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Kultur

10. Dezember 2016 | 00:14 Uhr

Ende offen : Rostocker Theaterstreit mit vielen offenen Fragen

vom

Welche Rolle spielt ein künstlerischer Geschäftsführer an einem Theater? Was darf er offen sagen und was nicht? Solche Fragen gilt es im Streit um die Kündigung des Rostocker Theaterintendanten Latchinian zu klären.

Im Streit um die Kündigung des früheren Intendanten des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, hat das Landgericht Rostock am Dienstag einen Vergleich vorgeschlagen.

Latchinian hatte dort gegen die im Juni 2016 von der Volkstheater Rostock GmbH ausgesprochene fristlose Entlassung geklagt. Der Anwalt von Latchinian, der Linken-Politiker Gregor Gysi, betonte, er sehe keinen Grund für die Kündigung. Er sei aber bereit, über einen Vergleich nachzudenken. Der Anwalt des Volkstheaters zeigte dazu jedoch keine Bereitschaft. Das Landgericht wird nun am 13. Dezember seine Entscheidung verkünden.

Latchinian war im Juni 2016 nach langen Querelen um die Struktur des Theaters als künstlerischer Geschäftsführer fristlos entlassen worden. Sein Arbeitgeber, die Volkstheater Rostock GmbH (VTR), deren alleiniger Gesellschafter die Hansestadt ist, hatte ihm unter anderem vorgeworfen, Dienstpflichten verletzt zu haben.

«Ich schwanke, ich weiß noch nicht, wie ich entscheiden soll» - so beschrieb der Richter das Spannungsfeld, in dem er sich bei dem Rechtsstreit sieht. «Ein Künstler ist nach dem vorherrschenden Verständnis eine Person, die eher etwas Anarchisches hat.» Ein Künstler solle provozieren, Ideen geben und dem Publikum nicht vertraute Dinge vermitteln. Dies seien jedoch Eigenschaften, die mit der Funktion eines Geschäftsführers per se nicht übereinstimmten.

Die VTR hatte die Kündigung mit Mails Latchinians unter anderem an den Betriebsrat mit möglicherweise vertraulichen Inhalten, einem Interview oder Verzögerungen bei der Spielzeitplanung 2016/17 begründet. Frühere Vorfälle, wie etwa ein Vergleich der Theaterpolitik mit Zerstörungen der Terrormiliz IS, spielten keine Rolle. Der VTR-Anwalt betonte, dass es sich bei der Kündigung um das Ende einer langen Kette von Vorfällen handele. Latchinian war knapp zwei Jahre im Amt. «Wir stehen an dem Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht.»

Anwalt Gysi betonte, dass Latchinian trotz seiner Widerstände bereit gewesen sei, ein Konzept zur Spartenstreichung umzusetzen. Der Hintergrund der Kündigung sei das «sehr gestörte» Verhältnis von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zu Latchinian. 

Latchinian sagte nach dem Ende der Verhandlung: «Ich gehe davon aus, dass mein Anstellungsvertrag immer noch gilt.» Er mache sich große Sorgen um die Zukunft des Volkstheaters.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 16:32 Uhr

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