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Panorama

10. Dezember 2016 | 13:41 Uhr

Dresden : Deutschlands Tag der Zwietracht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Volksverräter“ und „Merkel muss weg“: In Dresden versuchen Rechte, die Feiern zum Tag der deutschen Einheit zu stören

„Für mich und die allermeisten Menschen ist dies nach wie vor ein Tag der Freude“, betont Bundeskanzlerin Angela Merkel vor Journalisten. 26 Jahre nach der Wiedervereinigung sehe sie aber, dass „neue Arbeit, neue Probleme auf uns warten. Und ich persönlich wünsche mir, dass wir diese Probleme gemeinsam, in gegenseitigem Respekt, in der Akzeptanz sehr unterschiedlicher politischer Meinungen lösen“.

Doch von gegenseitigem Respekt ist an diesem Tag in Dresden wenig zu spüren. „Volksverräter“ und „Merkel muss weg“, schallt es der Kanzlerin entgegen, als sie am Morgen in der sächsischen Landeshauptstadt eintrifft. Dann erhebt sich ein ohrenbetäubendes Trillerpfeifen-Konzert. „Merkel nach Sibirien, Putin nach Berlin“, skandiert der Mob. Für die zum Gottesdienst geladenen Gäste, darunter Bundespräsident Joachim Gauck, wird der Weg in die Frauenkirche schließlich sogar zu einem Spießrutenlauf. „Haut ab, haut ab“ - die Stimmung ist aggressiv. Pegida-Chef Lutz Bachmann sonnt sich im Hass seiner Anhänger.

Die Frau des stellvertretenden sächsischen Ministerpräsidenten Martin Dulig geht am Arm ihres Mannes zur Kirche. Auch sie werden aufs Übelste beschimpft. Während der SPD-Mann mit steinerner Miene und bemüht erhobenem Kopf an den Pöblern vorbeigeht, kommen seiner Frau die Tränen.

 

Ein Farbiger, der am Gottesdienst teilnehmen will, wird mit Affengeräuschen und „Abschieben“-Rufen empfangen. „Wir sind das Volk“, behauptet die Menge. Sachsens Regierungschef und Bundesratspräsident Stanislaw Tillich sagt später beim Festakt. „Das ist menschenverachtend und zutiefst unpatriotisch. Dem stellen wir uns alle entgegen.“

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert wendet sich in seiner Festrede direkt an die Demonstranten: „Diejenigen, die heute besonders laut pfeifen und schreien und ihre erstaunliche Empörung kostenlos zu Markte tragen, die haben offenkundig das geringste Erinnerungsvermögen daran, in welcher Verfassung sich diese Stadt und dieses Land befunden haben, bevor die deutsche Einheit möglich wurde“, sagt er unter dem Applaus der geladenen Gäste.

Bundeskanzlerin Merkel meidet in Dresden zunächst den direkten Kontakt zum Bürger. Weitläufig abgeschirmt fährt sie nach dem Gottesdienst in der Frauenkirche mit dem Wagen zur Semperoper.

Nach dem Festakt setzt die Kanzlerin dann noch ein besonderes Zeichen. Sie spricht mit der Familie des Imams, auf dessen Moschee vor einer Woche ein Sprengstoffanschlag verübt worden war. Konkrete Hinweise auf die Täter gibt es immer noch nicht.

 

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