zur Navigation springen

Leute

28. März 2017 | 12:08 Uhr

Buch über Brittany Maynards Tod : Die Welt ist ein schöner Ort

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mutter schreibt die bewegende Geschichte ihrer Tochter auf

Das Video von Brittany Maynard geht im Herbst 2014 um die Welt. Das Gesicht der 29-Jährigen ist von starken Krebsmedikamenten geschwollen. Sie wischt Tränen weg, ihre Stimme ist entschlossen. „Ich hoffe, dass ich in Frieden sterben werde“, sagt die todkranke Amerikanerin. Als Termin hatte sie den 1. November gewählt.

Mehr als 11 Millionen Menschen schauen sich das Video an. Die junge Frau wird zum Symbol der Sterbehilfe-Bewegung in den USA. In sozialen Netzwerken und in Kommentaren wird sie von einigen als Heldin bezeichnet und für ihren Mut gelobt. Andere dagegen rufen Maynard dazu auf, vom Suizid abzusehen. Ihre Mutter, Deborah Ziegler, hat die letzten Monate in Brittanys Leben hautnah miterlebt. Und nun aufgeschrieben.

Als Buchtitel wählt sie ein Zitat ihrer Tochter: „Die Welt ist ein schöner Ort“. Sie beschreibt den Weg ihres Kindes „in einen würdevollen Tod“. Schonungslos und offen schildert sie die Entscheidungen, Ängste und Schmerzen, die Brittany und ihre Familie durchlebten. „Das war nicht leicht, denn jeder wünscht sich einen schönen Tod, wie in einem Märchen. Aber das ist nicht die Wahrheit“, erzählt Ziegler. „Wir müssen offen über diese Dinge reden, denn wenn wir schweigen, machen wie die Sache nur schlimmer. Ich wollte genauso freimütig sein, wie es Brittanys Art war. Sie hat nie etwas beschönigt, sie war sehr direkt und ehrlich.“

Ziegler, die lange alleinerziehende Mutter war, blickt auf ein bewegtes gemeinsames Leben zurück. Alles ändert sich, als die jung verheiratete Brittany am Silvesterabend 2013 mit starken Kopfschmerzen ins Krankenhaus kommt. Ein Gehirntumor. Die Ärzte operieren und geben ihr zunächst drei bis zehn Jahre. Doch der Krebs kommt noch aggressiver zurück. Ihre Lebenserwartung sinkt auf wenige Monate. Nur zögerlich unterstützt die Mutter Brittanys Entscheidung für einen Umzug in den Nachbarstaat Oregon, in dem Sterbehilfe erlaubt ist.

Mitte Oktober nimmt Brittany eine lange Video-Botschaft auf, in der sie darum bittet, dass allen Menschen ärztliche Sterbehilfe und ein würdevoller Tod ermöglicht wird. Alle sind am Ende des Drehtages erschöpft, schreibt Ziegler: „Brittany hatte genau festgelegt, wie ihr Sterben ablaufen sollte, wen sie im Zimmer haben wollte, wer wo sein sollte und was sie hören wollte.“ Auf wenigen Seiten schildert Ziegler den letzten Tag im Leben ihrer Tochter. Wie sie das tödliche Betäubungsmittel schluckt. Sie stirbt in ihrem Bett, mit ihrer Mutter, ihrem Mann sowie Freunden und Verwandten an ihrer Seite.

Sie habe ihrer Tochter versprochen, den Kampf für ein würdevolles Sterben fortzuführen, sagt Ziegler. Die in Kalifornien lebende Buchautorin hält Vorträge, spricht mit Betroffenen, Ärzten, Politikern. Brittanys Heimatstaat Kalifornien hat die ärztlich begleitete Sterbehilfe inzwischen legalisiert.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Mär.2017 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen