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Kultur

06. Dezember 2016 | 17:02 Uhr

„Defa-Kochbuch“ : Ente, Ketwurst, Broiler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im „Defa-Kochbuch“ erzählt die Autorin Elke Pohl Filmgeschichte in Rezepten

Alfons Zitterbacke will unbedingt Kosmonaut werden – und trainiert mit Essen aus der Tube. Pech: Darin wurde nur Anchovispaste, Mayonnaise oder Senf verkauft. Im Defa-Film „Alfons Zitterbacke“ probiert der Zehnjährige wegen des Mangels an geeigneter „Kosmonauten-Nahrung“ auch die Kinderzahncreme „Putzi“ – und liegt dann krank im Bett.

Die Berliner Autorin Elke Pohl hat sich 31 Defa-Filme aus sieben Jahrzehnten unter lukullischen Gesichtspunkten angesehen („Das Defa-Kochbuch“, Buchverlag für die Frau). Sie habe das eine oder andere zum Schmunzeln entdeckt, sagt sie. Vor allem fand sie bodenständige Gerichte, die schnell nachgekocht werden können. Sie zählen zur Kategorie Hausmannskost.

Bei der Reise durch die Filmgeschichte schaute Pohl genau, ob und was gegessen wurde. Ergänzend bettet sie Informationen zu damaligen aktuellen Ereignissen ein – „und was im Jahr der Entstehung des Filmes in den Geschäften angeboten wurde oder was es nicht gab“, berichtet Pohl.

Passend dazu stehen die Rezepte der Speisen, die in dem Film eine Rolle spielen.

Manche waren typisch für die DDR: Broiler oder Krusta, die DDR-Version für Pizza, oder Ketwurst, eine Art Hotdog. Die Rezepte steuerte der Leipziger Buchverlag für die Frau bei, der seit Jahrzehnten Kochbücher herausgibt.

Im Film „Alfons Zitterbacke“ wird 1966 aber auch Essbares aufgetischt: Fischsuppe gekocht vom Filmvater. In einem der ersten Defa-Filme „Die Buntkarierten“ (1949) über eine Arbeiterfamilie Ende des 19. Jahrhunderts steht Möhreneintopf mit Kassler auf dem Tisch. „Wenige Jahre nach Kriegsende existierten noch Lebensmittelkarten“, erklärt Pohl das bodenständige Gericht.

Im Märchenfilm „Das Feuerzeug“ (1958) erhält der Soldat ein wundersames Geschenk und kann sich damit Wünsche erfüllen. Aber auch Essen und Trinken spielt eine große Rolle: die Lieblingsspeisen Speckknödel können nach dem Buch nachgekocht werden. Im Wirtshaus lässt sich Rolf Ludwig als entlassener Soldat auch eine knusprige Ente schmecken.

Im Film „Der geteilte Himmel“ (1964) von Konrad Wolf wird ebenfalls häufig gegessen, unter anderem Gänsebraten. In „König Drosselbart“ (1969) werden Fleischklößchen in Petersiliensoße kredenzt.

Einfach hatte es hingegen Autorin Pohl bei dem zu DDR-Zeiten verbotenen Film „Spur der Steine“ (1966). „Dort wird überhaupt nicht gegessen“, sagt sie. Die Bauarbeiter um Hannes Balla (Manfred Krug) trinken dafür um so mehr. In den Szenen stehen auf den Tischen Bierflaschen und Schnapsgläser. Passend dazu werden Rezepte für zwei gewöhnungsbedürftige Drinks abgedruckt. Für „Blutgeschwür“ und „Blonder Engel“ ist jeweils Eierlikör ein wichtiger Bestandteil.

Bei der „Legende von Paul und Paula“ verwöhnt Paula ihren Paul im Bett mit Spießchen aus Gemüse, Brot und Fleisch. Im „Tangospieler“ – einem der letzten Defa-Filme, 1991 erschienen, – spielt wieder ein deftiges Essen eine Rolle: Weißkohleintopf.

Ansonsten werden im Laufe der Jahrzehnte Rührei mit Pfifferlingen, Makkaroni mit Tomatensoße oder Spinatsuppe verputzt. Ob immer der Geschmack der heutigen Zeit getroffen wird, muss jeder selbst ausprobieren, meint Pohl.

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