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09. Dezember 2016 | 06:45 Uhr

Wasja Götze : Pop-Art made in DDR

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Allrounder Wasja Götze war in der Kunstszene ein Underdog – er wollte einfach nicht ins Raster passen

Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Komponist, Radrennfahrer. Der Künstler Wasja Götze aus Halle ist ein Allrounder. In diesem Jahr wird er 75 und seine Heimatstadt ehrt ihn ab Sonntag (bis 29. Januar 2017) mit einer Doppelausstellung. Der beziehungsreiche Titel: „Wasja Götze: inmitten – am Rande. Malerei und anderes“. In der DDR-Kunstszene war Götze einer der wenigen Pop-Art-Künstler und eckte damit bei der Staatsmacht gehörig an. Er war: am Rande. „Meine Vorbilder waren Andy Warhol, Peter Blake oder David Hockney. Dass man sich in den 1960er/70er-Jahren für diese Richtung entschied, war schon allein ein politisches Statement“, sagt der in Altmügeln in Sachsen geborene Götze. Hinzu kam seine unangepasste Lebensweise.

Götze, der leidenschaftlich gerne Rennrad fährt, organisierte zu DDR-Zeiten die legendäre Petersberg Rallye, ein Radrennen mit Kult-Status am Petersberg nahe Halle. „Das sollte eigentlich nur ein Riesen-Radfahrspaß sein. Aber die Staatsmacht sah es als eine subversive Aktion an“, erzählt er schmunzelnd.

In den 70er-Jahren schuf Götze auch Bühnenbilder und Kostüme, etwa für die Volksbühne und das Deutsche Theater in Berlin und das Landestheater Halle. Anfang der 80er-Jahre folgte auf Auftritte als Liedermacher ein Verbot; und der Rat des Bezirkes Halle drohte ihm die Ausbürgerung an. „Wir haben im falschen Land gelebt, aber lebensfroh gelebt haben wir allemal. Wir haben trotz der DDR Lebensfreude gehabt“, sagt er und blickt augenscheinlich ohne Groll zurück. Ein Blick zurück in diese DDR-Zeit ist auch die Kabinett-Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg.

Gezeigt werden unter anderem 20 Gemälde und eine Serie von 12 Pastell-Zeichnungen, die alle vor 1989 entstanden sind, sagt die Kunstexpertin Cornelia Wieg, die diesen Teil der Ausstellung kuratiert. „Inspiriert von amerikanischer Pop-Art hat er eine eigene Bildsprache entwickelt“, sagt sie. Mit dieser Sprache sei Götze in der DDR ein künstlerischer Alleingänger gewesen, der nicht gut ins System einzupassen war.

Das Jahr des Mauerfalls 1989 markierte für Götze einen tiefen Einschnitt. „Ich bin froh und glücklich“, sagt er. Er genieße die Freiheit, die er jetzt auch als Mensch habe. „Und ich bin froh, dass ich nicht mehr mit zwei Sprachen sprechen muss. Eine private und eine offizielle“, sagt der Hallenser.

Künstlerisch macht er eine Pause. „In den letzten zehn Jahren vor 89 gab es nicht ein Bild, bei dem nicht die Mauer – in welcher Form auch immer – vorkam. Dann fiel die Mauer und das Thema war weg“, sagt der drahtige Mittsiebziger, der immer noch italienische Rennräder liebt und gerne in die Pedale tritt. 1990 saß der Künstler sechs Monate lang als Abgeordneter im Stadtparlament von Halle. Nach 2000 gab es Gemeinschaftsausstellungen der Künstlerfamilie Götze – etwa zusammen mit Sohn Moritz. 2008 erschien im Hasenverlag in Halle das Kinderbuch „Das HUPON“ – von Wasja Götze.

„Ich hab den Fuß nie wirklich in den Kunstmarkt bekommen“, sagt er über die Zeit nach dem Mauerfall. „Man sagt, wer es mit 50 nicht geschafft hat, der ist durch“, meint Götze und bekennt: „Ich habe aber auch nicht darum gekämpft.“

Ist in der Moritzburg die Kunst aus DDR-Zeiten versammelt, zeigt das Kunstforum Halle Werke von Götze nach 1989. Zu sehen seien etwa 100 Bilder, Plakate oder Objekte, sagt Pressesprecher Sebastian Krziwanie. Er finde diese räumliche Trennung bei der Doppelausstellung sehr gut, sagt Götze, der sich ganz offensichtlich sehr über diese Ehrung für seine Kunst freut. „Man könnte sagen VW und NW – ,vor der Wende‘, ,nach der Wende‘“, lacht er fröhlich.

 

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