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Kultur

27. März 2017 | 06:49 Uhr

New Yorker Museum : Wie entstaubt man ein Kunstmuseum?

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit Tupfer und Spucke gegen Pollen, Dreck und Hautpartikel im New Yorker MoMA

Die staubigste Stelle des MoMA liegt direkt hinter dem Eingang rechts. Dort ist ein Entlüftungsgitter in einer Wand neben der Ausgabestelle für Audio-Führungen. „In dem Raum dahinter ist unser Lichtsystem installiert und die Hitze zieht den Staub an“, sagt Nelson Nieves, stellvertretender Gebäudeverwalter des Museum of Modern Art in New York. „Hier wird zwar mehrmals die Woche gereinigt, aber wenn ich mir all diesen Staub anschaue, dann ist das wahrscheinlich genug für eine Perücke.“

Rund drei Millionen Menschen aus der ganzen Welt besuchen jedes Jahr das MoMA mitten in Manhattan – und bringen unter anderem Pollen, Dreck und Hautpartikel mit in das Gebäude. „Eine ganze Menge Staub bekommt mit uns freien Eintritt ins MoMA“, sagt Nina Katchadourian.

Vor zwei Jahren bat das MoMA die 1968 in Kalifornien geborene Künstlerin um die Entwicklung eines Projekts. Monatelang sprach sie mit Mitarbeitern des Museums über deren Arbeit und ein Thema kristallisierte sich immer weiter heraus: Staub.

„Ja, mein erstes großes MoMA-Projekt dreht sich komplett um Staub“, sagt Katchadourian. „Ich mag es, die großen Themen über die kleinen und beobachtbaren anzugehen.“ Herausgekommen ist die Audio-Führung „Dust Gathering“, die Besuchern noch bis zum 21. April in 14 Kapiteln die staubige Geschichte des MoMA erzählt. Zwischen Ende Oktober und Dezember 2016 haben nach Angaben des Museums bereits knapp 30 000 Menschen zugehört – per Audio-Guide, Webseite oder Handy. Die Reaktionen seien sehr positiv, sagt eine MoMA-Sprecherin.

„Staub besteht aus Material von drinnen und draußen, von der Erde und aus dem Weltall, von hoch und von niedrig gelegenen Orten und im MoMA ist es wirklich eine Gemisch aus Besuchern aus der ganzen Welt“, sagt Katchadourian. „Im Staub kommen wir alle zusammen.“ Gleichzeitig müsse der Staub aus einem Kunstmuseum aber auch dringend wieder raus. „Staub ist schlecht für Kunstwerke, weil er Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt, und das kann für einige Kunstwerke sehr schädlich sein.“

Fünf gigantische Filtermaschinen im Keller regulieren die Luft im MoMA, wie Gebäudemanager Nieves in der Audio-Führung erzählt. Luft wird von draußen hereingesogen, mehrmals gefiltert und dann in die Räume geschleust. Um die wertvolle Kunst zu schützen, wird die Temperatur stets auf 21 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit auf 50 Prozent gehalten. Für den Notfall gibt es Stromgeneratoren.

Der Staub wirbelt durch das ganze Gebäude, vor allem durch das sechsstöckige Atrium – und trotz täglicher Reinigung gibt es Problemstellen. Zum Beispiel in der ersten Etage, wo sich die Eingangstüren und die Türen zum Skulpturengarten befinden und manchmal mehr als 12 000 Menschen am Tag durchkommen. Oder ein Fenstervorsprung im vierten Stock, den zwei MoMA-Mitarbeiter alle drei Monate nur mit Hilfe einer neun Meter hohen ausfahrbaren Leiter abstauben können. „Dieser Fenstervorsprung hat das ganze Projekt inspiriert“, erzählt Künstlerin Katchadourian. „Ich liebe diesen Staub, weil es so wirkt, als ob er hier nicht hingehört. Es scheint so, als ob der Staub damit durchkommt, dass er hier einfach so bestens sichtbar abhängt. Aber die Museumswärter haben mir erzählt, dass sich die Besucher manchmal beschweren, weil der Vorsprung so staubig ist.“

Anny Aviram arbeitet seit mehr als 40 Jahren als Restauratorin und hat ihre eigene Methode zum Abstauben: Spucke. „90 Prozent unserer Spucke ist Wasser, dann noch ein bisschen Enzyme und Mineralien. Wir reinigen Bilder hier oft mit Spucke, wir nennen das eine Enzym-Lösung. Es ist aber nicht einfach darüber zu reden, weil das so eine merkwürdige Konnotation hat.“ Aviram rollt sich einen Tupfer aus Baumwolle, befeuchtet ihn mit ihrer Spucke und reinigt dann Millimeter um Millimeter ein Kunstwerk, bevor sie mit einem Tuch noch einmal drüberwischt.

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