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10. Dezember 2016 | 17:38 Uhr

Der Ofen ist aus. : «Great British Bake Off» feierte sein Finale bei BBC

vom

Die Back-Show «The Great British Bake Off» ist seit der ersten Staffel 2010 zum Quotenhit des Senders BBC One geworden. Nun hat der Sender das Format an die Konkurrenz verloren. Beim letzten Finale am Mittwoch schauten knapp 15 Millionen Zuschauer zu, manche mit Wehmut.

Eine Ära geht zu Ende. Für die BBC war die Backshow «The Great British Bake Off» lange ein Quotengarant mit Zuschauerzahlen, die in Deutschland heutzutage fast unerreichbar scheinen: Knapp 15 Millionen Menschen verfolgten das Rühren, Backen und Dekorieren an den Fernsehbildschirmen.

Nun ist Schluss. Die beliebte Show mit Paul Hollywood und Mary Berry als Back-Juroren war am Mittwoch zum vorerst letzten Mal im britischen TV-Sender BBC One zu sehen - sie wechselt zur privaten Konkurrenz. Zum Abschied von der BBC gab es noch einmal gewohnt hohe Einschaltquoten, von denen andere Sendungen nur träumen können.

Candice Brown tippelt erst auf den Zehenspitzen herum, dann schlägt sie sich die Hände vors Gesicht und geht in die Knie. Die 31-jährige Engländerin hat gerade erfahren, dass sie den ersten Platz in der britischen Back-Show «The Great British Bake Off» gewonnen hat. Der Jubel ist so groß, als hätte sie bei den Olympischen Spielen ein Goldmedaille gewonnen.

Kein Wunder: «Alle schauen das und alle reden morgen in der Arbeit darüber», sagt Angela Bentley, die um kurz vor Acht in einem Londoner Vorort vor dem Fernseher sitzt. «Backen ist ein großes Ding in englischen Familien», sagt die 52-jährige Büroangestellte. Mit einem guten Schokoladenkuchen oder einer Victoria-Sandwich genannten Sahnetorte könne man sich sehr beliebt machen. Mit diesen beiden Kuchen versuchen an diesem Abend auch die drei Finalisten des «Bake Off» die Jury zu beeindrucken.

Neben Candice Brown sind das der 25-jährige Luftfahrtingenieur Andrew Smyth, dessen Backwerke ähnlich abenteuerlich aussehen wie seine in die Höhe frisierten roten Haare, und die 61-jährige Jane Beedle. Die britische Mutter und Hausfrau mit Kurzhaarschnitt zeichnet sich vor allem durch ihre Bodenständigkeit aus.

Die zweiköpfige Jury bewertet nach Technik, Geschmack und Kreativität. «Ich kann es nicht erwarten, die Konsistenz des Baisers zu testen», sagt Juror Paul Hollywood, als er sich ein Stück aus der Zuckertorte von Andrew schneidet, die in Form einer Krone geformt ist. Zusammen mit der Back- und Koch-Ikone Mary Berry entscheidet er am Ende, wer die Show gewinnt. Die beiden sind seit dem Start der Sendung im Jahr 2010 dabei und Teil des Erfolgsrezepts.

Candice Brown, eine Sportlehrerin aus der ostenglischen Grafschaft Bedfordshire, überzeugt die Jury schließlich mit einem zur Krone aufgetürmten Picknick-Gebäck. Brown ist der vierte weibliche Sieger in Folge.

Britische Fähnchen, das quietschpinke Jackett von Mary Berry, pastellfarbene Törtchen - all das trägt zur Faszination des «Great British Bake Off» bei, findet die Zuschauerin Angela Bentley. «Das ist sehr britisch», sagt sie. Und sie hat ein bisschen Angst, dass es das alles bald nicht mehr geben könnte.

Tatsächlich ist das Finale dieser Staffel zugleich das Ende der Sendung bei BBC One. Der öffentlich-rechtliche Sender verlor das Format im Bietwettbewerb im September an Channel 4. Die unabhängige Produktionsfirma «Love Productions» verkaufte die Show für 75 Millionen Pfund (rund 84 Millionen Euro) an den kommerziellen Konkurrenten.

Dabei hatte sich «The Great British Bake Off» zur erfolgreichsten Sendung von BBC One entwickelt. Der PR-Experte Mark Borkowski ist sich nicht sicher, ob sich die Sendung bei Channel 4 auf diesem Niveau halten kann. «Ich bezweifle, dass die Zuschauer in Massen mitwandern werden. Viele werden den Tagen nachweinen, als die Show noch bei der guten alten Tante BBC lief», sagte er dem «Guardian» am Mittwoch.

Fans müssten in Zukunft mit viel mehr Werbung und Vermarktung rechnen. Außerdem werden die Moderatorinnen Sue Perkins und Mel Giedroyc und auch Publikumsliebling Mary Berry nicht zu Channel 4 wechseln. Für BBC One bleibt es ein herber Verlust. Der Wechsel der Back-Show hatte für viel medialen Wirbel und Kritik an dem öffentlich-rechtlichen Rundfunksender gesorgt.

Für Angela Bentley ist der Reiz damit verflogen. «Wenn Mary Berry nicht mehr dabei ist, werde ich mir die Sendung nicht mehr ansehen», sagt sie.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 15:53 Uhr

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