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Kultur

10. Dezember 2016 | 09:53 Uhr

Thriller : Robert Harris über einen Machtpoker bei der Papstwahl

vom

Robert Harris ist bekannt für seine Thriller, in denen er spannende Geschichten vor dem Hintergrund machtpolitischer Konflikte erzählt. In seinem neuen Roman «Konklave» spielt er mit einem besonderen Rahmen - einer Papstwahl.

Am Anfang steht ein dramatischer Moment. Der Papst ist gestorben, und nun ist eine der mächtigsten Positionen der Welt nicht besetzt.

Dieser Zustand darf nicht lange dauern, immerhin ist der Papst die höchste Autorität für mehr als eine Milliarde Katholiken auf allen Kontinenten. Aber es gibt eine seit Jahrhunderten festgelegte Regelung, wie diese Machtvakuum kurzfristig aufgehoben werden soll.

An diesem Punkt setzt der neue Roman des britischen Erfolgsautors Robert Harris (59) ein. In einem Konklave wählen die Kardinäle von der Außenwelt abgeschottet einen aus ihrer Mitte zum neuen Führer der Katholischen Kirche. Nichts darf in diese Versammlung mächtiger alter Männer hineinkommen und nichts darf herauskommen, bis der neue Papst gewählt ist. Seit Jahrhunderten blühen die Spekulationen darüber, was bei einer solchen Papstwahl vor sicht geht.

Harris geht in «Konklave» mitten hinein in die Papstwahl. Hauptfigur seines Romans ist Jacopo Lomeli, Kardinal im Vatikan und durch sein Amt dafür zuständig, die Papstwahl zu organisieren und zu leiten. Der bescheidene Mann, selbst ohne jegliche Ambitionen auf das Amt, geht in seiner Aufgabe auf, die er als persönliche Pflicht dem verstorbenen Papst ebenso wie der Kirche im Allgemeinen gegenüber empfindet.

Lomeli ist der neutrale Beobachter, der mehr weiß als alle anderen. So kann er ganz genau die Favoriten benennen und ihre Chancen einschätzen. Aber er weiß auch um ihre dunklen Seiten. Und daher beginnt er schon bald, sich Sorgen um die Entscheidung der Versammlung zu machen.

Die Favoriten entsprechen den klassischen Klischees über die Kurie. Einer ist italienischer Traditionalist, ein anderer ein nordamerikanischer Modernisierer, ein Dritter vertritt die Kirche der Dritten Welt. Nur einer wird sich durchsetzen können, und es sieht nach einen langwierigen Auswahlverfahren aus.

Der Roman, der so ganz nebenbei viele Hintergrundinformationen über Vatikan und Papsttum vermittelt, nimmt Fahrt auf, als Lomeli Gewissensbisse bekommt und meint, den Entwicklungen nicht einfach zusehen zu können. «Ist es nur meine Pflicht, die Beratungen meiner Kollegen zu organisieren», fragt er sich. «Oder liegt es auch in meiner Verantwortung, mich einzumischen und das Ergebnis zu beeinflussen?»

Hinzu kommt, dass er vieles von dem, was er weiß, eigentlich gar nicht wissen dürfte, zumal dann auch noch ein mysteriöser Kardinal auftaucht, den niemand kennt oder einschätzen könnte. Hat auch der von Lomeli verehrte verstorbene Papst merkwürdige Spielchen mit den Kardinälen gespielt? Und was hat es auf sich mit den Gerüchten über die Favoriten?

Die Handlung von «Konklave» nimmt nur ein paar Tage ein, aber diese sind erstaunlich vollgepackt mit Intrigen, Machtpoker und Finten. Die Kandidaten bekämpfen einander mit großer Härte, aber immer innerhalb des Rahmens der offiziellen Regeln. Die Doppeldeutigkeit vieler Aussagen und Fakten macht Lomeli zu einem Detektiv auf der Suche nach der Wahrheit im Konklave.

Bis ganz zum Schluss hält Harris die Spannung in «Konklave» aufrecht. Es bleibt lange Zeit offen, wer sich durchsetzt und wie es ihm gelingt. Und ganz zum Schluss bringt Harris noch einen besonderen Clou unter. «Konklave» ist mit seinem ungewöhnlichen Rahmen und Personal ein Thriller ganz eigener Art. Aber der Roman unterhält vorzüglich.

- Robert Harris: Konklave. Heyne Verlag, München, 350 Seiten, 21,99 Euro, ISBN 978-3-453-27072-5.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 15:24 Uhr

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