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06. Dezember 2016 | 18:58 Uhr

Fernsehen : Sag mir nichts

vom

Von der großen Liebe und dem banalen Leben erzählt Andreas Kleinerts TV-Romanze «Sag mir nichts». Glaubwürdige Charaktere und eine leise Komik zeichnen den Film aus.

Ihre Blicke treffen sich zuerst in der Straßenbahn, dann kreuzen sich ihre Bahnen im Hallenbad, und es ist passiert: Lena (Ursina Lardi) und Martin (Ronald Zehrfeld) haben sich rettungslos ineinander verguckt. Draußen vor dem Schwimmbad fallen sie wortlos übereinander her, trennen sich und hoffen auf ein Wiedersehen, das zufällig geschieht. Manchmal kommt die Liebe wie ein Donnerschlag, und zwar ganz altmodisch ohne Dating-App.

Wie zwei nicht mehr ganz junge, verheiratete Menschen urplötzlich aus allen Wolken fallen und einen Neustart wagen, davon erzählt in schöner Beiläufigkeit die bittersüße ARD-Romanze «Sag mir nichts», die am Mittwoch (09.11.) um 20.15 Uhr im Ersten läuft.

Regisseur Andreas Kleinert («Herr Lenz reist in den Frühling») und sein Drehbuchautor Norbert Baumgarten haben glaubhafte Charaktere entworfen, die es sich erlauben, aus dem Hamsterrad des Alltags auszubrechen. Eine leise Komik zieht sich durch diese unspektakuläre Seitensprung-Geschichte, die ganz ohne peinliche Zoten auskommt.

Als der Zeitungsreporter Martin nach dem spontanen Seitensprung nach Hause kommt, warten da schon Ehefrau Solveig (Sarah Hostettler) und die nervigen Schwiegereltern. Solveig will unbedingt schwanger werden und setzt ihren Mann gehörig unter Druck. «Zu spät, zu früh, komm doch mal richtig», mault sie ihn nach einem vergeigten Quickie an, und hat nicht mal unrecht. Martin interessiert sich mehr für seinen Job als für die Familie, da kommt ihm die Affäre mit der Fotografin Lena ganz recht. Die lebt mit ihrem etwas pummeligen, herzensguten Mann Bodo (Roeland Wiesnekker) und der schwer pubertierenden Tochter Susanna (Lea van Acken) in einer kleiner Etagenwohnung. Auch Susanna ist schwer verliebt. In ihre beste Freundin.

«Lass uns abhauen», sagt Martin nach etlichen heimlichen Treffen in tristen Hotelzimmern zu Lena, aber der große Neuanfang entpuppt sich dann nur als kurzes Wochenende an der Ostsee. Immerhin eine kleine Auszeit: «Ich habe alles vergessen, den ganzen Scheiß», meint Lena und tanzt selbstvergessen am Strand. Dazu hören wir ein französisches Chanson. Es sind diese kleinen Szenen, die Kleinerts Film auszeichnen. Der 1962 geborene Regisseur mag italienische und französische Liebesfilme, und ein wenig von der Leichtigkeit und Nonchalance dieser Vorbilder beflügelt auch seinen lässigen TV-Film.

Dazu kommen starke Darsteller. Ronald Zehrfeld («Barbara») verkörpert den eher introvertierten, aber ehrgeizigen Martin überzeugend zurückhaltend, während die Berliner Theaterschauspielerin Ursina Lardi eine vom Liebesglück entflammte Frau spielt.

Das Schöne an «Sag mir nichts» ist aber, dass auch die anderen Figuren interessant sind: Sarah Hostettler gibt die betrogene Ehefrau, die so sehr auf ihr Kind hofft, mit stoischer Ruhe und Hinterlist - keine großen Szene, lieber mal abwarten. Und auch Lenas gutmütiger Ehemann und Hobbyzeichner Bodo ist viel klüger als er aussieht. In einer Szene animiert er seine ihm untreue Lena, ihm Modell zu sitzen. Und dann verführt er sie ganz raffiniert.

Solche Szenen lassen Kleinerts Film funkeln. Der Regisseur gönnt seinen Verliebten ein offenes Ende, so stilvoll und melancholisch in Szene gesetzt wie ein Bild von Edward Hopper. Da sitzt Lena allein im beleuchteten Café am Fenster und wartet vergeblich auf ihren Lover. Der kommt schließlich doch noch, bleibt aber draußen vor der Scheibe stehen, die Augen tränenfeucht. Ein bisschen Schnee fällt, und das Leben und Lieben geht weiter.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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