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Panorama

25. September 2016 | 16:00 Uhr

Positive Identität : Die Deutschen mögen sich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Was macht die gefühlte Identität der Bundesbürger am stärksten aus? Die große Mehrheit findet, dass Deutschsein etwas Positives ist

Als typisch deutsch galt lange Zeit, eben nicht deutsch sein zu wollen, sich für diese Nationalität mitunter sogar zu schämen – aus geschichtlichen Gründen. Doch diese Zeiten sind wohl vorbei. Spätestens seit dem WM-Sommermärchen vor zehn Jahren gibt es einen neuen Patriotismus – deutsch zu sein scheint wieder chic.

„Obwohl es uns ökonomisch gut geht wie selten zuvor, sind wir uns unserer selbst, unserer Identität nicht sicher genug“, beklagte trotzdem kürzlich Bundesinnenminister Thomas de Maizière im „Stern“ ein angeblich nach wie vor mangelndes Nationalbewusstsein. Die Deutschen wüssten nicht mehr genau, wer sie seien und wer sie sein wollten, was sie ausmache.

Eine repräsentative YouGov- Umfrage zeigt jetzt aber, dass die Erwachsenen in Deutschland genau wissen, wie sie das Deutschsein finden. Und auch, was ihre Identität ausmacht, wo sie sich am stärksten zugehörig fühlen.

Eine große Mehrheit von 61 Prozent verbindet demnach mit „Deutschsein“ etwas Positives – 31 Prozent davon finden es sogar „sehr positiv“. Gut ein Viertel (26 Prozent) sieht im Deutschsein „etwas Neutrales“,  sechs Prozent finden es „eher negativ“, zwei Prozent „sehr negativ“. Der Rest machte keine Angabe.

Wer die Menschen in Deutschland fragt, was ihre gefühlte Identität am besten beschreibe, erhält differenzierte Antworten. Nur 31 Prozent sagen demnach am ehesten: „Ich bin Deutscher.“ 13 Prozent fühlen sich mehr ihrer Region verbunden, also etwa als Schwabe, Franke oder Rheinländer, zwölf Prozent einer Stadt, elf Prozent dem Bundesland. Jeweils zehn Prozent behaupten von sich, in erster Linie „Europäer“ oder gar „Weltbürger“ zu sein. Den Stadtteil oder nichts Genaues geben zwölf Prozent an, ein anderes Land nennen lediglich zwei Prozent.

Die größte Identifikation mit dem Bundesland gibt es im innerdeutschen Ländervergleich übrigens in Bayern, auch in Hamburg mit der Stadt, der Region und dem Bundesland.

Dass sich bundesweit nur etwa ein Drittel in erster Linie als „Deutsche“ fühlt, könnte manch einen überraschen. Interessant ist dabei auch, dass kaum jemand eine uneindeutige Angabe macht. Es wäre zumindest nicht verwunderlich, wenn sich jemand mal mehr als dies und ein anderes Mal mehr als das fühlen würde – und deshalb lieber „weiß nicht“ sagt. Doch diese Unsicherheit scheint es zwischen Aachen im Westen und Görlitz im Osten, zwischen dem Allgäu im Süden und Sylt im hohen Norden kaum zu geben.

Was die Menschen mit „Deutschsein“ genau verbinden, das herauszufinden wäre wohl ein eigenes, größeres Projekt – auch angesichts von Wahlerfolgen von Rechtspopulisten, die oft sagen, was alles nicht zu Deutschland gehören soll. So bleibt offen, was Menschen im Kopf haben, wenn sie an Deutschland denken: an die multikulturelle Fußballnationalmannschaft vielleicht, an die Bundesliga, die Bier- und Brotvielfalt hierzulande, Autobahnen ohne Tempolimit, das „Tatort“-Gucken am Sonntag. Oder sie denken an Künstler wie Goethe, Schiller und Beethoven oder aber an Landschaften.

Dass man an Deutschland vieles mögen kann, zeigt ein Merkel-Zitat aus der Zeit vor ihrer Kanzlerschaft aus einem „Bild“-Interview aus dem Jahr 2004: „Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen. Ich denke auch an bodenständige und herzhafte Küche. Ich denke an Laubbäume, an Buchen und Eichen. Ich denke an bestimmte Vögel, zum Beispiel Kraniche und Störche.“

Hintergrund: EU-Liebling der Bundesbürger ist Deutschland

Gefragt nach ihrem Lieblingsland in der EU, ist die häufigste Antwort der Bundesbürger Deutschland. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov nannten 47 Prozent der Erwachsenen die Bundesrepublik als EU-Lieblingsland. Männer sagen dies zu 51 Prozent, Frauen zu 44 Prozent.

Mit riesigem Abstand – genannt von nur 7 Prozent – folgt Italien, das im Klischee und spätestens seit Goethe immer wieder als das typische Sehnsuchtsland der Deutschen gilt. Frauen sind dabei etwas italien-freundlicher (8 Prozent) als Männer (5 Prozent). Im Osten Deutschlands ist Schweden genauso beliebt wie Italien, im Westen ist es Spanien.

Bundesweit gesehen liegt das klassische Urlaubsland Spanien (6 Prozent) hinter Italien, gefolgt von Österreich, Frankreich und Schweden (mit jeweils 4 Prozent). Auf jeweils drei Prozent Fans kommen die Niederlande, Griechenland und Irland. Danach folgen Dänemark und Großbritannien ab.

Von den Nachbarländern ist den meisten Menschen in Deutschland – 26 Prozent – auf persönlicher Ebene Österreich am nächsten. Es folgen die Niederlande , Frankreich , Dänemark und die Schweiz (jeweils 8 Prozent), Polen und die Tschechien.

 

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