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Kultur

09. Dezember 2016 | 01:02 Uhr

Album ohne Hits? : Sido startet Authentizitäts-Offensive

vom

Sido kennt man in vielen Rollen: als Maskenmann, als liebevollen Vater, als Gesellschaftskritiker. Jetzt bringt er ein neues Album heraus - «einfach nur Hip-Hop» soll es liefern. Doch wegen einer Single zweifeln einige seine Glaubwürdigkeit an.

«Halt deine Schnauze!», rappt Sido in seinem neuen Album - und meint damit Journalisten, die über sein neues Album schreiben wollen. Auf Promotion hat der 35-Jährige so gar keine Lust. Interviews? Nein, danke.

Und der Erfolg seiner neuen Platte «Das goldene Album» ist ihm sowieso egal. Das lässt er zumindest seine PR-Agentur mitteilen.

Bei Sidos siebtem Studioalbum soll es einzig um die Musik gehen. Es soll ohne Hits auskommen. «Einfach nur Hip-Hop. Oldschool», richtet er über die Agentur aus.

Noch auf dem Vorgängeralbum «VI» machte Sido einen Ausflug in poppig-sozialkritische Sphären und holte sich für die Single «Astronaut» den Soul-Barden Andreas Bourani ins Boot. Jetzt startet er mal wieder eine Authentizitäts-Offensive. Die Frage ist nur langsam: Wer ist Sido eigentlich? 

Wie man es von einer echten «Oldschool»-Platte erwartet, arbeitet sich der Rapper im «goldenen Album» zu bekannt klingenden Beats an Klassikerthemen ab: In «Ganz unten» nimmt er sich den Kampf um soziale Anerkennung vor und die Schwierigkeit, etwas aus dem Leben zu machen, wenn man bei Null startet. Um verweichlichte Losertypen geht es in «Männaz mit Vaginaz» - ein Song, der Feministinnen ein Dorn im Auge sein dürfte, der aber auch mit originellen Textideen daherkommt: «Du machst dir keinen Kopf, du machst Bauch, Beine, Po.»

Einer der wohl wichtigsten Währungen im Hip-Hop - der Glaubwürdigkeit - widmet Sido sich schon im Intro: «Es tut mir leid, ich hab mich keinem von euch angepasst», rappt er da. Und fragt: «Muss ich mich am Auge tätowieren, um kredibil zu sein?»

Doch nun werfen ihm einige ausgerechnet Heuchelei vor - wegen einer Single-Auskopplung, die schon im Sommer bei ihrer Vorab-Veröffentlichung für Rummel sorgte: In «Geuner» rappt Sido einmal nicht über seine Kindheit im berüchtigten Märkischen Viertel in Berlin - sondern über seine Sinti-Vorfahren.

«Erst Gangster-Rapper mit Maske, dann der Junge aus dem Osten, dann der liebevolle Vater und Ehemann. Jetzt ist er Sinti?», kommentiert ein User das Musikvideo auf YouTube. «Langsam gehen ihm echt die Ideen aus.» Andere Fans loben Sido dafür, dass er diesen Aspekt thematisiert.

Kritik gab es für die Single nicht nur wegen der Glaubwürdigkeits-Problematik. Auch Zeilen wie diese über angeblich stehlende Sinti und Roma lösen Unmut aus: «Meine Leute haben's nicht so leicht, also wenn du nicht drauf aufpasst, ist es meins.» Alte Vorurteile gegen Sinti und Roma lassen grüßen. Außerdem nennt er sich selbst einen «Zigeuner» - und benutzt damit ein Wort, das viele als abwertend empfinden.

Doch Sido dürfte die Kontroverse nicht ganz ungelegen gekommen sein: Provokationen wie diese generieren Aufmerksamkeit - und das ohne lästige Interviews. Zu seinem ursprünglichen Gangster-Image passt ein solcher Song ohnehin bestens.

Website Sido

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erstellt am 21.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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