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05. Dezember 2016 | 15:35 Uhr

Katrin Sass wird 60 : Ehrlich und ohne Starallüren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Schauspielerin liebt Rollen, deren Figuren Geschichten erlebt haben

Frauchen-Rollen, ohne Ecken und Kanten, würde der Schauspielerin Katrin Sass („Good Bye, Lenin!“, „Weissensee“) niemand abnehmen. Sie wirkt bodenständig, aber auch zerbrechlich, oft lebenslustig, dann kommt große Traurigkeit zutage. Und sie zeigt sich immer emotional. Sass wünscht man sich als beste Freundin, mit der nächtelang die Probleme des Lebens diskutiert werden. Die in Schwerin geborene Schauspielerin feiert am Sonntag ihren 60. Geburtstag.

Gerade fiel in Kanada die letzte Klappe zur ARD-Komödie „Harrys Insel“ unter der Regie von Anna Justice. Sie spielt in dem Film Susan, die Harry (Wolfgang Stumph) von ihrer Insel vertreiben will. Als Kollegin sei sie unwahrscheinlich diszipliniert, sagt Stumph über seine Filmpartnerin in der Dokumentation „Deutschland, deine Künstler – Katrin Sass“ des MDR. „Sie spielt sowohl aus dem Bauch, als auch aus dem Intellekt heraus. Und ihrer Lebenserfahrung“, beschreibt er sie.

Der Tag ihrer zweiten Geburt ist der 22. Juli 1998: eine Zäsur im Leben der Schauspielerin. Sie entscheidet sich für ein Leben ohne Alkohol. „Der Arzt fragte mich: Wollen sie weiter trinken oder weiter leben?“, schreibt sie in ihrer Autobiografie „Das Glück wird niemals alt“. Zu ihrer Entscheidung sagt sie heute: „Ich habe mich für das Leben entschieden“. Es sei aber ein harter Weg.

2001 bietet ihr der Regisseur Michael Klier die Hauptrolle in „Heidi M.“ an. Dafür erhält sie den Deutschen Filmpreis. Die große Chance – und dann auch die internationale Bekanntheit – kommt 2003 mit „Good Bye, Lenin“ von Wolfgang Becker. „Das war das Glück meines Lebens“, sagte sie einmal in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Es folgten wieder Rollenangebote.

In dem von Publikum und Kritik hochgelobten Mehrteiler „Weissensee“ (seit 2010) ist Sass die kritische Liedermacherin Dunja Hausmann. Sie zeigt eine Frau, die, um ihre Tochter zu schützen, gegen ihre Überzeugung mit der Stasi zusammenarbeitet. Im wirklichen Leben wurde Sass von ihrer besten Freundin bespitzelt – dieses Thema bringt sie immer wieder in Wut.

Sass liebt Rollen, deren Figuren Geschichten erlebt haben. In den ARD-„Usedom“-Krimis beispielsweise ist sie eine Ex-Staatsanwältin, die ihren Mann tötete und dafür ins Gefängnis ging. Nach der Entlassung hilft sie der Tochter – einer Polizistin – bei der Aufklärung von Straftaten.

Auch in ihrer eigenen Biografie gibt es viele Höhen, aber auch Tiefen – nicht alles läuft glatt. Aufgewachsen in Schwerin, will sie wie ihre Mutter, die niederdeutsche Volksschauspielerin Marga Heiden, werden. Doch zunächst wird sie Facharbeiterin für Fernsprechtechnik. Erfolglos bewirbt sie sich an der Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin, ein zweiter Anlauf klappt dann an der Rostocker Theaterhochschule. Ihr Bühnendebüt gibt sie am Staatstheater Schwerin und wird dort von Regisseur Heiner Carow entdeckt. Er gibt der 21-jährigen Anfängerin die Hauptrolle in dem Film „Bis dass der Tod euch scheidet“ (1978). 1982 folgt „Bürgschaft für ein Jahr“. Er beschert der 26-Jährigen bei der Berlinale einen „Silbernen Bären“ als beste Schauspielerin. Dann gibt es in der DDR zunächst keine weiteren Filmrollen für sie.

Auch nach der Wende fehlen Angebote. Ab 1993 spielt sie dann Kommissarin Tanja Voigt im „Polizeiruf 110“. Als ihre Alkoholsucht immer offen- sichtlicher wird, wollen Regisseure nicht mehr mit ihr arbeiten. „Aus dem Freund Alkohol wurde der Feind“, sagte sie später.

Sass ist ehrlich, ohne sich zu verbiegen. Sie sagt, was sie denkt – ohne Angst. Legendär ihr Auftritt in der Talkshow „Markus Lanz“. Sehr emotional kritisierte sie das RTL-Dschungelcamp und persönlich auch den „Dschungel-König“ Peer Kusmagk. Sass lebt heute in Berlin.

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erstellt am 23.Okt.2016 | 09:00 Uhr

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