwischen hörten Zeugen die kriegerischen Rufe der schwer bewaffneten Täter: „Allahu Akbar“ – „Allah ist groß“. Und: „Wir haben den Propheten gerächt!“

Sie waren vermummt und in Schwarz gekleidet, einen fremdländischen Akzent sollen sie nicht gehabt haben. Innenminister Bernard Cazeneuve sprach von drei Tätern.
Sie erschossen mindestens zwölf Menschen im Redaktionsgebäude der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ im elften Bezirk von Paris. Acht weitere Personen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. Zehn Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“, darunter der Chefredakteur Stéphane Charbonnier, bekannt unter dem Künstlernamen Charb, starben. Zwei der Todesopfer waren Polizisten. In Frankreich genoss Charb Kultstatus.

2013 hatte al-Quaida eine Liste mit elf Personen veröffentlicht, die „tot oder lebendig gesucht werden wegen Verbrechens gegen den Islam“. Charbs Name befand sich unter ihnen.

„Frankreich steht unter Schock“, sagte erschüttert Präsident François Hollande, der eine Stunde nach den Vorfällen am Tatort eintraf. „Es handelt sich ohne Zweifel um ein Terror-Attentat. Wir werden die Urheber verfolgen und bestrafen.“

Am frühen Nachmittag berief der Staatschef eine Krisensitzung ein. Premierminister Manuel Valls gab die höchste Alarmstufe für die Hauptstadtregion aus, Redaktionsgebäude, religiöse Stätten, Schulen, öffentliche Verkehrsmittel und Bahnhöfe wurden unter Schutz gestellt.

„Wir wussten, dass wir bedroht waren“, erklärte Hollande. Durch die Militäreinsätze in Mali und in der Elfenbeinküste in den vergangenen Jahren und die Beteiligung an den Luftschlägen gegen das IS-Terrorregime, dem sich Hunderte Franzosen angeschlossen haben, steht das Land in der ersten Front im internationalen Anti-Terror-Kampf. In den vergangenen Wochen wurden Hollande zufolge mehrere versuchte Attacken vereitelt. Gestern gelang das nicht.

Experten zufolge gingen die Attentäter professionell vor. Sie müssen gewusst haben, dass sich die Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ jeden Mittwochvormittag zur Konferenz zusammenfinden. „Die Täter haben ihre Waffen auf alle gerichtet, es war eine wahre Abschlachtung“, sagte Rocco Contento von der Pariser Polizei. Beim Verlassen des Gebäudes lieferten sich die Männer einen Schusswechsel mit der Polizei, bevor sie in ein Auto mit verdunkelten Fensterscheiben stiegen und die Flucht ergriffen. Medienberichten zufolge verletzten sie dabei einen Fußgänger. Unmittelbar danach machte sich die Polizei auf die fieberhafte Suche nach den Tätern.

Wohl nicht zufällig traf es ausgerechnet das 1969 gegründete Magazin „Charlie Hebdo“: Gerade erst und zum wiederholten Mal hatte es den Propheten Mohamed verunglimpfende Karikaturen veröffentlicht. 2011 wurde die Redaktion Ziel eines Brandanschlags nach der Veröffentlichung einer Spezial-Ausgabe namens „Scharia Hebdo“ nach dem Wahlsieg der islamischen Ennahda in Tunesien. Verletzte gab es damals nicht.

Hassen Chalghoumi, Imam der Stadt Drancy bei Paris, rief zur Solidarität auf und warnte vor einer Panik-Reaktion: „Selbst wenn wir nicht einverstanden mit ,Charlie Hebdo‘ sind, darf das nicht durch Blut, durch Hass ausgedrückt werden.“

In der letzten Ausgabe des Satire-Magazins erschien eine Zeichnung, die im Rückblick besonders erschüttert. „Noch immer keine Attentate in Frankreich“, heißt es darin. „Wartet – wir haben bis Ende Januar, um unsere Neujahrswünsche abzugeben.“

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