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04. Dezember 2016 | 13:13 Uhr

Kunst : Promi-Geburtstag vom 8. März 2016: Heinz Mack

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Als Heinz Mack und Otto Piene 1957 in einem Ruinenatelier in Düsseldorf ihre erste Abendausstellung eröffneten, kamen 20 Besucher. Knapp 60 Jahre später sehen in New York, Berlin, Amsterdam und Istanbul über 700 000 Menschen in einer Wanderausstellung die futuristische ZERO-Kunst.

Der Ruhm für ZERO kam spät, aber gewaltig. Heinz Mack, Mitbegründer dieser puristischen Kunstbewegung, wird am 8. März 85 Jahre alt - und er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Kaum ein Künstler hatte in letzter Zeit so viele Ausstellungen in renommierten Museen wie Mack.

Licht ist der Werkstoff für Macks kühne Projektionen und Bilderträume. Seit Jahrzehnten verfolgt der in Mönchengladbach auf dem malerischen denkmalgeschützten Huppertzhof lebende Künstler unbeirrt seinen Weg, das Licht in seinen Kunstwerken zu nutzen.

«Ich möchte 100 Jahre alt werden, so dass ich noch die Gelegenheit habe, ein paar sehr wichtige Arbeiten zu realisieren», sagt der agile Künstler mit den weißgrauen Haaren, die markant im Scheitel über seinem Kopf liegen. «Wenn ich ins Atelier komme, vergesse ich vollkommen, wie alt ich bin.» Sechs Stunden arbeitet Mack täglich in seiner Werkstatt, unterstützt nur von einem Schreinermeister.

Glitzernde Stelen, Lichtrotoren und Metallreliefs machten Mack bekannt. Zusammen mit Piene, der 2014 starb, und später Günther Uecker, bildete er das ZERO-Trio - eine avantgardistische Künstler-Clique, die mit Feuer, Luft, Aluminium, Plexiglas und Metall experimentierte.

Macks monochrome Reliefs und Raster sind heute Klassiker der Moderne. «Das Ziel war, ganz große Kunstwerke zu schaffen, die in der Kunstgeschichte bestehen können», sagte er einmal. Seit im Jahr 2010 die private ZERO-Sammlung Lenz Schönberg für Rekordpreise versteigert wurde, findet diese Kunst auf dem Markt reißenden Absatz. Ein schwarz-weißes Rasterstrukturbild von Mack aus dem Jahr 1962 wurde 2015 bei Van Ham für fast eine halbe Million Euro versteigert - der Schätzpreis hatte unter 100 000 Euro gelegen.

Mack liebt auch das Monumentale. Er schuf große Skulpturen für Parks, Straßen und Plätze von München bis Berlin, die größte ist eine 42 Meter hohe Stele vor der Daimler-Hauptverwaltung in Stuttgart. Spektakulär ist seine jüngste Installation. Neun jeweils sieben Meter hohe Pfeiler bedeckte er mit 850 000 goldenen Mosaiksteinen. Das tempelartige Kunstwerk wurde in Venedig und dann in Istanbul präsentiert.

Erst 1991 wandte sich Mack auch wieder der Malerei zu. Seine Lichtkunst setzt sich in großformatigen schwärmerischen Abstraktionen in den Spektralfarben fort. «Ich bin sowohl Bildhauer als auch Maler», sagt Mack. Die leuchtenden Farben Blau, Gelb, Rot in ihren vielfältigen Abstufungen ziehen den Betrachter magisch an.

Manchen Kunstkritikern ist das zu dekorativ. Denn ist ein Kunstwerk auf den ersten Blick zugänglicher, unterstellt man gleich eine mangelnde Tiefe. «Für mich ist das Wort Schönheit kein Tabu», entgegnet Mack. «Ich stehe dazu, dass Dinge schön sein können, und ich scheue mich nicht, Dinge zu machen die schön sind.» Und wem seine Kunst zu einfach scheint, dem entgegnet er: «Diese Einfachheit kann das Schwerste sein.»

Der 1931 im hessischen Lollar geborene Mack studierte 1950 bis 1953 an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Ewald Mataré - gleichzeitig mit Joseph Beuys, der einen völlig anderen Weg einschlagen sollte. Zugleich war Mack auch an der Universität in Köln für Philosophie eingeschrieben. Als Lehrer und Kunsterzieher musste er seine Familie und zwei Töchter ernähren. «Morgens habe ich unterrichtet, nachmittags geschlafen und nachts habe ich durchgearbeitet», sagt er.

Anders als Beuys, der mit seinen Materialien Filz und Fett geerdet blieb, liebten die ZERO-Künstler das Technisch-Utopische. Als in den 60er Jahren die bemannte Raumfahrt startete, erforschte Mack in Sahara-Expeditionen und später in der Arktis die Kraft des Sonnenlichts. Berühmt ist das Wüsten-Foto des Künstlers im silber-glänzenden Lurex-Anzug, das ihn wie von einem anderen Stern erscheinen lässt. «Wir hatten damals überhaupt kein Geld», erzählt Mack. Als einmal ein grandioser Sonnenuntergang Macks futuristische Objekte in gleißendes Licht tauchte, habe der Kameramann passen müssen: «Ich habe keinen Film mehr.»

Heute braucht der mehrfache Documenta- und Biennale-Teilnehmer die Hilfe von mehreren Kunsthistorikerinnen, seiner Frau und seiner Tochter, um die zahlreichen Ausstellungsanfragen zu bewältigen. In großen Hallen lagert seine Kunst. Macks Refugium aber ist sein Haus auf Ibiza, für ihn die «Insel des Lichts». Dorthin will er sich auch an seinem Geburtstag zurückziehen.

Website Heinz Mack

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erstellt am 08.Mär.2016 | 00:01 Uhr

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