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29. September 2016 | 20:41 Uhr

Historische Spielfiguren : Hein und die musizierenden Affen

vom
Aus der Onlineredaktion

Die umfangreiche Sammlung von Filmarchitekt Götz Weidner kehrt nach Thüringen zurück

Filmarchitekt Götz Weidner („Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“) ist begeisterter Sammler von mechanischem Spielzeug. Zusammen mit seiner Frau Rosemarie hat der inzwischen 73-jährige Münchner nun rund 630 wertvolle Stücke der Stiftung Judenbach vermacht. Die Spielzeuge sollen ab Herbst dauerhaft in einem rund 2,3 Millionen Euro teuren neuen Multifunktionszentrum der Gemeinde Judenbach in der Nähe von Sonneberg (Thüringen) gezeigt werden. „Wir haben uns bewusst für Judenbach entschieden. Damit kommt das Spielzeug, das wir in nahezu 35-jähriger Sammlertätigkeit auf Flohmärkten und Auktionen erworben haben, in die Region zurück, in der es einst hergestellt wurde“, sagt Weidner. „Ich wünsche mir, dass sich künftig möglichst viele Menschen daran erfreuen, besonders Kinder.“

Zu den Spitzenstücken der Sammlung zählen die ersten musizierenden Plüsch-Affen, die Anfang der 1930er-Jahre auf den Markt kamen und nach Angaben von Weidner mehr als 12,5 Millionen Mal in alle Welt verkauft wurden. Außerdem ein Spielzeug-Matrose mit einem Zweiton-Akkordeon, der als „Hein mit dem Schifferklavier“ zum Export-Schlager wurde. Hergestellt wurden die aufziehbaren Exponate in der „Fabrik mechanischer Spielwaren“ von Max Carl. Das Familienunternehmen existierte bis zur Enteignung 1952 in Judenbach.

Laut Deutschem Spielzeugmuseum boomte die Spielzeugherstellung in der Region Sonneberg im 18. und 19. Jahrhundert. Den Angaben nach beherrschten die dortigen Spielzeugmacher Anfang des 20. Jahrhunderts den Welthandel und machten Sonneberg zur „Weltspielwarenstadt“. Auch im nahegelegenen Ort Judenbach wurde schon 1735 Kinderspielzeug aus Holz hergestellt und an Kaufleute, die auf der Handelsstraße Nürnberg-Leipzig vorbeizogen, verkauft. Um 1840 begann die Herstellung von erstem beweglichen Spielzeug, für das die Hersteller in Judenbach im Laufe der Jahrzehnte führend wurden.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete das vorläufige Ende der Produktion. In der DDR bildeten sich zwei Firmenzweige heraus: Die VEB Mechanische Spielwaren und die PGH Koppelhund. „Wir haben unzählige Stunden darauf verwendet, die Firmengeschichte und die der anderen Hersteller unserer Sammlerstücke herauszufinden“, erzählt der Filmarchitekt mit Blick auf das Unternehmen Max Carl.

Anhand von selbst gedrehtem Filmmaterial will Weidner auch die Bewegungsabläufe der historischen Spielzeug-Figuren veranschaulichen. „Sie können die tollsten Sachen machen: tanzen, hüpfen, trommeln, jonglieren, klatschen oder Musik machen“, erklärt der Sammler. „Ihre Schöpfer waren äußerst kreativ.“ Wie es um das technische Innenleben des Spielzeugs bestellt ist, sollen Patentzeichnungen offenbaren und eine noch erhaltene historische Werkstatt. Weidner: „Hier wurde den Figuren aus Pappe, Blech oder später aus Plaste ein Uhrwerk eingebaut und ihnen damit Leben eingehaucht.“

 

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