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Kultur

05. Dezember 2016 | 17:39 Uhr

500 Jahre Reformation : «Heiliger Luther»: Deutsche Meisterwerke in den USA

vom

500 Jahre Reformation - was bedeutete diese Revolution im Denken und in der Gesellschaft? Bilder, Skulpturen, Waffen und Kunsthandwerk aus deutschen Museen sollen in Los Angeles Antworten geben.

Martin Luther ist in den USA angekommen. Darstellungen des deutschen Theologen und Reformators stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung von Meisterwerken der deutschen Renaissance in Los Angeles.

Mit mehr als hundert Werken beleuchtet die Schau «Renaissance and Reformation: German Art in the Age of Dürer and Cranach» (dt: «Renaissance und Reformation: Deutsche Kunst im Zeitalter von Dürer und Cranach») im Los Angeles County Museum of Art (LACMA) die Umwälzungen der Reformation. «Es geht wirklich um diesen außerordentlichen Augenblick in der Geschichte der Menschheit», sagt Museumsdirektor Michael Govan.

Patrice Marandel, Kurator im LACMA, erklärt, dass sich im Zuge der Reformation der Stil religiöser Abbildungen verändert habe. So verschwanden etwa bei Katholiken beliebte Heilige oder wurden durch neue Anbetungsobjekte ersetzt. «Der wichtigste neue Heilige ist der Heilige Luther», sagt er. Luther stehe im Fokus der Ausstellung - sowohl als treibende Kraft der Reformation wie auch als Kultfigur.

Ernst blickt der Reformator in einem nur taschengroßen Porträt aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren dem Besucher entgegen. Das Gemälde aus dem Jahr 1532 reiste aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach Kalifornien. Das Porträt zeigt ihn als einfachen Gelehrten, mit Doktorhut und Buch. Einige Jahre später, 1546, stellt ein Stich von Lucas Cranach dem Jüngeren Luther schon als Anführer der wahren Kirche dar - im Gegensatz zum Papsttum.

1580 machte Wolfgang Stuber Luther zum Heiligen, in einem Stich wird der Reformator als «Heiliger Hieronymus im Gehäus» abgebildet. In der Ausstellung wird dies einem früheren Kupferstich von Albrecht Dürer von Hieronymus entgegengesetzt. Die Parallelen sind klar - der Heilige, der die Bibel ins Lateinische übersetzt hat, und der Mann, der sie ins Deutsche übertragen hat, damit auch das normale Volk die Heilsbotschaft verstehen kann.

Einige der Werke von Dürer, Cranach, Hans Holbein oder Tilman Riemenschneider sind zum ersten Mal außerhalb Deutschlands zu sehen. Die Schau will ein Gesamtbild über die Revolution in den Bereichen Religion, Wissenschaft und Gesellschaft geben, die Luther 1517 mit seinen 95 Thesen losgetreten hat. Mit Kunsthandwerks-Exponaten, Drucken, Skulpturen, Waffen und Rüstungen blickt die Ausstellung über die direkten religiösen Auswirkungen der Reformation hinaus.

Die Kunst der Reformation erzähle ihre eigene Geschichte über die Veränderungen, sagt Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. «Wir versuchen nicht, diese Ausstellung zu einem Geburtstags-Event für Luther zu machen», sagt er. Statt dessen solle gezeigt werden, wie Kunst in Luthers Zeit funktioniert habe. «Was hat sich verändert, welche neuen Themen kamen auf und wie wurden sie dargestellt?» Gemeinsam mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München haben die Staatlichen Museen zu Berlin die Ausstellung kuratiert.

Mit der Reformation sank die Nachfrage nach religiösen Gemälden, in der Folge erlebte die Porträtkunst eine Blüte. Sie spiegelte das Interesse der neuen Religion am Individuum wider - gezeigt in der Ausstellung etwa am Beispiel von Dürers Porträt des Jakob Muffel aus dem Jahr 1526. Kunstvolle Rüstungen aus dem protestantischen Hof in Dresden zeigen den neu gewonnenen Einfluss dieses Herrscherhauses.

Auch Drucke, die ersten Propaganda-Kunstwerke der Geschichte, werden gezeigt. Diese Stiche wurden weit verbreitet, technische Neuerungen auf diesem Gebiet machten dies möglich. Jede Seite nutzte dieses Kommunikationsmittel - auch um den Gegner zu verteufeln.

German Art in the Age of Dürer and Cranach

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erstellt am 18.Nov.2016 | 07:27 Uhr

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