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Leute

08. Dezember 2016 | 01:11 Uhr

Leute : Der nächste Rundumschlag für Trump

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Elfte Frau beschuldigt Trump der sexuellen Belästigung– er will sie alle verklagen. Plan für die ersten 100 Tage im Weißen Haus

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump will nach der Wahl jene Frauen verklagen, die in den vergangenen Tagen mit Belästigungsvorwürfen gegen ihn an die Öffentlichkeit gegangen sind. Sie alle hätten gelogen, um seinem Wahlkampf zu schaden, sagte der Republikaner am Wochenende in Gettysburg (Pennsylvania).

Die Zahl seiner Anklägerinnen wächst unterdessen weiter an: Eine elfte Frau beschuldigte den Immobilienmogul des sexuellen Übergriffes. Ihr Fall soll sich vor zehn Jahren am Rande eines Golfwettbewerbs in Lake Tahoe ereignet haben. Trump habe sie und zwei Begleiterinnen in seiner Suite „gepackt“ und ohne Einwilligung geküsst, berichtete die Frau am Samstag.

Jessica Drake (r.) ist die elfte Frau, die Donald Trump eines sexuellen Übergriffs beschuldigt.  Foto: Mike Nelson
Jessica Drake (r.) ist die elfte Frau, die Donald Trump eines sexuellen Übergriffs beschuldigt.  Foto: Mike Nelson Foto: Mike Nelson

Viele tausend Kilometer entfernt stellte Trump in Gettysburg einen Plan für seine ersten 100 Tage im Weißen Haus vor - für den Fall, dass er am 8. November seine Rivalin Hillary Clinton schlagen sollte. So widmete Trump die ersten 15 Minuten seiner Rede auch neuen Angriffen gegen die Demokratin und die Medien, die beide „korrupt“ seien.

In seinem 100-Tage-Programm, das er als „Vertrag zwischen Donald J. Trump und dem amerikanischen Volk“ bezeichnete, wolle er neu über das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta verhandeln, aus dem Transpazifischen Handelspakt TPP aussteigen und „Handelsmissbrauch“ durch andere Staaten unterbinden.

Weiter versprach er, unverzüglich mit der Abschiebung „krimineller“ Einwanderer zu beginnen, die illegal in die USA gelangt seien, und Immigration aus „terrorismusanfälligen Regionen“ zu stoppen. Am Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko hält Trump ebenfalls fest. Und versicherte erneut, dass Mexiko dafür zahlen werde.

Den „Sumpf der Korruption in Washington“ wolle er, Trump, unter anderem durch die Begrenzung der Amtszeiten von Kongressmitgliedern trockenlegen.

Die USA befänden sich an einem Scheideweg, sagte Trump. Er rufe das amerikanische Volk dazu auf, „große Träume“ zu haben. Hillary Clinton repräsentiere ein System, das manipuliere und kaputt sei – was sich schon darin zeige, dass sie trotz zahlreicher „Gesetzesbrüche“ überhaupt kandidieren dürfe.

 

Kommentar von Friedmann Diedrichs: Trumps Bankrott

 

Mit seinen Parolen hetzt Donald Trump die beiden politischen Lager noch weiter auf, die sich ohnehin emotionsgeladener gegenüber stehen als in vergangenen Wahlkämpfen. Er trug wieder seine bekannten Ideen vor – vom Grenzmauerbau über seine Abschiebungs-Strategie bis zum Einreiseverbot für Flüchtlinge aus bestimmten Regionen. Negativer Höhepunkt seines Auftritts war dann die Ankündigung, er werde all jene Frauen verklagen, die ihn unerwünschter sexueller Avancen beschuldigt hatten. Trump weiß genau, dass seine juristischen Chancen extrem gering sind – denn der nun legendäre Mikrofon-Mitschnitt zeigt unwiderlegbar das Ausmass seiner Frauenfeindlichkeit und seines Macho-Verhaltens. Dennoch kann er es nicht lassen, gegen jene nachzutreten, die sich als Opfer darstellen. Wer noch nach ein Argument für den moralischen Bankrott des Geschäftsmanns und Präsidentschafts-Kandidaten gesucht hat – hier ist es.

 

 

Gabriele Chwallek

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