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09. Dezember 2016 | 02:54 Uhr

Video der Woche : Mario Barth will Lügenpresse entlarven – und blamiert sich

vom

Medien berichten von massiven Protesten vor dem Trump-Tower in New York. Aber stimmt, was sie schreiben? Als Mario Barth sich ein Bild machen will, gibt es von Demonstranten keine Spur. Eine Kleinigkeit hat der selbst ernannte Enthüllungsjournalist allerdings übersehen.

Eine investigative Comedyshow nennt Wikipedia das, was Mario Barth unter dem Namen „Mario Barth deckt auf“ in loser Folge auf RTL treibt. Der Komiker macht sich auf die Suche nach abstrusen Fällen von Steuerverschwendung. Meist muss er da gar nicht besonders lustig sein. Die Geschichten von Lokalpolitikern in übergroßen Spendierhosen sind es von ganz allein.

Wo sollen sie sein, die enttäuschten Wut-Bürger?

Investigativ sollte nun wohl auch das Liveformat sein, an dem sich Mario Barth vor dem Trump-Tower in New York versuchte. In verschiedenen Zeitungen hatte er zuvor von massiven Protesten gelesen. Gewalttätige Ausschreitungen auf der Fifth Avenue. Enttäuschte US-Bürger, die sich nach dem Wahlerfolg von Donald Trump Luft machen wollten.

Das galt es zu überprüfen. „Um jetzt noch mal seriöse Berichterstattung zu machen“, wie Mario Barth sein vierminütiges Livevideo auf Facebook ankündigte. In Selfie-Optik filmte er sich selbst vor dem Wolkenkratzer, der dem künftigen US-Präsidenten gehört.

 

„Die Welt ist außer sich. Es ist alles gesperrt. Sie hören es im Hintergrund: wahnsinnige Demonstrationen. Tausende und Abertausende von Menschen drehen völlig durch. Sie sind sauer. Sie schreien: Du bist nicht mein Präsident.“

Das erzählt der Comedian, dessen Auftritte in Deutschland regelmäßig ganze Stadien füllen. An seiner süffisanten Mimik ist jedoch zu erkennen, dass er das Ganze höchst ironisch meint. Denn: Seine Aufnahmen zeigen, wie es wirklich vor dem Trump Tower aussieht. Ein paar Absperrungen, ein paar Touristen, die Handyfotos machen und ansonsten: gähnende Leere.

Wie kommen die Zeitungen also auf die Idee, von Demonstrationen zu berichten, fragt sich legitimerweise der Investigativkomiker.

„Ist ja irre, was die für Bilder haben. Ich weiß gar nicht, wo die die her haben. Die machen doch alle nur Fotos. Demo? Ich komme aus Berlin-Kreuzberg. Ich bin da ein bisschen verwöhnt vielleicht. Aber, Demo, wie gesagt. Vielleicht ist das der amerikanische Weg zu demonstrieren. (...) Sie schweigen. Hier passiert irgendwie gar nichts.“

Für Mario Barth ist die einzig logische Schlussfolgerung klar – auch, wenn er das so deutlich nicht sagt. Die Lügenpresse hat zugeschlagen. Mal wieder hält die angeblich kritische Berichterstattung über die US-Politik einer (seiner) Überprüfung nicht stand.

„Wie uns diverse Medien für dumm verkaufen wollen“

So kommentieren das bisher 1,2 Millionen Mal aufgerufene Video Hunderte seiner Fans („Ich hab es doch gewusst, wieder falsche Pressemeldungen“). Und in die gleiche Kerbe schlägt auch der rechtspopulistische österreichische Politiker Hans Christian Strache, der das Livevideo auf seiner Facebook-Seite teilt: „Mario Barth zeigt auf, wie uns diverse Medien für dumm verkaufen wollen...... Es finden keine Massendemos vor dem Trump-Tower in New York statt.“

Blöd nur, dass es tatsächlich eine einfache Erklärung für die Abwesenheit der Demonstranten gibt – und Mario Barth bemerkt sie sogar selbst. Jedoch, ohne sie zu verstehen. „Hier ist alles abgesperrt.“, sagt er immer wieder. Und tatsächlich säumen Absperrgitter die sonst viel befahrene Straße. Niemand scheint unterwegs zu sein. Auf die Idee, den Hintergrund dafür zu ermitteln, kommt der Comedian mit der Baseballcap leider nicht. Dabei hätte er dafür nur einmal googeln müssen.

Für die Parade gesperrt

Am 11. November, der Tag, den sich Barth für sein Livevideo ausgesucht hatte, begehen die USA den „Veterans Day“ und gedenken des Waffenstillstands und der Kriegsveteranen des Ersten Weltkriegs. Für Paraden und Gedenkveranstaltungen werden wichtige Straßen etwa in New York gesperrt – so auch die Fifth Avenue. Gleichzeitig gewalttätige Proteste zu beobachten, ist per se also schon alles andere als realistisch. Hinzu kommt, dass Barth sich am helllichten Tag vor dem Trump-Hochhaus aufbaut. Die Demonstrationen fanden aber jeweils am Abend statt.

Seinen Fauxpas bemerkt Barth nicht. Ohnehin will er sein Video nicht missverstanden sehen. Schon gar nicht als Votum für Donald Trump.

„Ob für oder gegen. Ich halte mich komplett raus. Da gibt‘s andere Kollegen, die das besser können.“

Und das muss man Mario Barth lassen: Damit hat er ausnahmsweise mal recht.

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von
erstellt am 14.Nov.2016 | 20:48 Uhr

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