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Helge Schneider : Gott ist musikalisch

vom
Aus der Onlineredaktion

Helge Schneider über seine Jubiläumstour und sein aktuelles Album

Mit dem Gaga-Song „Katzeklo“ wurde Helge Schneider vor 20 Jahren berühmt, heute gehört der Musikclown aus Mülheim an der Ruhr zu den beliebtesten Komikern der Deutschen. Kürzlich wurde das Gesamtkunstwerk Helge Schneider mit dem Paul-Lincke-Ring der Stadt Goslar für seine besonderen Dienste für die deutschsprachige Unterhaltungsmusik gewürdigt. Olaf Neumann traf die „singende Herrentorte“ in Berlin und sprach mit Helge Schneider über sein aktuelles Jazzalbum, seine Jubiläumstour, seinen Glauben und seine Auftritte mit der legendären Band Kraftwerk.

Auf Ihrem aktuellen Album „Heart Attack No. 1“ zeigen Sie keine besondere Ehrfurcht vor den Klassikern. Ist Jazz für Sie ein veraltetes Genre, das es zu entstauben gilt – mit Humor?
Schneider: Die Platte ist insofern sehr eigen, weil Pete York und ich in einem kleinen Raum musiziert haben. Und zwar so klein, dass Pete mit einem Besen und gar nicht mit Stöcken spielen musste, sonst wäre es viel zu laut gewesen. Ich hatte sonst nur ein Stereo-Tonband. Eine Hammondorgel bietet nicht viele Varianten. Da musste ich von vornherein merkwürdige Sounds entwickeln. Diese Platte ist ein Dokument für mich und auch schon wieder vorbei.

Hätte aus Ihnen theoretisch auch ein klassischer Pianist werden können?
Das Talent dazu hätte ich schon, nur nicht den Ehrgeiz. Ich schaffe es nicht, sechs Stunden am Tag zu üben. Ich will zwischendurch auch mal was essen.

Wann wurden Sie mit dem Musikvirus infiziert?
Mit 14. Als ich meinen ersten Kontrabass gekauft hatte für 250 Mark. Damals spielte ich bereits in einer Rockband. Erst Cello und Klavier und dann entdeckte ich den Bass für mich.

Probieren Sie bei Ihrer diesjährigen Tour unter dem Motto „240 Years of ,Singende Herrentorte‘“ viel Neues aus?
Kann sein. Ich will mich da überhaupt nicht festlegen. Ich kann nur sagen: „Guten Tach. Mein Name ist Helge Schneider und ich möchte Sie heute zum Lachen bringen.“

Sie haben aber auch Spaß am Moog-Synthesizer. Ist es wahr, dass Sie um 1970 herum einmal mit Kraftwerk aufgetreten sind?
Ja, da kannte ich sie noch nicht und sie mich sowieso nicht. Damals hat Charly Weiss noch bei Kraftwerk mitgespielt. Er war Schlagzeuger und einer meiner besten Freunde, 2009 ist er gestorben. Sie haben in Essen in einem Jugendzentrum gespielt. Damals benutzten Kraftwerk noch analoge Geräte, wie Mellotron, Synthesizer, Querflöte mit Hallgeräten, Fußtreten und Charly eben ein Schlagzeug. Er hatte die Angewohnheit, sich hinzusetzen und sofort loszuspielen, ohne auf die restliche Band zu warten. Er war besessen. Ich habe mich einfach dazugesetzt und mitgespielt. Bis dann Florian Schneider mich von der Bühne schickte. Jahre später gründete ich mit Charly Weiss eine eigene Jazz-Band. Er konnte riechen, was man spielt.

Wie stellen Sie sich Gott vor?
Er muss ganz alt sein. Vielleicht rasiert er sich, um nicht so alt zu wirken. Und er guckt nur. Er spricht durch die Musik von Beethoven. Diesen Gott gibt es wirklich, genau wie es uns angeblich auch gibt.

 

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