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Kultur

07. Dezember 2016 | 23:13 Uhr

Interview : Robbie Williams: «Ich bin neurotischer geworden»

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Robbie Williams bringt nach drei Jahren ein neues Studioalbum heraus, das sorgt noch immer für ordentlich Schlagzeilen. Er selbst nennt sich allerdings «alternder Popstar», der als Fußballer längst ins Management hätte wechseln müssen.

Sein Rücken ist ruiniert, er macht sich öfter Sorgen und in den letzten Jahren fiel er mehr durch Aktivitäten bei Twitter als durch neue Musik auf.

Jetzt kommt Robbie Williams' elftes Studioalbum heraus, manche sprechen vom Versuch eines «Comebacks». Ist Robbie Williams (42) noch hitverdächtig - oder sinkt sein Stern? Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er selbstironisch und offen über seine Karriere, alternde Knochen, süchtigmachende soziale Medien und Heimarbeit als Familienvater.

Frage: Was erwartet uns auf diesem Album - andere Musik als früher?

Antwort: In den letzten Jahren habe ich versucht, betont experimentell und interessant zu sein. Und keine Hits zu schreiben. Das letzte hab' ich geschafft... Wobei, ich hatte einen Hit auf dem letzten Album, aber aus Versehen. Jedenfalls hatte ich da wohl das Gefühl, ich hätte die Pflicht, besonders interessant zu sein. Aber dann wurde mir klar, dass ich einfach universelle Songs machen sollte. Mit großen, eingängigen Melodien und Texten, die die Leute in Pubs singen können. Und ich hoffe, dass mir das mit diesem Album gelungen ist.

Frage: Manche sprechen bei Ihnen jetzt von einer Rückkehr, von einem Comeback - weil es das erste Studioalbum nach drei Jahren ist - wie sehen Sie das?

Antwort: Also ich hab' ja nicht aufgehört zu arbeiten! Letztes Jahr bin ich das ganze Jahr auf Tour gewesen. Auch an Orten, wo ich noch nie war, oder lange nicht mehr. Im Jahr davor gab es das Swing-Album und die Swing-Tour. Also für mein Gefühl hab ich seit 2009 ohne Pause gearbeitet. Es kommt mir also überhaupt nicht wie eine Rückkehr vor. Ich bin nur jetzt eben wieder in den Medien präsent, statt zum Beispiel in Arenen in Riga oder in Abu Dhabi. Zehntausende Menschen haben mich da gesehen, aber eben nicht die Millionen daheim. Ich war gut beschäftigt - und es ist jetzt höchstens eine Rückkehr in die Medien. Hallo! [er winkt]. Mal gucken, wie das so läuft.

Frage: Wenn - zum Beispiel einige Zeit nach einem Albumstart - die Aufmerksamkeitswelle in den Medien wieder absinkt - wie gut kommen Sie damit klar? Werden Sie da schnell nervös und denken, ich muss was tun - zum Beispiel irgendwas im Netz posten?

Antwort: Naja, also Social Media kann einen schon süchtig machen. Meine Frau zum Beispiel hat sich wirklich lange davon ferngehalten. Und sich immer über mich lustig gemacht. Abends im Bett - wenn ich noch online Fankommentare gelesen und beantwortet habe - dann sagte sie: «Guck dich doch mal an, du mit deinen Onlinefreunden!» Aber dann hat sie einen Instagram-Account bekommen. Und jetzt sitzt sie selber abends mit dem Tablet zu Hause und liest und beantwortet Kommentare. Ich find's lustig zu sehen, dass sie jetzt auch süchtig danach ist. Ich versuche damit schon auch, Fans bei der Stange zu halten. Aber hauptsächlich poste ich, weil ich süchtig danach bin - und es einfach Spaß macht.

Frage: Wie produziert man so ein Album als Familienvater? Sagen Sie einfach: «Tschüss Familie, dieses Wochenende bin ich wieder weg, im Studio!?»

Antwort: Ich habe ein Produktionsstudio direkt bei mir im Haus, wo ich schreiben kann. Ich bringe die Kinder zum Kindergarten, hole sie später wieder ab - und dazwischen kann ich zu Hause im Studio arbeiten, Melodien singen und die passenden Texte dazu finden. Manchmal arbeite ich auch und die Kinder kommen ständig rein. Andere können kein Studio zu Hause benutzen, die gehen wegen Frau und Kindern lieber in ein extra Studio anderswo. Aber ich bekomme das gut hin, Vater zu sein und zu arbeiten. Ich mag's sogar, wenn die Kinder reinkommen können und mal hören, was da so läuft.

Frage: Was ist für Sie der schönste Moment daran, ein neues Album rauszubringen?

Antwort: Weiß ich gar nicht. Ich bin da neurotischer geworden. Schiebe mehr Panik. Wohl weil ich älter werde. Ein alternder Popstar! Das ist wie beim Fußball. Man ist richtig gut bis 35 oder 36. Oder vielleicht sogar bis 37, wenn man Torwart ist. Aber dann müssen Sie ins Management wechseln. Bei Popstars ist es genauso. Ich meine, ein 42-jähriger Popstar - da fragt man sich doch: wie klingt der? Was macht der? Ich mache mir da eigentlich ständig Sorgen, wie ich singe, worüber ich singe. Also wenn Sie mich fragen, was beim Albummachen den meisten Spaß bringt - vielleicht das sich-Sorgen-machen? Und diese Momente, wenn du denkst, du hast einen Hit! Ganz oft in den letzten anderthalb, zwei Jahren hab' ich gesagt: «Super, hier haben wir jetzt einen Hit!» Und am nächsten Tag dachte ich: «Ach nein, wohl doch nicht. Und wie klingt ein Hit heute überhaupt?». Also - ich glaube, ich persönlich muss meinen Spaß darin finden, mir Sorgen zu machen. Dieser Prozess des Suchens und die Sachen immer wieder infrage zu stellen.

Frage: Haben Sie Tricks, um bei Live-Auftritten auf der Bühne ihre 42 Jahre alten Knochen ein bisschen zu schonen?

Antwort: Oh ja, durchaus! Wissen Sie, ich habe einen schlechten Rücken. Wirklich schlecht, der Rücken eines alten Mannes! Auf den muss ich wirklich aufpassen. Als ich jünger war, da hat mich meine Bühnenperformance dermaßen geschafft, dass ich nach einer Tour immer ziemlich am Ende war. Eigentlich schon in der Mitte einer Tour. Ach was, schon nach zwei Wochen! Das war, als würde ich jeden Abend ein Fußballmatch spielen. Ich wollte eben unbedingt eine gute Show abliefern, so dass ich mich auf der Bühne völlig verausgabt habe. Heute kann ich mir das nicht mehr leisten. Das wäre unmöglich. Also gehe ich es etwas entspannter auf der Bühne an. Ich werfe mich groß in Schale, versuche so charismatisch wie möglich zu sein und eine Show abzuliefern, ohne mich völlig zu verheizen.

Frage: Aber erwarten die Fans nicht immer noch, dass Sie alles von sich geben, sich völlig verausgaben?

Antwort: Na Sie können ja das hier machen...[wirft sich mit dem Oberkörper in eine markige Pose]. Oder so auf Menschen deuten [zeigt mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine unbestimmte Person im Raum]. Oft auf Menschen im Publikum zu zeigen ist der Ausgleich für's viel auf der Bühne herumrennen. Sie müssen einfach häufiger auf Leute zeigen!

ZUR PERSON: Der britische Sänger und Entertainer Robbie Williams wurde in den 1990er Jahren als Mitglieder der Boygroup Take That bekannt. 1997 brachte er mit «Life Thru a Lens» sein erstes Soloalbum heraus, nachdem er sich zuvor von Take That getrennt hatte. Auf seinem ersten Album erschien auch Williams' bis heute größter Hit «Angels».

Website von Robbie Williams

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erstellt am 04.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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