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07. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

DDR-Fußballer Peter Ducke : „Schwarzer Peter“ wird 75

vom
Aus der Onlineredaktion

Peter Ducke galt als einer der begnadetsten Fußballer der DDR – und war einer der eigensinnigsten

Sie nannten ihn Sturkopf und Rebell, Individualist und Selbstdarsteller – für die meisten aber war er nur der „Schwarze Peter“: Peter Ducke, der schwarzhaarige Wunderstürmer vom FC Carl Zeiss Jena. Heute wird er 75.

Von den Fans wurde er gefeiert, von Gegnern und Mitspielern gleichermaßen gefürchtet: Weil er so elegant und wendig war – vor allem aber unberechenbar. Dreimal wurde er mit Jena Meister und Pokalsieger. Mit der DDR gewann er 1972 Olympia-Bronze. „Es war alles schön“, sagt er rückblickend, „ich kann nicht sagen, was am schönsten war.“

An den schlimmsten Moment seiner Karriere erinnert er sich aber sehr wohl: Im Februar 1974 erlitt er einen Meniskuseinriss, damals eine sehr schwere Verletzung. „Ich war in der Form meines Lebens und die WM 1974 sollte meine WM werden. Und dann sowas – ich habe nächtelang geheult“, erzählt Ducke. „Es war schon ein Wunder, dass ich es überhaupt in den WM-Kader schaffte, aber die Zeit war dann einfach zu kurz…“

Für ihn rutschte Jürgen Sparwasser in die Stammelf – und erlangte mit seinem 1:0-Siegtor gegen den späteren Weltmeister BRD Unsterblichkeit.

Die Trainer gaben es irgendwann auf, Ducke zu erziehen: Der mache sowieso, was er wolle. „Ich wollte immer künstlerisch tätig sein“, erklärt er. Ob Kullerball, per Hacke oder in den Winkel – jedes Tor war spektakulär. „Die Zuschauer haben sich gefreut – alle. Spiele mit mir waren nie langweilig.“ Ohne Einzelne, die glänzten, bleibt eine Mannschaft Mittelmaß – davon ist Ducke überzeugt. Auch wenn die Allüren des Individualisten im sozialistischen Kollektiv der Stasi nicht passten.

Respekt hatte er nur vor Bruder Roland, der 2005 verstarb. „Ihm wollte ich immer nacheifern“, sagt Peter. Ihm war er auch nach Jena zum Club gefolgt. Das Fußballspiel hatten sie nach der Flucht aus Schlesien gemeinsam gelernt, auf einem Schlackeplatz in Schönebeck, neben dem Elternhaus.

Es wäre für Ducke nicht gutgegangen ohne seinen wichtigsten Fürsprecher: Georg Buschner. „Er gab mir alle Freiheiten.“ Ohne die schützende Hand des langjährigen Trainers von Carl Zeiss und der Nationalelf wäre der Künstler wohl irgendwann von der Sportbühne verschwunden.

Flucht kam für ihn jedoch nie in Frage. „Es wäre leicht gewesen“, sagt Ducke. Geadelt von keinem Geringeren als Pelé, der ihn zu den zehn besten Stürmern der Welt zählte, und wegen seiner südländischen Spielweise war Ducke auch für Clubs jenseits des Eisernen Vorhangs interessant – was er zum Teil erst aus seiner Stasi-Akte erfuhr. Werder Bremen, der FC Barcelona, selbst Vereine aus Südamerika hätten ihn gern gehabt. „Dadurch ging mir viel Geld durch die Lappen“, weiß er. „Aber ich will nicht fragen, was hätte sein können. Ich hatte in Jena alles, was mir wichtig war. Meine Familie, Freunde, Fans, ein wunderbares sportliches und privates Umfeld. Das hätte ich nie eingetauscht, auch nicht für Millionen.“

Ducke ist ruhiger geworden, lebt in einem Bauernhaus bei Apolda. Ab und an gibt er Feriencamps, auch in Schwerin, in Rostock, Plate und Carlow. „Die Kinder staunen immer, was der Alte noch so kann.“

Den Geburtstag begeht er entspannt: auf Ibiza mit seiner Frau. „Das war ihre Idee. Da muss ich ja gehorchen“, sagt er schelmisch grinsend. Ein Gläschen Wein, das soll es an Feier gewesen sein. An Gratulanten hat er nur eine Botschaft: „Ruft mich nicht an.“ Eigensinnig wie eh und je.

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