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04. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Telekritik 1000. Tatort : Erneut mit dem Taxi in den Tod

vom
Aus der Onlineredaktion

Beim 1000. Mal darf man schon fragen: Ist der „Tatort“ wirklich eine Bereicherung unseres Geistes oder doch nur verschwendete Lebenszeit? Schließlich ist dieser „Mord zum Sonntag“ zuerst Unterhaltung, könnte man all die Stunden vor der Glotze besser nutzen. Nun, vielleicht hat ja der Literaturwissenschaftler Jochen Vogt doch recht, der den „Tatort“ als den „wahren deutschen Gesellschaftsroman“ apostrophiert. Dieses Ritual zur immer selben Zeit und großes mediales Lagerfeuer, an dem immerhin zwei Drittel aller Deutschen wenigstens ein Mal im Jahr hocken.

Klar, dass da das Jubiläum besonders knistern musste. Warum nicht, wie beim ersten Mal, mit einem „Taxi nach Leipzig“? Das dachte sich Alexander Adolph (Buch und Regie) und schickte gestern die Kommissare Charlotte Lindholm und Klaus Borowski (Maria Furtwängler, Axel Milberg) auf die selbe Strecke, die 1970 der Hamburger Kommissar Trimmel (Walter Richter) nahm. Nur, dass die beiden Exzentriker höchst unfreiwillig auf Tour gingen und sich in Nullkommanichts einem taxifahrenden Ex-Elitesoldaten (Florian Bartholomäi) und einem ungewissen Schicksal ausgeliefert sahen.

Eine spannende, weil intime Geschichte aus dem Seelenleben unserer Edel-Cops. Doch nicht Furtwängler und Milberg waren es, die dieses klaustrophobische Kammerspiel zum Kochen brachten, sondern Bartholomäi. Selten war im „Tatort“ eine so zerrissene Figur zu erleben. Zwischen Liebe und Hass, Vernunft und Wahnsinn.

Was stand 1970 noch an der Bürowand von Erstkommissar Trimmel? „Der Beamte hat immer recht“? Von wegen. Adolph machte gestern Abend nicht nur diesem, sondern auch den sonst so altklugen Sprüchen von Lindholm und Borowski den Garaus. Ein sehenswertes Jubiläum!

 

„Tatort: Taxi nach Leipzig“,

gestern, ARD


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