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10. Dezember 2016 | 04:03 Uhr

Leute : Hans Fallada - „Im Rausch des Schreibens“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Leben von Hans Fallada verlief – milde gesagt – ungewöhnlich. Arte zeugt heute ein Dokudrama über das Leben des Schriftstellers

Am Anfang war das Duell: Am 17. Oktober 1911 stehen sich Hanns Dietrich von Necker und Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, gerade einmal 18 Jahre alt, mit ihren Schusswaffen gegenüber. Beide drücken ab. Necker stirbt, Ditzen wird schwer verletzt gerettet. Geplant hatten die beiden einen Doppelmord – ein kühnes Vorhaben. Doch für den Internatsschüler bedeutet dieser Moment den Start in ein einzigartiges Leben.

Ditzen, 1893 in Greifswald als Sohn eines Richters geboren, hat später als Schriftsteller Hans Fallada Ruhm erlangt. Sein Vater befreit den jungen Mann nach dem mörderischen Duell aus der misslichen juristischen Lage. Der junge Ditzen gilt als schuldunfähig und wird in eine Nervenanstalt eingewiesen. Die Schlüsselszene – der Schusswechsel – macht auch den Auftakt zu dem Dokudrama „Fallada – Im Rausch des Schreibens“ (Regie: Christoph Weinert), das Arte heute Abend (22.30 Uhr) zeigt.

Ditzen will schreiben. Sein Vater hätte ihm lieber eine juristische Karriere verpasst, gibt aber unter der Bedingung nach, dass der Sohn unter Pseudonym schreibt. Und so stehen zwei Grimm-Märchen Pate für die schriftstellerische Karriere: „Hans im Glück“ und das Pferd Falada (mit einem „l“) aus dem Märchen „Die Gänsemagd“. Zunächst hat er keinen Erfolg, bis ihn der Verleger Ernst Rowohlt entdeckt und fördert. Sein Roman „Kleiner Mann, was nun?“ wird in viele Sprachen übersetzt und erscheint sogar in den späten 30er-Jahren, weil die rechten Machthaber das Buch als Abrechnung mit der Weimarer Republik betrachten. Doch zunehmend gehen die Nazis auf Distanz zu dem Mann, der „unpolitisch, aber naiv gegenüber dem Nationalsozialismus“ war, wie die Lektorin Nele Holdack vom Berliner Aufbau Verlag sagt, der kürzlich den Welterfolg „Kleiner Mann, was nun?“ in seiner ungekürzten Originalfassung veröffentlichte.

Falladas Schaffen wird in den späten Jahren geprägt durch alkoholischen Exzesse und Morphinsucht. Bei einem Streit mit seiner Frau fällt ein Schuss, er wandert ins Gefängnis, 1944 wird die Ehe geschieden, Fallaheiratet die 23-jährige Ursula Losch. Seine Suchtexzesse gehen mit ihr weiter.

Im Film kommen u.a. Falladas Biografin Jenny Williams und sein Sohn Achim zu Wort.

„Jeder stirbt für sich allein“ heißt schließlich Falladas schriftstellerisches Vermächtnis, bevor er 1947 stirbt. In Falladas Rolle schlüpft in dem Film Michael Schenk – eine perfekte Besetzung: tiefe Furchen prägen sein Gesicht, er steckt sich im Film laufend neue Zigaretten an und kippt ein Glas nach dem anderen – wie im Rausch.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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