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05. Dezember 2016 | 15:34 Uhr

Michelle und Barack Obama : Bye-bye, Obamas

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sie waren das coolste Präsidentenpaar seit John F. und Jackie Kennedy. Ein Rückblick auf acht besondere Jahre

Das letzte Staatsbankett im Weißen Haus fasste eigentlich alles zusammen. Michelle Obama im bodenlangen Kleid von Versace, wie aus flüssigem Metall. An ihrer Seite der strahlende Präsident, als wäre er hineingegossen in seinen Smoking. „Reiner Hollywood-Glamour“, seufzte die „Washington Post“. Wenn die Familie Obama nun allmählich die Koffer packt, heißt es Abschied nehmen vom berühmtesten Power-Paar der Welt.

Michelle und Barack Obama waren das eingelöste Versprechen, dass Eleganz und Würde nicht mit der Übernahme einer so gewaltigen Funktion verschwinden müssen. Die Vorstellung eines Donald Trump im Weißen Haus ermöglicht, sich noch einmal klarzumachen, welchen Raum dieses Paar eingenommen hat. Und wie es ihn ausfüllte.

Man mag Obamas Nahost-Politik kritisieren, den Drohneneinsatz entsetzlich finden, seine Gesundheitsreform unvollkommen und die Versäumnisse in der Einwanderungspolitik folgenreich. Trotzdem: „Der Mann verkörpert schlicht ,cool‘“, schreibt die israelische „Haaretz“. Und führt als ein Beweis die präsidialen Playlisten an. In diesen Listen hat Obama mehrfach seinen Musikgeschmack bei Spotify hinterlegt. Viel schwarze Musik und Jazz. Keine Klassik, kein Country. Für einen 55-Jährigen viel Hip Hop, aber auch reichlich Nina Simone oder Aretha Franklin.

Kann man sich das vorstellen: Donald Trump mit Jerry Seinfeld im Auto, locker plaudernd wie Barack Obama? Hillary Clinton oder Melania Trump beim „Carpool-Karaoke“ wie Michelle Obama? Unfassbar lässig kreuzte sie neben Schauspieler James Corden durch den Garten des Weißen Hauses, textsicher Stevie Wonder schmetternd, und rappen kann sie auch.

Die Obamas öffneten das Weiße Haus für Rap und Jazz, tanzten mit dem Star-Wars-Roboter R2D2 vor dem Kamin, feierten diese Woche fröhlich Halloween mit Kindern. Der Präsident mag Serien wie „Game of Thrones“ und „Breaking Bad“. Auch die regelmäßige Veröffentlichung des sommerlichen Leseprogramms darf nicht fehlen.

„Wie man wirklich cool ist? Indem Du wirklich bei Dir bist. Acht Jahre lang hatten wir eine First Family, die genau das gemacht hat“, hinterlässt ein wehmütiger Begleiter. Magazine schrieben, man werde schon allein die „Fist Bumps“ des Paars vermissen, den Gruß, der mit zwei leicht zusammenstoßenden Fäusten ausgeführt wird.

Ein Buch nannte Michelle schon 2011 „The White House Queen“. Es gibt Fotogalerien mit ihren besten Kleidern. Sie trug Azzedine Alaia und Gaultier ebenso gerne wie sie amerikanische Designer unterstützte. Die „Huffington Post“ fand Michelle „schlicht für diese Rolle bestimmt“.

Ihre sportlichen Oberarme, ihr Workout, Sprints mit Bo, dem portugiesischen Wasserhund, durchs Weiße Haus. Ein tanzender, ein singender Präsident – aber des Morgens mit sehr schlechtem Atem, glaubt man seiner Frau. Die First Family, die den Hubschrauber Marine One verlässt, mit Sonnenbrillen und Weekendern, die Arme um Sasha und Malia gelegt.

Das wirkte alles menschlich und nah und anfassbar, wenn diese Zugänglichkeit auch wohlsortiert war, sorgfältig orchestriert von der Machtmaschine Weißes Haus auch über die sozialen Medien. Bei zahlreichen Late Night Talkern war der Präsident zu Gast, gab sich selbstironisch und cool. Dabei ist sein Verhältnis zu den Medien gar nicht so glänzend.

Ihren Töchtern versuchten die Obamas so viel Normalität wie möglich zu erhalten. Das ist nach Lage der Dinge komplex, wenn man eine Supermacht regiert. Man erfuhr aber, dass Vater Barack, wenn immer möglich, um 18.30 Uhr mit der Familie zu Abend esse.

Nach dem 20. Januar 2017 wird die dann ehemals berühmteste Familie der Welt in Washington bleiben, im guten Stadtteil Kalorama, bis Sasha 2018 die High School beendet hat.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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