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Leute

09. Dezember 2016 | 10:41 Uhr

Urteil im Raucherprozess : Sieger im „Kippen-Krieg“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Raucher Friedhelm Adolfs gewinnt Mietstreit und muss nicht ausziehen

Die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt, in der anderen Hand eine dicke Sieges-Zigarre. Raucher Friedhelm Adolfs hat es nach mehr als drei Jahren Prozessdauer doch noch geschafft. Der 78-Jährige darf in seiner Wohnung bleiben - die fristlose Kündigung seiner Vermieterin ist praktisch vom Tisch. Das Düsseldorfer Landgericht weist ihre Klage wegen seines Rauchverhaltens, das für die Nachbarn unzumutbar sei, gestern ab und lässt keine Revision zu (Az.: 23 S 18/15). Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, dass der Bundesgerichtshof den Fall aber noch einmal auf den Kopf stellt, gilt nach den Hinweisen der Bundesrichter als extrem unwahrscheinlich.

Blitzlichtgewitter, Umarmungen und Schulterklopfen vor Saal 2.119. „Die Erleichterung ist sehr groß“, bekennt der schmächtige Rentner, der sich für den Termin in Schale geworfen hat: Nadelstreifen-Anzug, Krawatte und blaues Hemd. „Ich brauche jetzt nicht von heute auf morgen raus, das ist schon mal gut. Einmal musste es ja zum Schluss kommen.“ Als die Anspannung von ihm abfällt, ist Adolfs sichtbar den Tränen nahe, seine Augen werden feucht: „Schöner kann es mir gar nicht gehen.“ Nach der Anhörung von 13 Zeugen in der vom Bundesgerichtshof angeordneten Beweisaufnahme hatten sich die dunklen Wolken über dem 78-Jährigen bereits gelichtet. Den zuvor siegreichen Anwältinnen der Vermieterin schwammen bei der Neuauflage des Falls vor dem Landgericht die Felle davon.

Die von Adolfs aufgebotenen Zeugen teilten unisono mit, nichts von üblen Rauchschwaden und unerträglichem Gestank bemerkt zu haben, wenn sie den Senior besuchten. Der habe eifrig gelüftet. Und wenn doch, dann seien es andere gewesen, die im Hauseingang geraucht hätten, jedenfalls nicht der Witwer.

Adolfs selbst hatte Profitstreben hinter dem Vorgehen der Vermieterin vermutet: Die wolle vermutlich bloß seine Wohnung auch noch in lukrativen Büroraum umwandeln. Seine unmittelbaren Nachbarn hätten sich jedenfalls überhaupt nicht beschwert.

„Die Sache ist rechtlich relativ eindeutig“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. „Mieter müssen ausreichend lüften. Das gilt nicht nur für Zigarettenrauch, auch etwa für extremen Knoblauchgeruch.“ Wer sich daran halte, der dürfe rauchen. „Die eigenen vier Wände sind schließlich der letzte Rückzugsort für Raucher.“

Sogar aus Sicht des Eigentümerverbandes Haus & Grund ist das Urteil „juristisch nachvollziehbar“: „Wenn die Belästigung nicht beweisbar ist, muss man das so hinnehmen“, sagt Sprecher Alexander Wiech. Das Urteil sei dennoch kein Freibrief: „Mieter müssen sich sozialverträglich verhalten.“

Ob er jetzt, wo er darf, dort langfristig weiter wohnen bleibe, wisse er noch gar nicht so genau, sagt Adolfs. Erst als die Frage kommt, ob er nun nicht doch etwas weniger rauchen wolle, blitzen seine Augen wieder angriffslustig: „Um Gottes Willen – auf keinen Fall.“

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erstellt am 29.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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