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Panorama

08. Dezember 2016 | 08:58 Uhr

Sextoys für Frauen : Bei Erotikhändlern „rappelts im Karton“

vom
Aus der Onlineredaktion

Erotikhändler werben offensiv für Liebesspielzeug – zunehmend für Frauen

Hier steckt der Sex in Pappkartons. Dildos, Vibratoren und Dessous rollen verpackt über Fließbänder aus dem Laster ins Hochregallager, um später in diskreten Päckchen verschickt zu werden. Kunden des Flensburger Versandhauses Orion wissen, dass von außen nichts auf den Inhalt der Schachtel hinweist. Noch nicht mal eine Postleitzahl aus Flensburg, die – gerade wegen Beate Uhse – wie keine andere deutsche Stadt für den Erotikartikel steht.

Und doch: Die einst verruchten Spielzeuge für Erwachsene werden immer öffentlicher. „Wie liebst Du diesen Sommer?“, „Es rappelt im Karton“ oder „Und wann kommst du?“ lauten einige der Slogans, mit denen Händler im Fernsehen werben. Ob tanzende Dildos in Comic-Optik im TV oder das 2015 im Berliner Nahverkehr großflächig plakatierte Versprechen „Multiple Orgasmen für 79,90 Euro“: Sextoy-Werbung wird präsenter. Und sie richtet sich immer öfter an Frauen. Der Onlineshop eis.de bezeichnet Frauen inzwischen als „Premium-Zielgruppe“.

Angefangen habe es mit „Sex and the City“ und „Fifty Shades of Grey“, erzählt Lea-Sophie Cramer. „Plötzlich wurde es gesellschaftsfähig, dass Frauen ihr Interesse an Sexualität bekunden“, sagt die 29-Jährige, die daraufhin mit Geschäftspartner Sebastian Pollok die Onlineplattform amorelie.de gründete. Dort verkaufen sie vor allem Sextoys in knalligen Bonbon-Farben. Die beiden wollen raus aus der Schmuddelecke. „Ich glaube, dass Frauen, die sich beruflich und privat ausleben können, die gleichberechtigt sind, auch Einfluss auf das Wachstum der Branche nehmen.“ Cramers Unternehmen veranstaltet auch Toyparties, wie der Schüssel-Hersteller Tupper.

„Wenn wir sagen, unsere Produkte gehören zur Mitte der Gesellschaft, dann müssen wir die Mitte der Gesellschaft auch erreichen – tagsüber“, sagt Cramer zu den TV-Spots. Das vor vier Jahren gegründete Start-up setzt inzwischen Millionen um. 75 Prozent der Anteile verkauften die Gründer 2015 an die ProSieben-Gruppe.

Maike Rotermund, 40, führt mit Orion einen Erotikversand mit jahrzehntelanger Tradition. Sie profitiert nach eigenen Worten ebenfalls vom freizügiger gewordenen Gesellschaftsklima: „Es ist einfacher, öffentlich zu werden“, sagt sie. „Wenn ich um 8 Uhr was auf dem Tisch liegen habe, habe ich ein anderes Empfinden als abends“, sagt sie. Vielleicht wegen dieses Gespürs sind Frauen in der Branche häufig Chefin: Rotermund ist Stief-Enkelin von Beate Uhse, in England führt Jacqueline Gold die Geschäfte von Ann Summers.

Doch werden durch die Werbung Jugendliche nicht noch früher sexualisiert? Gibt es denn überhaupt noch Tabus?

„Unser Maßstab ist immer: Könnten Kinder es verstehen?“, sagt Cramer zu den von ihr als „Unterhaltungselektronik“ bezeichneten Toys. Kinderaffine Umfelder würden bei der Werbung ausgespart. Cramer sagt aber auch: „Wir finden, dass Sexualität zum Leben dazugehört.“ Es sei komisch, dass sie tabuisiert werde und andererseits jedes Kind dank YouPorn und Co. vermeintlich besser aufgeklärt sei, „als ich es mit 20 war“.

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