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Kultur

09. Dezember 2016 | 16:32 Uhr

Kultur : Falladas „Trinker“ als Comic

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Grafiker Jakob Hinrichs hat den Roman als Graphic Novel herausgebracht

Sich die Werke Hans Falladas als Comic vorzustellen, wirkt auf den ersten Blick befremdlich. Die klare Sprache und die Bilder der Protagonisten auf ihren Lebenswegen, die sich im Kopf des Lesenden formen und als Geschichte vereinen – wie passt das mit einer Graphic Novel zusammen? Sehr gut sogar, ist sich der Berliner Grafiker Jakob Hinrichs sicher. Er hat Falladas „Der Trinker“ auf 176 Seiten mit über 1000 Zeichnungen bebildert und so eine neue, vielschichtige Version geschaffen. „Ich wollte keinen historisierenden Roman und habe die Suchtthematik in die Gegenwart versetzt. Der Leser soll sich hier wiederfinden und so können vielleicht auch neue Personengruppen dieses spannende Buch erschließen“, erzählt der studierte Illustrator und Grafikdesigner.

Doch ist sein Werk mehr als nur eine Aneinanderreihung der Erlebnisse des von Fallada erdachten fiktiven Trinkers Erwin Sommer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Alkohol vom Firmeninhaber zum Insassen einer Trinkerheilanstalt abstürzt. Vielmehr ist das Werk „Fallada – der Trinker“ ein Duett mit und über den Menschen Rudolf Ditzen, alias Hans Fallada. Es ist nicht nur ein Zusammenspiel beider Autoren aus den Worten Falladas und den Zeichnungen Hinrichs, vielmehr ist die persönliche Lebensgeschichte des Schriftstellers Teil der Handlung.

„Wo mir die literarische Figur Erwin Sommer teilweise zu grob skizziert war, habe ich die menschlichen Tiefen und das Authentische aus dem Leben Falladas übernommen“, erzählt er. Die Punkte, die im Buch als Fragezeichen bleiben, füllt Hinrichs mit Falladas Biografie. „Es sind ja beides Geschichten von gescheiterten Menschen, obwohl ja auch Fallada selbst sehr erfolgreich war, waren seine Süchte – egal ob Alkohol, Morphium oder andere – doch prägend und schlussendlich tödlich“, so Hinrichs. „Es ist ja nicht nur ,Der Trinker‘ als Comic, sondern auch Falladas Leben durch meine Sichtweise. Auch wenn es nur ein kleiner Ausschnitt aus seiner Biografie ist, ist dieser doch sehr intensiv – immer zwischen Idylle und Abgrund“, so der Zeichner, der sich zu Beginn seiner Arbeit auf Recherchereise begab. „Ich war auf Spurensuche im Neustrelitzer Gefängnis, in dem das Buch entstanden ist, war in seinem Haus in Carwitz, habe Biografien gelesen und da wurde mir immer mehr deutlich, dass beides zusammenhängt. Beide Protagonisten sind dabei, ihr Leben gegen den Baum zu setzen und scheitern – das war faszinierend“, erzählt Hinrichs. Dementsprechend finden sich in der Graphic Novel auch Tagebuchauszüge, Briefe Falladas an seinen Sohn und Eindrücke aus dem Werk „Ein sachlicher Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein“. Vor allem Letzterer ist für den in Berlin lebenden Grafikdesigner prägend gewesen. „Man kann sich richtig vorstellen, wie Fallada in seinem Drogenrausch durch Berlin läuft. Ähnlich ist ja auch heute noch die großstädtische Drogenrealität und man kommt mit den Menschen in Kontakt. Es war nicht schwer sich vorzustellen, dass Fallada eine dieser Personen ist“, verdeutlicht der 38-Jährige.

Herausgekommen ist ein Werk, das aus einer Symbiose von originalen Textstücken besteht, die radikal reduziert wurden und mit biografischen Elementen Falladas verknüpft sind. Hinzu kommt die Wirkung der Zeichnungen von Jakob Hinrichs. Ständig verwischen hierbei die Grenzen aus Fiktion und Realität, zwischen der Figur Erwin Sommers und der realen Person Hans Falladas. „Es sind im Werk auch drastische und sachliche Bilder, die ich versucht habe, mit meinem eher expressionistischen Zeichenstil einzufangen. Wir haben uns gegenseitig befruchtet. Manchmal muss ein Autor sehr viel sagen, während es ein Bild auf den Punkt bringt und umgekehrt.“

Insgesamt zwei Jahre hat es von der Idee zum fertigen Buch gedauert. Jeder Pinselstrich, jede Text- und Szenenauswahl stammen von Jakob Hinrichs. „Ich habe versucht, pro Tag eine Doppelseite zu zeichnen. Diese Arbeit ist eher der vergnügliche Part gewesen. Ein großer Teil bestand aber auch aus der Erarbeitung des Themas. Das war schon harte Arbeit“, resümiert Hinrichs. Mittlerweile habe sich Fallada in seine Gedankenwelt eingeschlichen. „Er war zwei Jahre präsent und wird nun auch nicht vollkommen verbannt, aber ich bin trotzdem froh, dass das Buch nun erschienen ist. Jetzt geht es auf Reisen und hat sein eigenes Leben – genau so, wie auch Falladas Werke.“

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erstellt am 03.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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