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Depeche Mode in Berlin : Revolution und Abgründe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Finster, bedrückend und hoffnungslos klingt das neue Album von Depeche Mode. am FReiztag präsentierten sie „Spirit“ in Berlin

Nun ist es so weit – vier Jahre nach „Delta Machine“ kam gestern das neue Album „Spirit“ auf den Markt. Die Stimmung: bedrückend, düster, bedrohlich. Der Soundtrack für unsere Zeit, könnte man meinen. Auf dem Cover: Beine, die in eine Richtung marschieren, Flaggen, die in die andere Richtung wehen.

Gleich im ersten Song „Going Backwards“ zeichnet die Band ein pessimistisches Bild: „Wir bewegen uns rückwärts, wir ignorieren die Realitäten“, singt Frontmann Dave Gahan. „Wir haben keinen Respekt, wir haben die Kontrolle verloren“, heißt es an anderer Stelle. Fazit: Wir werden wieder zu Höhlenmenschen. Untermalt wird das Szenario von einem pulsierenden Rhythmus, der nichts Gutes ahnen lässt.

In der ersten Single-Auskopplung „Where’s the Revolution“ schimpft Gahan und fragt immer wieder, wo die Revolution bleibe und versucht die Leute zu ermuntern, ihn dabei nicht hängen zu lassen.

Weniger kämpferisch klingt dagegen schon „The Worst Crime“ („Das schlimmste Verbrechen“), in dem es deutlich ruhiger zugeht als in den beiden ersten Stücken. Und auch da sind die Zeichen der Zeit wieder zu erkennen: Besungen werden Missinformation und fehlgeleitete Führer, ungebildete Leser, Teilnahmslosigkeit. Bemerkenswert, schließlich hat die Band ihr 14. Studioalbum vor der Wahl Donald Trumps in den USA und vor der breiten Debatte um Fake News aufgenommen.

Doch dann ist der politische Tiefgang jäh vorbei – dagegen klingt ein Titel wie „So Much Love“ schon fast platt, aber mehr nach Depeche Mode. Darin geht es um schmerzliches Verlangen und Verlust, „Feuer in den Venen“. Es dreht sich um das Du und das Ich, wie viele andere der insgesamt zwölf Songs. In „No More (This Is The Last Time)“, einem der sanfteren und melodiösen Lieder der Platte, geht es um getrennte Wege nach einer langen gemeinsamen Zeit, bis Gahan zu dem Schluss kommt: „Du bedeutest mir nichts mehr“. An anderer Stelle geht es ums Versagen oder um menschliche Abgründe.

Für „Spirit“ haben Gahan (54), Sänger und Gitarrist Gore (55) und Keyboarder Andrew Fletcher (55) in ihrer mehr als 35-jährigen Bandgeschichte erstmals mit James Ford zusammen gearbeitet, der zuvor Alben von Florence and the Machine oder den Arctic Monkeys produziert hat. Gahan sagte, Ford habe es geschafft, Depeche Mode auf ein anderes Level zu bringen.

Gebrochen hat die 1980 gegründete Band auf der neuen Platte aber keinesfalls mit ihrem Stil. Noch immer wummert, summt und hackt es elektronisch, was ab und an nur durch natürliche Klaviere durchbrochen wird.

Die letzte Zeile auf dem Album: „Oh we failed!“ („Oh wir haben versagt!“).

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erstellt am 17.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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