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Kultur

09. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Vor 60 Jahren entstand DEFA-Studio für Trickfilme : Erinnerungen an kleine Helden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Künstlerisches Erbe lebt trotz Abwicklung des Dresdener Studios 1992 weiter

Wer das Archiv des Deutschen Institutes für Animationsfilm (DIAF) in Dresden betritt, erlebt Geschichte im Zeitraffer. Im Kellergewölbe des früheren Kameraherstellers Pentacon lagern Schätze aus dem Nachlass des DEFA-Studios für Trickfilme.

Puppen, Zeichnungen, Requisiten und Technik künden von einer Zeit, als etwa 250 Frauen und Männer mit Leidenschaft für ihr Fach ans Werk gingen. Sie schufen Figuren und Filme, die Generationen von Kindern im Osten erfreuten. Ob nun Jan und Tini, Teddy Brumm oder das lustige Quartett mit Kasper, Brummi, Püppchen Sylvia und Matrose Heiner – die kleinen Helden hatten viele Fans zwischen Rostock und Suhl.

Schon vor der offiziellen Gründung des Studios am 1. April 1955 hatte die DEFA in ihren Studios in Potsdam-Babelsberg Trickfilme gedreht. Erste internationale Auszeichnungen führten zu dem Entschluss, ein eigenes Studio in Dresden zu etablieren. Die Elbestadt war schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein Filmstandort gewesen. Unternehmer Fritz Boehner produzierte hier mit seiner Industrie-Film AG seit Anfang der 1920er-Jahre vor allem Werbefilme, die nicht selten Tricktechniken nutzten. Boehner ging nach dem Krieg in den Westen. In seine Filmateliers in Dresden-Gorbitz zog 1955 das DEFA-Trickfilmstudio ein. Offiziell bestand sein Auftrag darin, „ideologisch wertvolle und moralisch einwandfreie Filme zur Erbauung der jungen Generation zu drehen“, erinnert sich die frühere Dramaturgin Sabine Scholze.

Da die Mitarbeiter sich meist von ihren eigenen künstlerischen Ambitionen leiten ließen, gerieten sie mit der Zensur in Konflikt. Ein zu abstrakter Trickfilm verfehlte den sozialistischen Realismus und musste nachgebessert werden.

Manchmal half eine andere heilige Maßgabe der DDR nach: Bei Gefahr für die Planerfüllung wurden gelegentlich auch abgelegte Filme wieder aus der Schublade geholt. Bei den Silhouetten-Filmen setzten die Dresdner sogar international Maßstäbe. Ähnlich wie beim Scherenschnitt sind hier die Figuren nur im Profil zu sehen. Dafür stehen Namen wie Lotte Reiniger und Bruno Böttge. Auch Zeichentrickfilme gehörten als Genre dazu.

Bei Puppenfilmen orientierten sich manche Kollegen an den tschechischen Filmen, andere hatten eigene Inspirationen. „Anfangs haben wir uns vieles durch learning by doing angeeignet“, sagt Angela Klemm, die seit 1977 als Animatorin im Studio arbeitete. Als ausgebildete Maler und Grafiker brachten viele ohnehin beste Voraussetzungen mit. Heute betreut Angela Klemm den reichen Fundus des DIAF-Archives.

Von 1955 bis zur Abwicklung des Studios 1992 entstanden rund 2000 Filme. Im Archiv lagern heute etwa 1500 Puppenfiguren und 3000 Requisiten. Beim Silhouettenfilm kommen noch einmal gut 3300 Figuren hinzu. Angela Klemm ist froh, das künstlerische Erbe zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Als sie damals nach Schließung des Studios den schweren Gang zum Arbeitsamt antreten musste, hatte man sie irrtümlich als „Animateurin“ einstufen wollen – ein Beruf, den es so in der DDR gar nicht gab.

Gut 20 Jahre später können die heutigen Kollegen trotz guter Ausbildung kaum von Animationsfilmen leben. „In Deutschland besteht ein starkes Ungleichgewicht zwischen den hervorragenden Ausbildungsbedingungen und den Möglichkeiten des anschließenden beruflichen Werdegangs in der Animationsfilmbranche“, weiß Nadja Rademacher, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im DIAF arbeitet und gerade eine Sonderausstellung des DEFA-Studios für Trickfilme vorbereitet: „Die Leute gehen dorthin, wo die Arbeit ist, und das ist oft im Ausland.“

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