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08. Dezember 2016 | 17:04 Uhr

Medien : «The Crown»: Netflix-Serie über die junge Queen

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Sie gestaltete sechs Jahrzehnte britischer Geschichte mit, und doch hat sie etwas Rätselhaftes. Das ambitionierte Netflix-Drama «The Crown» will den Schleier ein wenig lüften und zeigt das private Leben der jungen Königin Elizabeth II. - ab diesem Freitag.

Kostüm, Hut und ein verschlossenes Gesicht. So kennt man die Queen. Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen, gehört sich nicht. Seit über 60 Jahren ist die britische Königin eine Institution, ein Symbol Großbritanniens, ein Fels in der oft stürmischen Brandung.

Doch wie ist Elizabeth Windsor zu dem geworden? Mit einer seiner bislang ambitioniertesten Produktionen blickt der Online-Videodienst Netflix hinter die Tore von Buckingham Palace. Die erste Staffel von «The Crown» (Start: 4. November) schildert die jungen Jahre der Königin Elizabeth II. zwischen Familienskandalen und politischen Krise – und der schweren Bürde der britischen Krone.

Es ist eine Geschichte, die die Queen wahrscheinlich nie in der Öffentlichkeit sehen wollte. Eine persönliche Geschichte. Die junge Elizabeth (gespielt von Claire Foy) verliert 1952 ihren geliebten Vater, König Georg VI.; Zeit zu trauern wird ihr kaum gestattet. Als 25-Jährige muss sie den Thron besteigen. Überfordert von den Aufgaben, den Do's und Don'ts der Rolle, den alten Herren um sie herum, die ihr sagen, was zu tun ist, sind die ersten Jahre ihrer Herrschaft ein Kampf: zwischen den Pflichten als Königin und dem Wunsch als Elizabeth Windsor, ihr Leben selbst zu gestalten.

Der erste Kollateralschaden dieses Kampfes ist ihre noch junge Ehe mit Prinz Philip (gespielt von Matt Smith). «Bist du meine Ehefrau oder meine Königin?», keift er die Queen an. Vor der Krönungszeremonie Elizabeths II. streiten sich die beiden, ob Philip während der Zeremonie – wie es die Tradition will - vor der Königin knien soll. «Ich bin beides», erwidert sie kalt. Und so dreht sich «The Crown» auch um die Ehe der beiden, um den Schmerz, die Streitereien, den Machtkampf – und die Einsamkeit auf dem Thron.

Selbst für einen der weltweit größten Online-Streamingdienste ist die Serie ambitioniert. Nicht nur wegen der Größe der Produktion – Medien sprechen von der bisher teuersten Eigenproduktion von Netflix mit einem Budget von 100 Millionen Pfund. Der Videodienst hat sich zudem mit der Queen eine Berühmtheit ausgesucht, die ihr Privatleben weitgehend abschirmt.

Britische Könige und Königinnen sind zwar schon lange Faszinosum, und somit auch Inspiration für Filmemacher. Cate Blanchetts «Elizabeth» und die Geschichte des stotternden Königs George VI. in «The King’s Speech» waren Kassenschlager, auch TV-Serien wie «Die Tudors» waren beliebt. Doch erst «Die Queen» mit Helen Mirren brach 2006 das Tabu, Elizabeth II. privat zu zeigen.

Einen so persönlichen Einblick in das Leben der Queen wie in «The Crown» gab es allerdings noch nicht. Für das Wagnis hat sich Netflix einige der Besten ins Boot geholt: Autor Peter Morgan schrieb unter anderem das Drehbuch für «Die Queen», Regisseur Stephen Daldry führte etwa für «The Hours» mit Nicole Kidman oder für «Der Vorleser» Regie.

Vor allem Fans der britischen TV-Serie «Downton Abbey» werden sich an «The Crown» erfreuen. Zwar kann der Dialog mit dem subtilen Downton-Humor nicht ganz mithalten. Die aufwendigen Kostüme, spektakulären Kulissen – vom Buckingham Palace in London bis nach Schottland und Kenia –, und faszinierende Geschichte können das aber sehr wohl. Die Serie vermittelt auch ein Gefühl für die turbulente Nachkriegszeit in Großbritannien, in der das Empire bröckelte und sich London weltpolitisch neu aufstellen musste.

Auch die international weitgehend unbekannte Besetzung von «The Crown» überzeugt. Vor allem Claire Foy wird ihrer schwierigen Aufgabe gerecht und verkörpert erfolgreich den Zwiespalt von Elizabeth II. zwischen Pflichtbewusstsein und Freiheitsdrang. Hollywood-Veteran John Lithgow bringt die nötige Gravitas in die Rolle des beeindruckenden, aber schwierigen Premierministers Sir Winston Churchill, der die frühen Jahre der Queen sehr prägte. Sein Rat an die junge Regentin in eine der ersten Folgen, der Öffentlichkeit niemals die wahre Elizabeth Windsor zu zeigen, niemals erkennen zu geben, wie schwer die Bürde der Krone wirklich ist, ist eine Schlüsselszene.

Die Serie zeigt die menschliche Seite der Royals. Der Trotz von Prinz Philip, die Party-Eskapaden von Prinzessin Margaret, Schwester der Queen, selbst den Neid, den Elizabeth II. oft empfindet. Und doch behandelt das Drama die Familie mit Respekt – fast ein Spiegelbild Großbritanniens, dessen Klatschzeitungen an den Skandalen der Royals verdienen, das ihr Königshaus des Öfteren kritisiert, das letztendlich seine Queen aber liebt.

Netflix vertraut auf einen Erfolg von «The Crown»; auf die erste Staffel sollen fünf weitere folgen, die das Leben der Queen in späteren Jahren erzählen. Was Elizabeth II. von «The Crown» hält, wird man wohl nie erfahren - Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen gehört sich schließlich nicht. 

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erstellt am 03.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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