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09. Dezember 2016 | 22:16 Uhr

Medien : Tödliche Geheimnisse

vom

Aktuelles Zeitgeschehen ist Fernsehfilm eher selten ein Thema. Dazu dauern die Filmarbeiten meist zu lange. Jetzt hat es aber doch einmal geklappt - bei «Tödliche Geheimnisse» im Ersten.

Derzeit regelmäßig in den Nachrichten sind zwei Handelsabkommen der EU: zum einen CETA (mit Kanada), und zum anderen TTIP (mit den USA). Während das eine soeben nach einigem Hin & Her doch noch unterzeichnet wurde, liegt das andere zur Zeit auf Eis - auch, weil es in der Bevölkerung sehr umstritten ist.

Um TTIP und das, was es für Europa und uns alle bedeuten könnte, geht es in dem Thriller «Tödliche Geheimnisse», der an diesem Samstag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist - im Rahmen der ARD-Themenwoche «Zukunft der Arbeit».

Berlin: Die Chefredakteurin des investigativen Nachrichtenmagazins «Plus», Karin Berger (Anke Engelke), steht mächtig unter Druck. Das Magazin kämpft mit sinkender Auflage, es drohen Entlassungen von Mitarbeitern ihres Teams. Da kommt ihre beste Reporterin und Ex-Liebhaberin, Rommy Kirchhoff (Nina Kunzendorf), gerade recht mit einer unglaublichen Enthüllungsstory: Ein Whistleblower will auspacken. Der Lobbyist eines großen Agrarmittelkonzerns, Paul Holthaus (Oliver Masucci), will offenlegen, dass mit dem TTIP-Abkommen «eine Diktatur der Konzerne» beginnen wird.

Brüssel: Kirchhoff trifft sich mit Holthaus in einem Hotelzimmer. Doch bevor irgendetwas Brisantes gesagt werden kann, wird sie unter einem Vorwand aus dem Zimmer gelockt. Als sie zurückkehrt, ist Holthaus verschwunden, und sie wird von zwei Männern betäubt. Berger reist daraufhin ebenfalls an, gemeinsam stoßen sie auf die Konzernchefin Lilian Norgren (Katja Riemann), für die Holthaus lange gearbeitet hat. Kirchhoff besucht Norgren und ihre pubertierende Tochter Tessa (Paula Beer) bei ihnen zu Hause in der Nähe von Berlin. Dabei erfährt er unter anderem dass Norgren und Holthaus eine heftige Affäre hatten, von der weder seine krebskranke Gattin Clara (Sabine Timoteo) noch ihr Sohn Max (Leonard Scheicher) eine Ahnung hatten.

Zum Glück haben die Filmemacher eine Ahnung von dem, was sie da tun. «Es ist ein Stoff, der uns in die Gegenwart holt, was ich sehr spannend finde. Es werden ganz verschiedene Themen angestoßen, die jedes für sich schon sehr spannend sind und die in ihrer Verknüpfung eine ziemliche Wucht entfalten können», sagte Regisseurin Sherry Horman (56, «Wüstenblume», «Operation Zucker - Jagdgesellschaft») der Deutschen Presse-Agentur. «Ich glaube auch an die Kraft der zwei Frauen, die beide sehr stark sind. Was beileibe nicht bedeutet, dass es ein expliziter Frauenfilm ist - das Thema kann ich schon gar nicht mehr hören. Ich denke, dass Frauen zu ganz vielen Dingen fähig sind, auch zu schrecklichen.»

Dem möchte man nicht widersprechen. Drehbuchautor Florian Oeller (37, «Das Goldene Ufer», «Polizeiruf 110») lenkt den Fokus auf ein besonderes Stilmittel seines Films, der seiner Meinung nach eher mit Verdichtungen als mit Vereinfachungen arbeitet: «Rückblenden sind in diesem Film ein bewusst eingesetztes Mittel zur Steigerung der Dramatik, gleichzeitig verdeutlichen sie die Komplexität der Figuren und Ereignisse.» Das kann man durchaus anders sehen - die vielen Rückblenden im Film sind schon verwirrend, ebenso wie die diversen privaten Verstrickungen der Hauptfiguren. Andererseits tragen sie natürlich auch zur Spannung des - an sich ja ziemlich abstrakten, aber vortrefflich recherchierten Geschehens - bei.

Fazit: Der exzellent besetzte Verschwörungsthriller rund um Machtmissbrauch, Medienmanipulation und menschliche Gier nimmt eine klare Haltung ein und ist ein Glanzstück des diesjährigen ARD-Programms. Ein Wermutstropfen bleibt: Der ursprüngliche Arbeitstitel «Geraubte Wahrheit» klingt viel passender. So könnte der Film untergehen in der Flut von anderen ähnlich lautenden TV-Krimis, was ausgesprochen schade wäre.

Tödliche Geheimnisse

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erstellt am 05.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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