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Mutabor im Interview : Singen und handeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Axel Steinhagen, Gründer der Band Mutabor, über seine Jugend in Wismar und Schwerin und seine Hilfsprojekte für Afrika

Als Axel Steinhagen in Wismar geboren und aufgewachsen, hat er unter seinem Künstlernamen Axl Makana mit seiner Band Mutabor als Sänger und Songschreiber internationale Anerkennung erfahren. Auf der Bühne beeindruckt Steinhagen durch Hintersinn, Perfektion und Übermut. Uli Grunert sprach mit ihm über seine Anfänge, musikalische Idole und das Projekt Viva Humanidad in Äthiopien.

Wann war Dir klar, mit Musik Deinen Lebensunterhalt verdienen zu wollen?
Axel Steinhagen: Eigentlich fing alles erst nach meinem Unfall 1986 in Wismar an. Ich war gerade mit der Schule fertig und hatte eine Lehre als Werkzeugmacher begonnen. Als man mir dann im Krankenhaus sagte, dass ich großes Glück gehabt hätte und gerade dem Tod von Schippe gesprungen bin, veränderte sich mein Weltbild. Ich schrieb Gedichte und wollte nun Gitarre lernen. Obwohl beide Hände gebrochen waren und eine Hand steif bleiben sollte. Immerhin konnte ich mit einer Hand ein Plektron halten, mit der anderen ein paar Saiten greifen. Auf diese Art erforschte ich langsam die Gitarre und schrieb erste Lieder.

Vom Musikmachen im Kinderzimmer ist es ein großer Schritt auf eine öffentliche Bühne. Wie war das bei Dir?
Unsere erste Band war eigentlich eine Schnapsidee. Ich stand eines Abends zufällig mit dem Gitarristen Tillmann Walter in Wismar im Block 17 zusammen am Biertisch. Er erzählte von seinem neuen Bandprojekt, dass sie noch einen Sänger suchten. Irgendwie verabredeten wir uns am Ende des Abends für eine Probe in meiner Wohnung. Ich hatte vorher nie daran gedacht, den Sänger in einer Band zu machen. Daraus entwickelte sich dann für uns in Wismar sogar ein kleiner Bekanntheitsgrad.

An der Abendschule machte ich mein Abitur. Als ich dann mein Abi in der Tasche hatte, ging ich zusammen mit dem Gitarristen nach Berlin. Ich fing dort an, Ethnologie zu studieren. In Berlin gründeten wir dann die Band Mutabor. Anfangs hatte ich nicht die Vorstellung, das mal hauptberuflich zu machen.

Gab es musikalische Idole, die Dich auf Deinem Weg inspiriert oder beeinflusst haben?
Mit 13, 14 habe mich ich sehr für Bob Marley interessiert und mir die Texte übersetzt. Dann kam Bruce Springsteen, besonders seine Platten „Born to run“ bis „The River“. Mit 19 hörte ich Punk, Dead Kennedys und Sex Pistols, aber auch experimentellen Chanson-Folk â la Tom Waits oder Tracy Chapman. In Schwerin entwickelte sich zu der Zeit eine Punk-Szene. Man traf sich auf einschlägigen Partys und Konzerten in der Umgebung. Ich erinnere mich noch an First Arsch, wo der spätere Rammstein-Sänger trommelte oder an die Band Ich Funktion und natürlich Feeling B und Sandow. Später kam dann Manu Chao und Element of Crime dazu.

Seit meinem Interesse für Bob Marley interessiere ich mich auch für den afrikanischen Kontinent. In Wismar hatte ich damals ein paar Studenten aus Äthiopien kennengelernt. Ich entschloss mich dann nach dem Fall der Mauer, meine erste Flugreise nach Äthiopien zu machen. Mich interessieren andere Kulturen. Sie sind nicht zuletzt ein Spiegel der eigenen Kultur.

Im Jahr 2008 hast Du das Projekt Viva Humanidad ins Leben gerufen, um Lern- und Lehrbedingungen in Äthiopien zu verbessern. Was waren die Beweggründe dafür?
Ich bin während meines Ethnologie-Studiums das erste Mal nach Äthiopien gereist. Es gilt bis heute als eines der ärmsten Länder der Erde. Auf der anderen Seite habe ich dort große Gastfreundschaft erlebt und dass man trotz wirtschaftlicher Armut reich an Lebensfreude sein kann. Das hat mich sehr berührt. Ich bin in der Folgezeit oft dorthin gefahren. Auf einer Reise lernte ich eine Frau von einer Hilfsorganisation kennen, die mich mit zu einer Schule genommen hat. Als ich dann zurück in Deutschland war, bekam ich eine Anruf von einer Schule in Deutschland, die mich für einen Aktionstag für Afrika einlud. Ich hielt dort dann einen Vortrag über Schulen in Äthiopien. Dabei fragten mich die Schüler, wie man den Schülern in Äthiopien helfen könnte. Da kam mir die Idee, einen Verein für Schulpartnerschaften zu gründen. Das läuft nun schon seit sieben Jahren und unser jüngstes Projekt war der Bau einer Schule mit lokalen Baumaterialien. Diese Arbeit hat etwas sehr Befreiendes, denn man fühlt sich nicht länger ohnmächtig gegenüber den Missständen auf diesem Planeten und lernt nebenbei viele Optimisten kennen. Songs über Probleme zu singen ist das eine, doch viel wichtiger ist es, zu handeln.
 


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erstellt am 17.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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