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Kultur

03. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Ausnahme-Künstler : The Weeknd: Vom Phantom zum «Starboy»

vom

Mit düsteren, psychedelischen Sounds ist The Weeknd zum Wunderkind eines neuen R&B geworden. Die richtige Prise Pop verhalf ihm vor zwei Jahren zum internationalen Durchbruch. Auf seinem dritten Studialbum «Starboy» Album zeigt er unbekannte Seiten und feiert seine Idole.

In gewisser Weise ist The Weeknd wohl der Alptraum aller Eltern. Mit 17 Jahren ist er mit einem Freund von zu Hause abgehauen, hat die Schule abgebrochen und ist nicht mehr zurückgekehrt.

Heute ist er einer der gefeierten Stars eines neuen R&B - ein Genre, das in den letzten Jahren in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohte - und feiert Partys mit den ganz Großen der Branche: Drake, Jay-Z und Taylor Swift. «Starboy» heißt sein drittes Studioalbum, aus dem er in den letzten zwei Monaten bereits vier Songs veröffentlichte.

Dass Abel Tesfaye, wie The Weeknd mit bürgerlichem Namen heißt, mal mit Pop-Ikonen auf After-Show-Partys Champagner trinken würde, damit hat der 26-Jährige aus Vancouver wohl selbst nicht gerechnet. Seinen internationalen Durchbruch verdankt der Kanadier mit äthiopischen Wurzeln einer Kollaboration mit der US-amerikanischen Pop-Prinzessin Ariana Grande. «Love Me Harder» brachte ihm 2014 den kommerziellen Erfolg und die großen Bühnen - aber vor allem den Zugang zu einer Welt, die ihm bis dahin verborgen geblieben ist: den massenkompatiblen Pop-Olymp. Für sein zweites Studio-Album «Beauty Behind The Madness», das wenige Monate später erschien, bekam er einen Grammy.

Seine ersten Songs veröffentlichte Tesfaye im Jahr 2010 auf YouTube. Es waren der düstere, psychedelisch anmutende Sound und die fast schon liebliche Stimme, die schnell zu einem Hype um den unbekannten Künstler führten, der nie sein Gesicht zeigte oder seinen Namen veröffentlichte. Nur ein paar Wochen, nachdem er die ersten Songs hochgeladen hatte, landete eines der Videos auf dem Blog von Drakes Label October’s Very Own. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis die Label-Bosse um das obskure Netz-Wunderkind buhlten, das die Inspiration für seine Musik in wilden Drogennächten und Sex-Abenteuern fand. Interviews gab Tesfaye damals nicht. Er hatte Angst, dass die Leute ihn für dumm hielten, sagte er mal in einem Interview des «Rolling Stone».

Mit Öffentlichkeit hat der gehypte Sänger heute kein Problem mehr. Für sein neues, 18 Songs starkes Album «Starboy» holte er sich Daft Punk, Kendrick Lamar und Lana del Rey ins Studio. Auf «Starboy» bietet Tesfaye das, wofür ihn seine Fans und die Musikkritiker lieben: Einen Sound, der so recht in keine Kategorie passen will. In einem Interview des «Wall Street Journal» beschreibt er sein neues Album als eine «riesige Collage», in dem jeder Song seinen eigenen Charakter habe.

Die erste Single-Auskopplung «Starboy» hat es mit ihrem zeitgemäß elektronischen und melodisch eingängigen Sound an die Spitze der deutschen Charts geschafft - mit Daft Punk, dem französischen Elektro-Erfolgs-Duo an seiner Seite, keine Überraschung. Bei «False Alarm» geht es mit tempogeladenen, aggressiven Beats etwas heftiger zur Sache. Aber dann gibt es da auch noch die ruhigen Töne. In «True Colors» besingt er mit lieblicher Stimme und in souliger R&B-Manier den Wunsch zu wissen, mit wem die Frau an seiner Seite schon das Bett geteilt hat.

Als «zu eintausend Prozent» von dem Tod seiner Idole David Bowie und Prince beeinflusst, beschreibt Tesfaye selbst sein Album «Starboy» in einem Interview. Der Titel des Albums: ein Verweis auf Bowie und dessen Song «Starman». Aber auch die Einflüsse eines weiteren Jahrhundert-Künstlers sind nicht zu überhören: Michael Jackson. «I Feel It Coming», die zweite mit Daft Punk produzierte Single des Albums, lässt daran keine Zweifel. Und dass Tesfaye sich durchaus in der Lage sieht, dessen Erbe anzutreten, hat er dem «Rolling Stone» im vergangenen Jahr erzählt: «Wisst ihr, diese Kinder haben keinen Michael Jackson. Sie haben keinen Prince. Sie haben keine Whitney. Wer ist jetzt noch da? Und wer sonst könnte an ihre Stelle treten?»

The Weeknd hat also Großes vor. Die wilden Dreadlocks, die noch bis vor wenigen Wochen sein Markenzeichen waren, sind inzwischen ab. Er beschrieb sie mal als einen Ausdruck von Andersartigkeit und Unangepasstheit. Mit den Dreadlocks abgelegt hat er aber nicht seinen ganz eigenen Sound, der durch die unterschiedlichen Einflüsse immer wieder überrascht. Nur mit einer Sache muss sich der Ausnahme-Künstler wohl abfinden: Ein Mysterium ist Abel Tesfaye alias The Weeknd inzwischen nicht mehr.

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Website The Weeknd

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erstellt am 28.Nov.2016 | 12:03 Uhr

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