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Kultur

11. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Kein Insulaner : Henri Moore in Münster: Ein europäischer Künstler

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Mit seinen organischen Formen irgendwo zwischen abstraktem Gebilde und erkennbarer Figur gehört Henry Moore zu den wichtigsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Eine Ausstellung in Münster zeigt nun, wie sein Schaffen die europäische Kunst prägte.

Moore nach Münster zu bringen muss im wahrsten Wortsinn ein Kraftakt gewesen sein: Die wuchtigen Bronze-Skulpturen des britischen Bildhauers wiegen nicht selten hunderte Kilo.

Die schwerste Plastik der am 11. November im LWL-Museum für Kunst und Kultur startenden Ausstellung bringt 3000 Kilo auf die Waage. «The Archer», der Bogenschütze, wurde aus Berlin nach Westfalen gebracht und markiert noch auf dem Platz vor dem Museumsneubau den Startpunkt der Schau «Henry Moore. Impuls für Europa».

18 Jahre ist es nach Kuratorenangaben her, dass ein deutsches Museum sich mit einer umfassenden Werkschau dem Briten widmete. Nun will das LWL-Museum den so wichtigen Impulsgeber für die europäische Bildhauerei neu entdecken. Die Ausstellungsmacher feiern den Engländer als großen Europäer, als einen, der sich nicht als Insulaner abgeschottet habe, sondern jemand gewesen sei, «der sich nicht um Grenzen scherte», wie Museumsdirektor Hermann Arnhold betont. Moore habe sich von den modernen Künstlern auf dem Kontinent ebenso prägen lassen, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg andere, insbesondere deutsche Bildhauer inspirierte. Moore sei damals ein wahrer Exportschlager gewesen, erläutert Arnhold.

«Das Herz von Moores Werk ist die menschliche Figur», sagt Kurator Chris Stephens. Der Moore-Kenner ist ausgeliehen von der Tate Gallery in London, die über einen riesigen Moore-Fundus verfügt und zu der Ausstellung einen Großteil der 74 Moore-Arbeiten beigesteuert hat. Was Moore auf dem gebeutelten Kontinent damals so populär gemacht habe, seien seine Humanität und sein Pazifismus gewesen. Im Ersten Weltkrieg hatte der Wehrpflichtige an der französischen Front selbst leidvolle Kriegserfahrungen gemacht, die nach Überzeugung von Stephens auch in seinen Plastiken sichtbar sind: Gebrochene Körper, auf dem Boden liegende Figuren - verletzt, fragmentiert.

Die andere Betrachtungsweise der zwischen dem Abstrakten und dem Figurativen wandelnden Plastiken ist das Friedvolle, das sie ausstrahlen. Moore habe immer wieder die Wechselbeziehung von Landschaft und Mensch in Form gegossen, erklären die Kuratoren: Ein Frauenkörper ist so gleichzeitig dahinfließende Landschaft, andere Fragmente sind organisch, wirken wie vergrößerte Gelenkknöchelchen oder Steine, in die das Meer runde Aushöhlungen gewaschen hat. «Moore ist ein sehr sinnlicher Künstler», ergänzt Arnhold. Immer wieder bemerke er bei Betrachtern der großen bereits jetzt vor den Museumseingängen stehenden Skulpturen den Impuls, sie berühren zu wollen.

Moores Bandbreite der Formensprache prägte eine ganze Generation von Bildhauern, wie die Schau mit einer Vielzahl korrespondierender Werke anderer Künstler verdeutlicht. Da ist «Der Krieger» von Markus Lüpertz, die gefallene und dahinkriechende Figur erinnert in ihrer Verletztheit an Moores liegende Soldatenfiguren. Seine flachen, ausdruckslosen Maskengesichter fanden als Idee Eingang in das Schaffen von Bernhard Heiliger oder Brigitte Meier-Denninghoff. Heiliger und Karl Hartung schufen Liegende nach Moore-Motiven, und selbst Aktionskünstler Joseph Beuys zitierte den Briten in seiner Arbeit. Es gibt viel zu entdecken in der Ausstellung, die bis zum 19. März 2017 zu sehen ist.

Henry Moore. Impuls für Europa

Das Museum ist Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am zweiten Freitag im Monat ist das Museum bei freiem Eintritt bis 22 Uhr geöffnet. Eintritt 12 Euro. Ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Hirmer, «Henry Moore. Impuls für Europa», 258 Seiten, 240 Abbildungen, ISBN-Nummer 978-3-7774-2679-2, 39,90 Euro.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 16:40 Uhr

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