zur Navigation springen

Leute

04. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Mehr als der Medicus : Promi-Geburtstag vom 11. November 2016: Noah Gordon

vom

Die Romane über die Medizinerdynastie Cole erreichten Millionen. Viele Deutsche zählen den «Medicus» zu ihren liebsten Büchern. Der an ADHS leidende Autor Noah Gordon brachte die Kapitel oft unter Qualen zu Papier. Doch sein Traum vom Schreiben ist wahr geworden.

Den ersten großen Schritt in seiner Karriere ging Noah Gordon nahezu heimlich. Denn eigentlich sollte der Sohn jüdischer Eltern Medizin studieren, um finanziell abgesichert zu sein. Ein Semester am College hat er auch durchgehalten. Aber dann schrieb sich der junge Gordon für Journalismus ein - ohne seinen Eltern davon zu erzählen.

Die Laufbahn als Reporter ebnete ihm schließlich den Weg zum Schriftsteller, dessen «Medicus»-Trilogie sich millionenfach verkaufte. Am Freitag wird der Autor 90 Jahre alt.

Für Bücher interessierte sich der in Worcester im US-Staat Massachusetts geborene Gordon früh, als seine ältere Schwester ihn an der Hand mit zur Bücherei nahm. «Ich lieh in sehr jungem Alter Bücher aus. Es war eine vollkommene Flucht in viele verschiedene, wunderbare Welten», sagte Gordon der Deutschen Presse-Agentur. «Langsam begann ich zu fühlen, wie großartig es ist, solche Geschichte zu haben und erzeugen zu können.» Als Journalist für die Zeitung «Boston Herald» schrieb er bald über Krankenhäuser und Forschungslaboratorien.

«Ich konnte mir einen Kittel überziehen und neben ihnen stehen, als sie bahnbrechende Operationen unternahmen», erinnert sich Gordon. Und doch war da noch dieser Traum von der Schriftstellerei. «Ich liebte mein Leben sehr. Zu dieser Zeit hatte ich zwei Kinder und ein drittes war auf dem Weg. Meine Frau sagte: Wenn Du es jetzt nicht tust, wirst Du es nie tun.» Und so setzte er sich nach dem Treffen mit einer Literatur-Agentin an seinen ersten Roman: «Der Rabbi» von 1965 hielt sich 26 Wochen auf der Bestsellerliste der «New York Times».

Wie ein roter, manchmal blutiger Faden zog sich die Medizin in den Jahren darauf durch die Werke Gordons, der sich als chirurgischer Techniker und später als medizinisch-technischer Assistent für den Notdienst hatte ausbilden lassen. Neun Jahre arbeitete er mit Patienten in Häusern und Bauernhöfen auf dem Land in Massachusetts, weil es in seinem Dorf statt eines Arztes nur eine freiwillige Ambulanz gab. Er genoss die Wälder, den von Forellen belebten Bach auf seinem Grundstück und den Garten, der ihn ablenkte, wenn er mal nicht an der Schreibmaschine saß.

Nur wenige Fans der ab 1986 erschienenen «Medicus»-Triloge, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, werden von der Tortur wissen, der Gordon sich beim Schreiben unterziehen musste. Wegen einer erst im Alter von 70 Jahren diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) quälte Gordon sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. «Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken» sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, so dass er sich übermäßig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben.

Umso bemerkenswerter, dass Gordon mit seinen «Medicus»-Romanen einen Welterfolg eingefahren hat. Seine Mischung aus Fakten und Fiktion hat auch in Deutschland Millionen Fans. Die «Medicus»-Verfilmung unter Regie von Philipp Stölzl, die 2013 in die Kinos kam, half, die Bücher einem alten Publikum wieder und einer jungen Leserschaft neu zu erschließen. Während der Film teils vom Buch abweicht, bleibt das Schlosstheater Fulda mit seinem gleichnamigen Musical näher an der Romanvorlage - kommenden Sommer kehrt es dort auf die Bühne zurück.

«Es ist für mich einfach unfassbar interessant, über Heiler und Hausärzte nachzudenken, ihre begrenzte Palette an Medikamenten, ihre Ignoranz gegenüber dem menschlichen Körper», erklärt Gordon seine Faszination für die Medizin im Mittelalter. Trotz religiöser Hemmungen, den Körper näher zu erforschen, hätten sie ihren Beruf und ihre damals noch sehr junge Wissenschaft engagiert ausgeübt.

Seit seinem letzten Roman «Der Katalane» von 2007 ist es ruhiger geworden um den Vater dreier erwachsener Kinder, auch wenn er hin und wieder noch an zwei unfertigen Romanen schreibt. «Ich mag sie beide und habe äußerste Schwierigkeiten, sie zu beenden.» Die körperliche Anstrengung sei einfach zu groß. «Ich bin 90, gebrechlich und gestört durch die Unzahl an Beschwerden, die alte Menschen erfahren.» Manchmal suche er minutenlang vergeblich nach einem einzigen Wort.

Verbittert scheint er darüber nicht, denn den anhaltenden Erfolg seiner Arbeit spürt er bis heute. Immer wieder erreichten ihn per E-Mail Leserbriefe von Fans, obwohl er seit Jahren kein Buch veröffentlicht habe. «Meine Bücher werden rund um die Welt immer noch gelesen», sagt er, und vermutlich werde das auch nach seinem Tod noch eine Weile so bleiben. «Ich weiß nicht, was ein Autor sich sonst noch wünschen kann.»

Noah Gordon

Schlosstheater Fulda

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2016 | 00:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen