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11. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

Besuch am Set : Die «Ketzerbraut» zerrissen zwischen Glauben und Liebe

vom

Passend zum Reformationsjahr 2017 steht bei Sat.1 ein Beststeller von Iny Lorentz auf dem Drehplan. Shootingstar Ruby O. Fee spielt «Die Ketzerbraut». Bei einem Besuch am Set in Prag ist die Atmosphäre entspannt, aber konzentriert.

Die Wohnwagen der Schauspieler, wo sie sich umziehen und vorbereiten, stehen praktisch in Wurfweite zur Prager Burg. Durch einen malerischen Altstadt-Hinterhof führt der Weg in einen mit Deckenfresken geschmückten Prunksaal.

Regisseur Hansjörg Thurn sitzt auf einem Klappstuhl und blickt gebannt auf den Bildschirm eines Monitors. Ganz zufrieden scheint er nicht zu sein, spricht noch einmal mit den Schauspielern über die gerade gedrehte Szene. Gemeinsam suchen sie nach einer emotionalen Geste wie einer tröstenden Armbewegung.

Nach der «Wanderhure» dreht Thurn gerade in Tschechien, Deutschland und Österreich ein weiteres Historien-Epos von Iny Lorentz. Hinter dem Pseudonym versteckt sich das Münchener Autorenduo Iny Klocke und Elmar Wohlrath. Ruby O. Fee spielt die schöne Münchner Kaufmannstochter Genoveva, genannt Veva, die in diesem Moment in den Saal und vor die Kameras stürmt. Veva spricht bei Jakob Fugger (Christoph M. Ohrt) vor, dem reichsten Mann der Welt, und bittet den Geschäftspartner ihrer ermordeten Familie um Hilfe.

«Sie ist eine unglaublich impulsive, instinktiv funktionierende junge Frau, die sich wahnsinnig fleißig und sehr ehrgeizig in ihre Figur reinarbeitet», sagt Thurn über die 20-jährige Hauptdarstellerin. «Viele der anderen Schauspieler sind viel erfahrener und haben sich trotzdem eingelassen auf dieses Risiko, einen Mittelalterfilm zu drehen, bei dem sie schlechte Zähne, ein wirklich gelbes Gebiss und eine ungesunde Haut haben.»

Als Veva auf Fugger - quasi den Bill Gates der Frührenaissance - trifft, hat sie schon einiges durchlebt. Die Schönheit aus München soll mit einem Geschäftspartner ihres Vaters aus Innsbruck verheiratet werden, wird aber auf dem Weg dorthin entführt und, so das Gerücht, möglicherweise auch vergewaltigt. Sie wird unter Wert an den Weiberhelden und Freigeist Ernst Rickinger vergeben. Damit wird sie in das Hauptgeschehen der Reformation hineingerissen. Die gehorsame Katholikin erlebt die Schrecken der Inquisition und zweifelt am Ende daran, ob Martin Luthers Kampf gegen die Missstände und den Ablasshandel der Kirche wirklich so abwegig ist.

«Am Anfang ist sie von einer fast naiven Unschuld», sagt Schauspielerin Fee über ihre Rolle. «Doch als sie droht zwischen Liebe und Glaube zerrieben zu werden, entpuppt sie sich als starker Charakter, zeigt sich durchsetzungsfähig und kämpferisch.» Etwas geheimnisvoll fügt der «Tatort»-Shootingstar hinzu: «Und diese Ader kenne ich von mir selbst. Leicht war es nie.»

Johannes Zeiler spielt den Vater der Veva, den Glashändler Bartholomäus Leibert. Der Österreicher, der in Alexander Sokurows «Faust»-Verfilmung zu sehen war, steht im Ratsherren-Kostüm auf dem Hof. «Einerseits ist er ein strenggläubiger und die vorhandenen Machtstrukturen repräsentierender Mensch, andererseits ist er auch ein Freigeist», sagt Zeiler über Leibert. Vevas Vater habe eine geheime Leidenschaft, die Astronomie. «Es ist in dieser Zeit aber strengstens verboten, Gott in seine Werkstatt zu schauen.»

Über die Atmosphäre am Set sagt Zeiler: «Wir haben nicht zu viel Zeit, aber wir haben Zeit genug, um uns ganz genau die jeweilige Szene und die Bilder vorzunehmen.» Mit etwas Nebel, einem dicken Eichentisch und historischen Büchern wird aus einem Prager Renaissance-Raum ein Münchener Ratsherrensaal. «Quiet please for shooting!», ruft der Aufnahmeleiter. Die Kameras gehen in Position. Los geht es mit einem deutlichen «Und bitte!». Ins Fernsehen kommt «Die Ketzerbraut» im Reformationsjahr 2017.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 08:02 Uhr

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