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10. Dezember 2016 | 11:49 Uhr

Wahlen in den USA 2016 : Donald Trump und seine Steuermoral

vom

Multimilliardär Trump könnte 18 Jahre keine Bundessteuern gezahlt haben. Thomas J. Spang kommentiert die neuste Nachricht aus den USA.

Ein milliardenschwerer Unternehmer, der wegen geschäftlicher Verluste massiv Steuern spart - das ist in den USA völlig legal. Aber wenn dieser Mann Donald Trump heißt, dann wird es zum Wahlkampfthema. Vor allem dann, wenn er sich weigert, seine Steuererklärung zu veröffentlichen. Unser USA-Korrespondent Thomas J. Spang kommentiert den Fall.

Der Lack ist ab. Die Selbstinszenierung Donald Trumps als Stimme der Wutbürger hat durch die Oktober-Überraschung der New York Times den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verloren. Das Blatt gelangte in den Besitz einer brisanten Steuererklärung aus dem Jahr 1995, die eine Verlustabschreibung von 916 Millionen Dollar ausweist.

Im Unterschied zu seinen Anhängern, die meist brav ihre Steuern bezahlen, dürfte der Multimilliardär über 18 Jahre nicht einen Cent an den Fiskus überwiesen haben. Was erklären könnte, warum er im Unterschied zu allen anderen US-Präsidentschaftskandidaten der Neuzeit seine Steuererklärungen nicht offengelegt hat. Rechtlich verpflichtet ist der Kandidat dazu nicht. Politisch erwartet wird es aber schon, wie knapp zwei Drittel der Amerikaner Meinungsforschern sagen.

Die an die Öffentlichkeit geleckte Steuererklärung zeigt, dass der Bau-Milliardär nichts anderes gemacht, hat als die Banker an der Wall Street, über die er so gerne herzieht. Er beutet das Steuersystem zu seinen Gunsten aus und verkauft dies dem staunenden Volk als "klug".

Beim harten Kern seiner Anhänger wird Trump dies nicht schaden. Die leben in einem alternativen Universum, das für Fakten nicht erreichbar ist. Darin ist die Steuerbehörde IRS der Feind und jemand, der sie austrickst ein Held.

Problematischer wird es mit den Arbeitern im Rostgürtel Amerikas, auf deren Unterstützung in so wichtigen Wechselwähler-Staaten wie Ohio, Pennsylvania oder Michigan die Hoffnungen des Kandidaten ruhen. Die Entzauberung des Reality-TV-Stars als gewöhnlicher Taschenspieler könnte ihm hier ein paar entscheidende Prozentpunkte kosten. 

Die Enthüllung der New York Times gibt Hillary Clinton eine Steilvorlage. Die Kandidatin wird in der heißen Phase vor den Wahlen keine Gelegenheit auslassen, die Veröffentlichung der Steuererklärungen Trumps zu verlangen. Sollte sich Trump weiter weigern, setzt er sich dem Verdacht aus, Dank des dreistelligen Millionenverlusts auch in den Folgejahren keine oder nur sehr wenige Steuern bezahlt zu haben.

Die Oktoberüberraschung bringt Trump nach dem Desaster der ersten Präsidentschaftsdebatte Debatte und seinem bizarren Kleinkrieg mit einer früheren Miss Universe weiter in die Defensive. Der angeblich so erfolgreiche Geschäftsmann entpuppt sich als Bankrotteur, der seine Schulden aus den gescheiterten Casinos in Atlantik-City auf die Steuerzahler umgelegt hat. Clever vielleicht, aber bestimmt kein Rezept, Amerika wieder großartig zu machen.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 09:22 Uhr

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