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Leute

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Interview Damian Hardung : Der Typ von nebenan

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Serie „Club der roten Bänder“ machte ihn bekannt. Dennoch hebt Schauspieler Damian Hardung nicht ab.

Nach dem Erfolg der ersten Staffel strahlt Vox ab Montag die Fortsetzung der Eigenproduktion „Club der roten Bänder“ aus. Im Interview erzählt der 18-jährige Mädchenschwarm und Serienliebling Damian Hardung, ob er Gefallen an der Glatze gefunden hat, warum es mit einem Studium in Oxford doch nicht klappte und wie er sich durch die Rolle des krebskranken Jonas verändert hat.

Damian, tragen Sie lieber Haare oder Glatze?


Das sind beides interessante Frisuren. Persönlich trage ich relativ lange Haare, weil man damit mehr machen kann. Aber Glatze ist fast noch schöner als kurze Haare.

Sie spielen den Jonas in der Serie. Wie viel haben Sie beide gemeinsam?

Unsere Ziele und Wünsche decken sich oft. Jonas ist da wie viele andere Jugendliche: Er sehnt sich danach, sein Leben in den Griff zu bekommen, rauszugehen mit seinen Freunden und Dinge zu tun, die man als Jugendlicher eben tut. Aber die Widerstände sind bei uns unterschiedlich, und die muss man als Schauspieler so gut wie möglich porträtieren. Man kann immer versuchen, Parallelen zum eigenen Leben zu ziehen. Ich hoffe, ich habe es geschafft, das abzubilden.

Wenn man jung ist, beschäftigt man sich eher weniger mit Themen wie Krebs und Sterben. Haben Sie sich vor den Dreharbeiten damit auseinandergesetzt?

Wir alle haben Freunde oder Verwandte, die von uns gehen. Der Tod gehört zwangsläufig zum Leben dazu, und wir müssen uns damit beschäftigen. Die Frage ist nur, ob wir es bewusst oder unbewusst tun. Ich fand das schon immer ein wichtiges Thema, da es oft von der Gesellschaft verschwiegen wird. Weil es keinen Sinn macht, die Augen davor zu verschließen, habe ich von Anfang an versucht, mich damit auseinanderzusetzen. Für jeden von uns ist die Zeit irgendwann gekommen. Jonas versucht genau wie die anderen Charaktere in der Serie, dagegen anzukämpfen. Dieser Drang nach Leben hat etwas total Positives; die Lebenslust und der Optimismus, den wir darstellen.

Was hat es in Ihnen ausgelöst, einen krebskranken Jungen zu spielen?

Ich habe mich intensiver mit dem Thema beschäftigt. Durch die Erfahrung mit der Glatze habe ich noch mal ein anderes Verständnis dafür bekommen, wie man mit einer Krankheit umgehen soll. Eben weil es so offensichtlich wird. Ich habe gemerkt, dass man Blicke erntet, die in Mitleid umschlagen. Aber Menschen, die in so einer Situation sind, müssen sowieso schon viel einstecken, und die wollen kein Mitleid. Sie wollen ganz normal behandelt werden. Wir kennen das ja alle, dass man nicht weiß, wie man einen Bekannten oder Verwandten ansprechen soll, der im Krankenhaus liegt, damit es nicht blöd rüberkommt. Diese Balance finden zu müssen, das ist mir bewusst geworden.
 

Viele Leute, die an Krebs erkrankt sind, schreiben Ihnen bei Facebook. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie diese Nachrichten lesen?

Es nimmt mich mit. Das ist wahnsinnig herzzerreißend, wenn man die Schicksale hört. Man wird jedes Mal wieder in ein anderes Leben hineingerissen. Ich komme mir oft überhaupt nicht qualifiziert dafür vor, Antworten geben zu können, und weiß nicht, ob ich das Richtige sage. Etwas Falsches zu sagen, davor habe ich manchmal Angst. Aber ich bin unheimlich dankbar dafür, dass diese Leute diese einzigartigen Geschichten, die sie haben, mit mir teilen. Ich versuche, so vielen wie möglich zu antworten und ihnen Kraft zu spenden. Es lässt einen noch bewusster leben, wenn man offener durch die Welt geht.

Was haben die Dreharbeiten an Ihrem Verhalten gegenüber kranken Menschen verändert?

Ich lege weniger Gewicht auf die Krankheit und mehr auf die Menschen. Selbst im Krankenhaus liegen nicht kranke Menschen, sondern einfach Menschen. Darauf sollte man bauen, denn die Krankheit definiert den Menschen nicht. Wenn man ihn darüber definiert, dann fängt es an, pathologisch zu werden.

Die erste Staffel vom „Club der roten Bänder“ war ein voller Erfolg. Wie schaffen Sie es da, auf dem Boden zu bleiben?

Das ist für mich kein Problem. Ich wohne noch bei meinen Eltern, bin weiter zur Schule gegangen. Ich habe einen ganz normalen Alltag, der mich immer weiter begleitet hat, und ich mache jetzt auch weiter das, was viele meiner Freunde machen. Das ist wie eine Art Parallelwelt, in die ich da eingetaucht bin. Dadurch habe ich ganz viele Leute um mich herum, die mich an meinen Alltag erinnern. Es ist auch sehr schön, wenn man mal ganz wegkommt vom Set und den Dreharbeiten, um abschalten zu können und das zu tun, was man in meinem Alter so macht.

Haben Sie schon Anfragen für andere Rollen bekommen?

Ich habe noch eine kleine Rolle im Frühling gehabt und wollte eigentlich auch im Sommer noch was drehen. Aber das hat sich mit dem „Club der roten Bänder“ überschnitten. Weil es total stressig ist, zwei Produktionen gleichzeitig zu machen und die Dreharbeiten zu koordinieren, gab es da nicht so viel Spielraum. Außerdem war ich auch noch ein paar Wochen weg. Im Winter werde ich auch noch mal wegfahren; aber wenn es so weiterläuft wie bisher, kann ich überglücklich sein.


Sie haben sich auch für ein Medizin-Studium in Oxford beworben. Haben Sie den Platz bekommen?

Nein. Es gab da einen Test, den BMAT, den ich total unterschätzt habe. Mitten in den Dreharbeiten und während der Klausurphase in der Schule habe ich keine Zeit gefunden, mich vorzubereiten. Aber das ist auch in Ordnung, weil ich jetzt im Herbst reisen werde. Ich mache jetzt erst mal ein Jahr Pause.

Aber der Plan, Medizin zu studieren, ist nach wie vor aktuell?

Ja, vielleicht bewerbe ich mich auch noch mal in Oxford. Medizin ist nach wie vor das, was mich am meisten anspricht, auch im Hinblick auf die Serie. Das Interesse hatte ich aber vorher schon: Das ist so ein tief reichendes und spannendes Thema, das sich zu studieren lohnt.

Um Medizin studieren zu können und in Oxford angenommen zu werden, braucht man einen extrem guten Schulabschluss. Welchen Abischnitt haben Sie geschafft?


Einen ganz guten (lacht). Ich bin zufrieden.

Sie haben mal ein Stipendium für Hochbegabte bekommen, lernen Chinesisch und spielen Klavier. Sind Sie ein Streber oder ein Wunderkind?

Weder noch. Ich bin einfach der Typ von nebenan. Das, was ich bisher gemacht habe, hat mir alles sehr viel Spaß gemacht. Da habe ich mich immer total reingeschmissen. Wenn man sich mit etwas identifizieren kann und es Spaß macht, „verschwendet“ man ja auch gerne mehr Energie darauf.

Sie haben sehr viele, vor allem weibliche Fans. Wie geht Ihre Freundin damit um?

Ganz entspannt.

Was erwartet die Zuschauer in der zweiten Staffel?

Ganz viele spannende neue Geschichten. Es ist wahnsinnig, wie sich die einzelnen Pfade der Charaktere wandeln. Es hat sehr viel Spaß gemacht, für mich zu entwickeln, wie Jonas weiter durch das Leben schreitet und welche Schwierigkeiten er noch hat. Als ich die Drehbücher gelesen habe, habe ich angefangen zu weinen, weil sie so geladen sind mit Galgenhumor, mit witzigen, traurigen, ernsthaften und lächerlichen Momenten. Genau das, was vielen Leuten an der ersten Staffel gefallen hat, diese Achterbahn der Gefühle, wird in der zweiten Staffel wiederkommen.

Gibt es eine Szene aus der ersten Staffel, die Sie am stärksten in Erinnerung haben?

Die Szene, in der ich den Abschiedstanz für mein Bein mache, und die, in der wir Alex in der Begräbniskammer Tschüss sagen, waren die zwei härtesten Szenen, die wir gemacht haben. Die hatten so eine tiefe Bedeutung, dass ich mich da auch sehr gefreut habe, als ich sie live gesehen habe. Da habe ich gedacht, es hat sich gelohnt, dass wir uns so haben mitnehmen lassen.

Hatten Sie Bedenken, ob das Konzept aufgehen würde?

Wir hatten dahingehend Bedenken, ob die Zuschauer etwas schauen wollen, das zunächst einmal sehr abtörnend klingt, wenn man nur die Beschreibung liest. Sechs Kinder im Krankenhaus, das könnte sehr deprimierend sein. Wer will sich so was nach einem harten Arbeitstag angucken? Da will man eher abschalten und ein Feierabendbierchen trinken. Aber die Leute haben gemerkt, dass es zwar auch um Tod und Verluste geht, aber vor allem um den Optimismus, den wir erzählen, um Lebensfreude.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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