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Kultur

09. Dezember 2016 | 01:05 Uhr

Blut des Lebens : Neues Patrice-Album aus dem Rucksack

vom

Auf spontane Ideen zwischen Reggae und Afrobeat setzt der deutsche Songwriter Patrice für sein neues Album «Life's Blood». Und auf Kreatives: Vor dem Release schickte er seine Zuhörer ins Wasser.

Abgetaucht ist Patrice nicht. Im Gegenteil: Für sein neues Album «Life's Blood» schickte er das Publikum ins Wasser. In Schwimmbecken konnten Fans die neuen Lieder des deutschen Songwriters vorab hören - wenn sie abtauchten.

«Mit einem Unterwasserlautsprecher und Schwimmnudeln für alle», erzählt Patrice. «Danach habe ich live gespielt. Das konnte man auch unter Wasser hören.» Doch die Aktion ging nicht ganz so wie geplant auf: «Das Ding ist, dass die meisten einen dann sehen wollen.» Auf einmal standen alle am Beckenrand.

Neue Wege bei der Promo - neue Wege auch bei der Musik? «Life's Blood» ist immerhin schon Patrices siebtes Solo-Studioalbum. «Ich denke immer, ich kann es besser als das vorherige Album», sagt der 37-Jährige und grinst.

Seit 18 Jahren ist der Musiker, der nie ohne Kopfbedeckung zu sehen ist, schon im Geschäft. Statt einer zunächst angedachten Best-of-Compilation hat er nun binnen eines Jahres ganz neue Lieder aufgenommen, aufbauend auf der Single «Burning Brides», die den Ton vorgab: ein elaboriertes Stück, das Patrices Spannungsfeld aus Karibik, Westafrika und Europa ausdrückt.

Das klingt technischer als früher, als ihm ein Gitarrenriff reichte, um gute Laune oder nachdenkliche Töne zu verbreiten. «Es ist natürlich produktionslastiger», gibt der in Kerpen bei Köln geborene Musiker zu. «Aber vom Geist her ist es gar nicht so anders. Was ich damals gemacht habe, war damals die neueste Technik, die wir genutzt haben. Heute ist es dasselbe in Grün, nur in einer anderen Zeit.»

Mit elf Jahren kam Patrice auf das Internat Schloss Salem, kurz nach dem Tod seines Vaters, der aus Sierra Leone stammte. Dort war alles klar geregelt, Disziplin war wichtig, erzählt Patrice. Dann ließ er sich einige Jahre später eine Bob-Marley-Gedenkfrisur wachsen und spielte seine ersten Lieder, sang auf Patois. Er rappte auch, harte Sachen, seinem ersten Produzenten Matthias Arfmann gefielen die ruhigen Stücke aber besser - der Songwriter Patrice war geboren.

Der Titel des neuen Albums «Life's Blood» sei eine Anspielung an das «Blut des Lebens» - das Wasser. Aber auch ein Ausdruck für das, was einen im Leben antreibt. Und Patrices Leidenschaft ist die Musik.

Entstanden sei das Album in Bewegung, sagt Patrice. Er lebt in Köln und New York, ist oft in Paris, immer wieder auch in Sierra Leone und Nigeria. «Ich habe mein Equipment immer im Rucksack und will die Ideen dann festhalten, wenn sie kommen», sagt er. «Das Unmittelbare einzufangen ist mir sehr wichtig.»

Dafür singt Patrice sogar in seinen Kleiderschrank: Den hat der 37-Jährige zum improvisierten Studio umgebaut. «Ich wollte den Raumklang killen und habe dafür einen Kleiderschrank umfunktioniert zur Gesangskabine. Also so halb, weil der das nicht ganz hergibt, dass ich da reingehe. Klingt besser als im besten Studio!»

Da ist es wieder, dieses jungenhafte Grinsen. Der Weltschmerz, den Patrice auch schon auf seinen ersten Platten verarbeitet hat, ist aber nicht verflogen. Davon zeugt seine Interpretation von Louis Armstrongs «Wonderful World». «Ich habe einen Freund gefragt, der es auf Creole gesungen hat. Im Hintergrund hört man Kriegsgeräusche - das ist unsere Zeit», erzählt Patrice.

Die Botschaft des ungewöhnlichen Songs sei aber: «Egal, wie schlimm es alles scheint, es ist trotzdem eine wunderbare Welt. Auf dieser Basis müssen wir diskutieren, wie schlimm manche Dinge wirklich sind. Die Gefahr, die Terrorismus ausstrahlt, steht denke ich zum Beispiel in keinem Verhältnis dazu, wie viel darüber berichtet wird.» Dabei war Patrice bei den Anschlägen von Paris im vergangenen November nur ein paar Straßen vom Konzertsaal Bataclan entfernt.

Es sind Sätze wie dieser, die Patrice einen Ruf als Dauer-Optimist eingebracht haben. Zu Unrecht, meint er: «Ich sage, ich sehe die Dinge einfach, wie sie sind - vieles ist einfach übertrieben.» Sorge bereite ihm dagegen der zunehmende Populismus in Europa und den USA: «Überall, wo ich bin, gibt es einen Rechtsruck.»

Dem Gerede von Heimat kann er, der Weltenbürger, nichts abgewinnen. «Das Ding ist, ich weiß nicht, ob man eine Heimat haben muss. Mir fehlt das überhaupt nicht», sagt Patrice und schiebt noch ein Grinsen hinterher: «Meine Eltern haben sich im Flugzeug kennengelernt, vielleicht hat es damit zu tun.»

Tourdaten: 15.11. Berlin - Postbahnhof, 17.11. München - Muffathalle, 18.11. Mannheim - Alte Feuerwache, 26.11. Stuttgart - Im Wizemann, 27.11. Frankfurt/Main - Gibson, 28.11. Leipzig - Werk2 "Halle D", 29.11. Köln - E-Werk, 30.11. Hamburg - Docks

Website Patrice

Video "Burning Bridges"

Video zur Unterwasser-Aktion

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erstellt am 04.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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