zur Navigation springen

Leute

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

Gefeiert und kritisiert : Promi-Geburtstag vom 14. November 2016: Zhang Yimou

vom

Seine künstlerischen Qualitäten sind nicht umstritten, seine Nähe zum kommunistischen Regime in China schon. Mit seinem neuen Film «Great Wall» zielt der berühmteste chinesische Regisseur Zhang Yimou auf ein Massenpublikum - und macht sich ein Geschenk zum 65. Geburtstag.

Zhang Yimou ist Kontroversen nie aus dem Weg gegangen. Ob er die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking inszenierte oder den 60. Geburtstag der Volksrepublik - er sieht sich als kreativer, unpolitischer Künstler und Filmemacher, obwohl er sich damit zum Diener der kommunistischen Propaganda machte.

Auch sein neuer Film «The Great Wall», der sich nicht um den Bau der großen Mauer, sondern um den Kampf gegen Monster dreht, schlägt schon vor der Premiere im Februar große Wellen - wenn auch aus anderen Gründen.

Damit der Film international erfolgreich wird, spielt Hollywood-Star Matt Damon die Hauptrolle, was unter Chinesen eine Kontroverse auslöste. Die amerikanische Schauspielerin Constance Wu sprach vom «rassistischen Mythos, dass nur ein weißer Mann die Welt retten kann». Der Vorwurf traf im nationalistischen China einen Nerv.

Zhang Yimou sah sich zu einer Reaktion genötigt: Der Film sei «tief in der chinesischen Kultur verwurzelt», argumentierte er in einer Erklärung für «Entertainment Weekly». Matt Damon spiele auch keine Rolle, die für einen chinesischen Schauspieler gedacht gewesen wäre. Auch werde er inspiriert vom Mut der chinesischen Kämpfer. Und überhaupt sei er nur einer von fünf Helden, schilderte der preisgekrönte Regisseur. «Die anderen vier sind alle Chinesen.»

Zur Verteidigung bemühte Zhang Yimou, der am 14. November seinen 65. Geburtstag feiert, auch noch sein kreatives Erbe. «Als Regisseur von 20 chinesischen Filmen und der Olympischen Spiele in Peking habe ich niemals einen Film auf eine Weise besetzt, die meiner künstlerischen Vision nicht treu ist - und werde es auch nicht tun.» In New York legte Zhang Yimou jüngst noch einmal nach: «Es gibt die Kritik nur, weil noch niemand den Film gesehen hat», zitieren ihn chinesische Medien. «Er wird ihren Atem stocken lassen.»

Das ist ein großes Versprechen, aber tatsächlich hat kein anderer chinesischer Regisseur so große Gefühle, packende Bilder und Farben geschaffen wie Zhang Yimou. Keiner hat daheim und weltweit so viel Erfolg. Er gehörte zur sogenannten «Fünften Generation», den ersten Filmemachern Chinas, die nach der Kulturrevolution (1966-76) wieder einen Abschluss auf der Pekinger Filmhochschule machen konnten.

Der 1951 geborene Zhang Yimou war von der Kulturrevolution geprägt. Seine Familie hatten einen «schlechten» Klassenhintergrund, da sein Vater als Offizier in der Armee der nationalistischen Kuomintang im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten gedient hatte. So wurde Zhang Yimou zur Umerziehung aufs Land geschickt und arbeitete sieben Jahre in einer Textilfabrik, wo er mit Fotografie als Hobby anfing.

Mit seiner Foto-Mappe gelang ihm 1978 die Aufnahme in die Pekinger Filmhochschule, er wurde danach in kleine Filmstudios entsandt. An der Seite von Chen Kaige arbeitete Zhang Yimou an «Gelbe Erde» (1984) und gab sein Debüt als Regisseur mit «Rotes Kornfeld» (1987), der auf dem Filmfestival in Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde.

Im politisch restriktiven Klima nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung wurde sein Film «Ju Dou» (1989) von der chinesischen Zensur verboten - ähnlich «Rote Laterne» (1991) oder die Familiensaga «Leben» (1994), auch wenn Zhang Yimou weiter international große Anerkennung fand. Ende der 90er Jahre begann Zhang Yimou schließlich, sich mit den Filmbehörden in China zu arrangieren, was ihm viel Kritik einbrachte.

Er stand dazu, sich dem repressiven Regime in China anzupassen, wollte sich Schubladendenken entziehen und weiter chinesische Geschichten erzählen. Seine Filme «Nicht einer weniger» (1999) und «Heimweg» (1999) gewannen erneut internationale Auszeichnungen. Mit «Hero» (2002) oder «Haus der Fliegenden Schwerter» (2004) wandte sich Zhang Yimou dann der traditionellen Kampfkunst zu, von der auch der Trailer von «The Great Wall» viel verspricht.

Aber auch privat ist Zhang Yimou für Kontroversen gut. Trotz seiner guten politischen Beziehungen musste der mehrfache Vater wegen des Verstoßes gegen die damals noch strenge chinesische Ein-Kind-Politik 2014 tief in die Tasche greifen. Er zahlte nach Angaben des Staatsfernsehens eine Strafe von 7,5 Millionen Yuan, damals 900 000 Euro, weil er die Vaterschaft von drei Kindern mit seiner Frau, der Schauspielerin Chen Ting, einräumen musste.

Trailer "The Great Wall"

zur Startseite

von
erstellt am 14.Nov.2016 | 00:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen