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Kultur

08. Dezember 2016 | 17:03 Uhr

Interview : Eine Liebeserklärung an Grönland

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polarforscher Arved Fuchs über seinen Talisman, den Klimaschutz und seinen Vortrag über die größte Insel der Welt

Seit mehr als 35 Jahren ist Arved Fuchs in den polaren Regionen der Erde unterwegs. Immer wieder hat es ihn dabei nach Grönland gezogen. „Grönland – das war in den siebziger Jahren etwas für absolute Insider, für Freaks und Abenteurer, die das Außergewöhnliche suchten. Es war genau das, was mich als junger Mann ansprach“, fasst Fuchs die Gründe für seine ersten Reisen zusammen.

Mit Redakteurin Annegret Behncke sprach der Abenteurer nun über seine Liebe zu Grönland, über den Klimaschutz, einen Talisman und über seinen Vortrag „Grönland – 35 Jahre Abenteuer in Eis und Schnee“, den er im Januar in Rostock und in Neubrandenburg halten wird.

1979 haben Sie Ihre erste Reise nach Grönland unternommen – warum?

Fuchs: Es war ein erstes Kennenlernen und ich war sofort fasziniert. Es ist die größte Insel der Erde, hat eine atemberaubende Landschaft und eine tolle Kultur. Für mich war klar: Ich muss mehr machen – hier muss ich wieder her.

Wie oft haben Sie Grönland seither besucht?

Das kann ich gar nicht genau sagen. Eigentlich war ich jedes Jahr dort. Geschätzt: mindestens 20 Mal.

Was ist das Spannendste, das Sie je in Grönland erlebt haben?

Das Spannendste für mich ist die Kultur. Die ersten Menschen haben sich vor rund 4  000 Jahren auf der Insel niedergelassen. Natürlich nicht im Landesinneren, denn dort kann man nicht leben. Sie besiedelten die Küsten. 56  000 Menschen leben heute in Grönland. Die Jagd ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Kultur.

Wenn Sie in Grönland unterwegs sind, nehmen Sie einen Talisman mit?

Auf meinen Reisen bin ich mit einem ehemaligen Fischereischiff unterwegs. Der ehemalige Besitzer überreichte mir eine Bernsteinkette – die Steine hat er selbst gesammelt. Wenn ich sie trage, würde ich kein Rheuma bekommen, versprach er mir. Sie ist wirklich immer dabei.

Hat die Kette gehalten, was der ehemalige Besitzer versprochen hat?

Ja, ich habe kein Rheuma (lacht).

Wie ist es um den Klimaschutz in Grönland bestellt?

Der gesamte arktische Raum ist vom Klimawandel weit mehr betroffen als der Rest der Welt. Etwa doppelt so schnell geht der Klimawandel hier voran. Das Eis verliert an Masse, die Fließgeschwindigkeit der Gletscher nimmt zusehend ab, die Meere werden wärmer und die Eisbildung beginnt jedes Jahr später.Das führt zu schlimmen Unfällen: Jäger brechen beispielsweise mit ihren Schlitten im Eis ein – oft gibt es keine Rettung, sie werden nicht gefunden.

Der Klimawandel ist von Menschenhand gemacht – warum?

Dazu gibt es fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich bin kein Wissenschaftler – ich gebe den Zahlen und Fakten mit meinen Bildern von den Expeditionen ein Gesicht.

Kann die Politik noch gegensteuern?

Sie muss natürlich gegensteuern. Zur Zeit findet die Klimakonferenz in Marrakesch statt. Dort müssen verbindliche Ziele gesetzt werden. Viele Politiker denken nur eine Legislaturperiode weit. Das ist falsch. Es geht um die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen, das dürfen wir dabei nicht vergessen.

Was muss Ihrer Meinung nach getan werden?

Am Ausstieg aus der Kohle führt kein Weg vorbei. Und wir sollten auf Elektroautos umsteigen. Es ist aber auch schon viel passiert: Wenn mir in den 80ern jemand von den Regenerativen Energien erzählt hätte, hätte ich ihm nicht geglaubt. Wir haben schon viel bewegt, müssen aber weiter daran arbeiten.

Was tun Sie persönlich für den Umweltschutz?

Wir haben ein altes Haus gekauft und saniert, nutzen LED-Beleuchtung und auf Reisen segeln wir, sofern es möglich ist den Motor nicht zu nutzen. Gerne würde ich auch ein Elektroauto nutzen, allerdings gibt es noch kein Fahrzeug, das für meine Zwecke dienlich ist. Hier ist die Industrie gefragt.

Im Januar sind Sie mit ihrem Vortrag „Grönland – 35 Jahre Abenteuer in Eis und Schnee“ bei uns in MV. Worum wird es in Ihrem Vortrag gehen?

Ich will die andere Seite von Grönland zeigen und für den Erhalt der Natur werben. Ich berichte von der Besiedlungsgeschichte bis hin zum Tourismus der Gegenwart, von Jagderlebnissen mit Inuit und vor allem von meinen Expeditionen.

Begeben Sie sich auch in MV auf Expedition?

Ich kenne MV gut. Ich habe Verwandtschaft in Rostock und bin öfter mal da.

 

 

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