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04. Dezember 2016 | 19:23 Uhr

Jon Bon Jovi im Interview : Zeit der Wiedergeburt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

US-Sänger Jon Bon Jovi will es allen noch mal beweisen – auch mit einem neuen Album

Von „Livin’ on a Prayer“ über „Bed of Roses“ bis „It’s My Life“: Seit mehr als 30 Jahren feiern Bon Jovi einen Hit nach dem anderen. Jetzt bringt die Band mit „This House is not for Sale“ ihr 14. Studioalbum heraus. Es sei ein Zeichen des Zusammenhalts in einer „Zeit der Wiedergeburt“, sagt Frontmann Jon Bon Jovi (54) im Interview mit Christina Horsten.

Warum ist dieses neue Album ein ganz besonderes für Sie und was hat das mit dem Ort zu tun, an dem wir uns befinden, den Avatar Studios im Westen von Manhattan?
Bon Jovi: Hier hat alles begonnen. In diesem Raum haben wir unser erstes Album aufgenommen und schon vorher, bevor es die Band gab, hatte ich hier „Runaway“ aufgenommen und mir da drüben immer Kaffee geholt. Vor 36 Jahren habe ich hier als Laufbursche angefangen und jetzt, in dieser Zeit der Wiedergeburt, haben wir hier unser neues Album aufgenommen, das hat auch eine gewisse Ironie.

Sie feiern seit mehr als 30 Jahren Erfolge – wie halten Sie sich motiviert und diszipliniert, um immer wieder etwas Neues auf den Markt zu bringen?
Mich treibt das Schreiben an, mehr als alles andere, mehr als das Aufnehmen, definitiv mehr als auf Tour zu gehen. Wenn man schreibt, kreiert man – die mysteriöse Frage, ob es gut ist, löst man dann im Studio. (...) Im Studio kommt Leben rein, dann fühle ich mich schon gut, und wenn man dann rausgeht und es zum ersten Mal für die Menschen spielt, dann weißt du wirklich, ob es funktioniert oder nicht. „Always“ hatte ich zum Beispiel für einen Film geschrieben, aber dann habe ich es denen doch nicht gegeben, sondern wir haben es für das „Crossroads“-Abum aufgenommen. Wer hätte ahnen können, wie groß das wird? Es war ein Monster-Song!

Gibt es auf dem neuen Album wieder eine Rock-Hymne?
„This House is not for Sale“ ist mir sehr wichtig. Diesen Song lebe ich. Es geht um mein Herz, meine Seele, mit jeder Zeile haue ich mir auf die Brust, denn es geht um die Integrität der Band nachdem sie am Ende der letzten Tour in Frage gestellt wurde. Nur weil unser Gitarrist Richie Samborra nicht mehr zur Arbeit gekommen ist, werde ich mir nicht unseren jahrzehntelangen Erfolg kaputtreden lassen. So sehr wir den Typ auch vermissen, lassen wir es uns davon nicht kaputtmachen, das wäre nicht fair.

Wenn Sie auf ihr bisheriges Leben zurückschauen, bereuen Sie etwas?
Nein. Die Hochs, die Tiefs – ich war nie einer dieser Hätte-wäre-sollte-Typen. Möglicherweise habe ich einige Dinge nicht geschafft oder war enttäuscht vom Ergebnis, aber es gab nie einen Tag, wo ich das Gefühl hatte, versagt zu haben – ich hätte mein Leben nicht anders leben wollen.

Sie haben auf Tour ein Luxus-Problem: Sie wollen neue Songs spielen – aber alle wollen die Klassiker hören. Wie gehen Sie damit um?
Bei bester Gesundheit kann man in einem Set mit 25 Songs vielleicht neun neue Songs unterbringen, die restlichen 16 müssen aus dem Katalog kommen. So sehe ich das zumindest. Man kann nicht alle Balladen-Hits an einem Tag spielen, das sind zu viele langsame Songs.„Livin’ on a Prayer“ und „Wanted Dead or Alive“ muss man immer spielen, das geht nicht anders. Aber einen Abend kann man „Always“ spielen, am nächsten „Bed of Roses“, dann „I’ll Be There For You“. So funktioniert das.

Wenn einer dieser Songs im Radio läuft – singen Sie mit? Oder schalten Sie dann aus?
Nein, nichts von beidem. Ich freue mich, wenn ich sie höre, aber ich höre sie nicht oft. Wenn sie im Radio kommen, höre ich zu, aber ich lege die Alben nicht extra auf.

Wie können Bands wie Bon Jovi relevant bleiben?
Mit Songs, die ehrlich sind und von Herzen kommen. Wenn man einen Song von einem reinen Ausgangspunkt aus schreibt, ohne auf Trends oder Moden zu achten, dann werden die Menschen ihn zu ihrem eigenen machen.

Sie waren so viel auf Tour – wie hält man da seine Wurzeln?
Man muss einen Partner haben, der einem das ermöglicht. Und meine Kinder sind da rein geboren, das ist alles, was sie kennen. Es ist das Leben, das wir uns ausgesucht haben.

 

 

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