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04. Dezember 2016 | 15:19 Uhr

Online-Versand : Lego-Steine im Kilomaß

vom
Aus der Onlineredaktion

Täglich schickt Sebastian Kirst Pakete mit gebrauchten Kunststoffklötzchen von Niedersachsen aus in die Welt

Über dem Tresen schwebt ein Supersternen-Zerstörer der Executor-Klasse. In der „Star Wars“-Welt ein Schrecken, an Bord kein Geringerer als Kommandant Darth Vader. Selbst im Lego-Laden KiSebA im niedersächsischen Achim spüren echte Fans noch etwas von der „dunklen Macht“, auch wenn der graue Zerstörer hier nur 124,5 Zentimeter misst und aus 3000 Lego-Teilen besteht.

„Da musste ich einfach zuschlagen“, sagt Sebastian Kirst, der das Raumschiff gebraucht erstand. Bei KiSebA ist der 34-Jährige der Kommandant. Seine Mission: Gebrauchte Lego-Steine in die Welt verschicken.

Es sind bei weitem nicht nur die Kinder, die die Plastiksteinchen in dem kleinen Geschäft mit großen Augen bestaunen. „Mein Hauptgeschäft, ich schätze mal 90 Prozent, kommt von Erwachsenen“, sagt Kirst, der sich im Oktober 2012 selbstständig machte und im September 2014 das Geschäft in Achim eröffnete. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt er. „Es hat mich einfach nicht mehr losgelassen.“ Kirst ist gelernter Fluggerätemechaniker und Großhandelskaufmann.

Sein Geschäft ist aufgeteilt in einen kleineren Eingangsbereich, wo nagelneue Lego-Sets wie der 230 Euro teure Hightech-Braunkohlebagger zu erwerben sind. „Das ist der Offline-Bereich“, erklärt Kirst. Die Musik spielt aber dahinter im „Online-Lager“.

Dort stapeln sich in Regalen blaue Kisten, die akribisch und akkurat mit langen Buchstaben- und Zahlenkombinationen beschriftet sind. Hier lagern 1 bis 1,5 Millionen Lego-Teile, die alle gebraucht sind. Gewicht: zirka 2,5 Tonnen.

Jedes Teil zu zählen, wäre ehrgeizig. Deshalb wird die Gebrauchtware bei Anlieferung einfach gewogen. Wo kommen die Steine her? „Eltern oder Oma und Opa kommen, wenn die Kinder oder Enkel groß geworden sind und bringen Kisten oder Tüten voller alter Legosteine“, sagt Kirst. Dann gibt es etwa zehn Euro pro Kilogramm – je nach Art und Zustand der Steine. Die werden sortiert und gewaschen. „In Sofakissenbezügen 50 mal 50 Zentimeter bei 40 Grad. Das hat sich gut bewährt.“

Bianca Müller (41) geht gezielt mit Bestellungsscheinen und einem Schiebewagen durch die blaue Lego-Kistenreihe und nimmt winzig kleine oder auch größere Teile aus penibel geordneten durchsichtigen Plastiktüten. „Vorige Woche hatten wir eine Lieferung nach Israel zu einem Ingenieurbüro. Das waren 14 Kilogramm“, sagt sie. Also ziemliche viele Steine.

„Einige Steine gibt es gar nicht mehr neu“, beschreibt Bianca Müller den Anreiz für Online-Bestellungen. An der Wand vor einem Sortiertisch hängt eine Weltkarte, die zeigt, wohin die Lieferungen gehen. Rio de Janeiro, Johannesburg, Taipeh, Singapur – überall stecken kleine bunte „Kunden“-Fähnchen auf der Karte. „In vier Jahren ist nur einmal eine Lieferung verloren gegangen – und das war in Deutschland“, sagt Kirst.

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