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Panorama

08. Dezember 2016 | 08:54 Uhr

Uli Kunz fotografiert unter Wasser : Bilder aus dem Meer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Meeresbiologe Uli Kunz schießt für namhafte Magazine wie „National Geographic“ oder „Geo“ sowie zahlreiche Fachbücher Fotos unter Wasser – und was für welche!

Immer wieder lässt sich Uli Kunz vom Schlauchboot ins Wasser fallen. Das Meer vor den norwegischen Vesterålen-Inseln ist eiskalt. Es ist mitten im Winter in der Polarnacht, Lufttemperatur minus fünf Grad. Doch das macht dem Kieler Fotografen nichts aus. Er wartet geduldig unter Wasser – hofft auf diesen einen besonderen Moment.

Wochenlang wurden Kunz und sein Team auf die Geduldsprobe gestellt und dann ist es endlich soweit: Als sich der 41-Jährige abermals vom Boot ins Wasser fallen lässt, findet er sich inmitten eines riesigen Fischschwarms wieder. Um ihn herum tausende von Heringen, die in Scharen durchs Wasser ziehen und immer wieder kunstvoll die Richtung wechseln. Die Jäger lassen nicht lange auf sich warten, und scheinbar aus dem Nichts taucht vor Uli Kunz eine Gruppe von Schwert- und Buckelwalen auf. Der Forschungstaucher erlebt die Jagd der rund 30 Meeressäuger hautnah. Und er hält sie in zahlreichen Fotos und Filmaufnahmen fest. Das Bild eines gigantischen Orcas, der sein Festmahl im Visier hat, ist nur eines der beeindruckenden Unterwasserfotos, welches die Besucher bei Vorträge und Fotoausstellungen von Uli Kunz zu Gesicht bekommen.

Für den studierten Meeresbiologen ist die Unterwasserwelt einzigartig und faszinierender als das Leben an Land. „Das sind außergewöhnliche Momente, die man dort erlebt. Man weiß nie, worauf man trifft. So wird die Arbeit niemals zur Routine. Es ist eine Welt, die nicht für Menschen gemacht ist“, sagt er.

Mit dem Tauchen hat Uli Kunz schon in jungen Jahren angefangen. An seine erste Schnorchel-Expedition mit Schwimmflügeln und Badekappe im Bodensee kann er sich noch gut erinnern. „Mich hat das Tauchfieber gleich gepackt. Ich fand diese fremde, neue Welt einfach aufregend“, sagt er. Es folgten einige Tauchgänge im Baggersee und schließlich der Tauchschein.

Als es den gebürtigen Baden-Württemberger dann zum Meeresbiologie-Studium nach Kiel zog, wurden die Unterwasser-Expeditionen zunehmend professioneller und wissenschaftlicher: Proben entnehmen, Algen sammeln, Messungen vornehmen, Versunkenes wieder ans Tageslicht bringen. Das Fotografieren kam erst später dazu. Aus dem Hobby neben dem Studium ist inzwischen ein Beruf geworden: Uli Kunz fotografiert für namhafte Magazine wie „National Geographic“ oder „Geo“ sowie zahlreiche Fachbücher. Mit seiner 2013 gegründeten Tauchfirma „Submaris“ ist er außerdem weiterhin mit vier Freunden im Auftrag der Wissenschaft unter Wasser unterwegs.

Expeditionen in wassergefüllte Höhlen gehören zu seinen außergewöhnlichsten Erfahrungen. Kilometerlange Tunnel, enge Gänge, welche die Forscher nur durchdringen können, indem sie ihre Tauchflaschen abnehmen und vor sich herschieben. In einer Höhle in Frankreich verbrachte Kunz 30 Stunden unter der Erde, bevor er wieder Tageslicht sah. „Solche Orte mit den eigenen Augen zu sehen, ist einfach der Wahnsinn. Die Höhlen gehören zu den letzten Orten auf der Erde, die nicht mit Technik erreicht werden können. Man muss reintauchen. Das sind irre Momente – man ist nur 100 Meter entfernt von der Oberfläche und hat trotzdem keinerlei Kontakt zur Außenwelt.“ Ihm gehe es dabei keinesfalls um einen Adrenalin-Kick wie bei Extremsportarten. Es sei mehr eine Form des besonderen Genießens und Erlebens, so Kunz.

Neben den mystischen Höhlen sind es die Begegnungen mit den großen Tieren, die die Arbeit von Kunz zu etwas ganz Besonderem machen. Ob die Orcas auf Fischjagd vor Norwegen oder die weißen Beluga-Wale in der kanadischen Flussmündung, in der sie ihre Kälber zur Welt bringen: „Jede Zusammenkunft mit den Tieren ist einzigartig“, so Kunz. Ob diese Begegnungen gefährlich sind? „Einige vielleicht ein bisschen“, meint er und zeigt ein Bild, das ihn an der Wasseroberfläche inmitten einer Gruppe von Buckelwalen zeigt, die ihre Mäuler weit aufreißen, um die herumspringenden Fische zu fangen. „Zum Glück haben sie mich nicht aus Versehen erwischt.“

Doch es sind längst nicht nur die exotischen Orte, die den Kieler Fotografen faszinieren. „Auch in den heimischen Meeren gibt es viel zu entdecken“, findet er. So ist Helgoland inzwischen zu einer seiner liebsten Orte geworden. Dort trifft er dann auf neugierige Kegelrobben, die mit ihm und seiner Kamera spielen und sich auch mal ins aufgesperrte Maul fotografieren lassen. „Viele denken, die Ostsee ist tot. Wenn man aber in die Seegraswiesen abtaucht, ist das einfach unglaublich. Dort gibt es Nacktschnecken, die total bunt sind. Man kann kaum glauben, dass sich solch eine Welt unter dem trüben Ostseewasser befindet.“ Viel Geduld, etwas Mut und eine ordentliche Portion Glück gehören zur Arbeit von Uli Kunz dazu. Die größte Herausforderung für ihn sei aber die limitierte Zeit unter Wasser. „Ich habe nun mal nur begrenzte Atemluftvorräte. Und ich will dann unbedingt in kürzester Zeit das Beste rausholen.“

An den Erlebnissen seiner Tauchgänge möchte Uli Kunz die Menschen teilhaben lassen. Mit seiner Live-Reportage tourt er durch ganz Deutschland. Er möchte den Besuchern diese für ihn so einzigartige Welt näherbringen. Das schafft er, indem er Foto-, Video- und Tonaufnahmen miteinander verbindet und die Geschichten hinter den Bildern erzählt. „Ich möchte die Menschen für die Unterwasserwelt begeistern und ihnen zeigen, warum es so viel wert ist, diesen besonderen Ort zu schützen.“

www.kunzgalerie.de




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