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Helmut Recknagel wird 80 : Skisprung-Legende kann nicht von Schanzen lassen

vom
Aus der Onlineredaktion

Olympiasieger Helmut Recknagel ist für viele Experten und Fans noch immer der beste Skispringer der Geschichte. Heute feiert der Thüringer 80. Geburtstag

Allein sein Name lässt die Augen vieler Skisprung-Enthusiasten leuchten. Helmut Recknagel war ein Idol, weit über die deutschen Grenzen hinaus. Er war der weltbeste Skispringer seiner Epoche, gewann alles, was es zu gewinnen gab, und ist noch heute ein gern gesehener Gast an vielen Schanzen der Welt. Heute feiert der Olympiasieger seinen 80. Geburtstag.

Erst vor wenigen Tagen weilte Recknagel als Ehrengast beim Weltcup am legendären Holmenkollen. Dort gewann er 1957, als Junior mit einer Sondergenehmigung am Start, als erster Nicht-Skandinavier. Für Recknagel war es gefühlt der größte Sieg seiner Laufbahn. „Wertvoller als mein Olympia-Gold 1960 in Squaw Valley, bedeutender als meine zwei WM-Titel, wichtiger als meine drei Gesamtsiege bei der Vierschanzentournee und auch als der zweite Holmenkollen-Sieg 1960“, sagt Recknagel. All diese Triumphe brachten ihn 2011 in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports.

Zwischen 1959 und 1963 war Recknagel unumschränkter Herrscher auf den Schanzen der Welt. Generationen von Schanzenpiloten orientierten sich an ihm. „Ich habe ihm nachgeeifert, wollte so erfolgreich wie Helmut werden. Umso mehr, als er aus der gleichen Region wie ich kommt“, sagt Hans-Georg Aschenbach, der zweite deutsche Olympiasieger der Skisprung-Geschichte. Auch für Jens Weißflog, der dritte in der Riege der deutschen Olympiasieger, war er ein Idol. „Helmut Recknagel war ein großes Vorbild für mich“, erklärt der Gold-Gewinner von 1984 und 1994.

Das in Leipzig begonnene Sportstudium brach Recknagel ab. Er war sich sicher, dass er kein guter Trainer werden würde. Zu ungeduldig, zu unduldsam, zu fordernd sei er gewesen. Er studierte stattdessen in Berlin Veterinärmedizin und wurde Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene in Fürstenwalde. Nebenbei blieb er von 1973 bis 1995 als internationaler Sprungrichter seinem Sport treu.

In den Wendezeiten verlor Recknagel seinen Job. Ein Jahr lang schrieb er zahllose Bewerbungen, arbeitete bei einer Versicherung, für ein Krankentransport-Unternehmen und ein Berliner Sanitätshaus, ehe er sich 1996 mit fast 60 Jahren selbstständig machte. In seinem Sanitätshaus, inzwischen mit acht Filialen, ist er immer noch sozusagen in zweiter Reihe tätig.

Überwunden hat er inzwischen erhebliche gesundheitliche Probleme nach einer Operation vor zehn Jahren. Recknagel fühlt sich wieder wohl, trainiert zweimal wöchentlich in einem Reha-Zentrum und läuft im Prenzlauer Berg. „Älter werden und sich jünger fühlen, das ist die Kunst im Leben“, lautet einer seiner vielen Wahlsprüche. „Krankheit ist keine Sünde, Gesundheit ein Verdienst“, ein anderer.

Am heutigen 80. Geburtstag will er mit Ehefrau Eva-Maria, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, seiner Tochter und den beiden Enkeln vor zu vielen Gratulanten fliehen. Wahrscheinlich an seinen Lieblings-Urlaubsplatz, die Ostsee. Am 25. März jedoch steigt in Berlin eine größere Feier. Dabei wäre Recknagel an dem Tag viel lieber in Planica – beim Skifliegen.

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