zur Navigation springen

Kultur

04. Dezember 2016 | 07:05 Uhr

Elektronische Musik : Barker & Baumecker: Reich an Wendungen

vom

Sie machen es sich musikalisch zwischen vielen Stühlen bequem: Barker & Baumecker legen ihr zweites Album vor.

Das Berliner Produzentenduo Barker & Baumecker hat sein zweites, das musikalisch wunderbar schwierig einzuordnende Album «Turns» auf Ostgut Ton veröffentlicht.

Andreas Baumecker verdiente sich seine ersten musikalischen Sporen als DJ bereits Mitte der 80er Jahre in der Frankfurter Club-Szene. Sam Barker begann als Produzent elektronischer Musik im englischen Seebad Brighton. Ihre Wege kreuzten sich erstmals 2008 in - wo sonst - Berlin. Aus der Zusammenarbeit des Berghain-Bookers (Andreas) und des Mitarbeiters einer in Berlin ansässigen Booking-Agentur (Sam) erwuchs eine musikalische Freundschaft, die schließlich zur gemeinsamen Produktion elektronischer Tracks führte.

«Transsektoral», das erste Album der beiden, wurde 2012 auf dem Berliner Label Ostgut Ton veröffentlicht und enthält auf der CD-Version eine Sammlung von elf Tracks, die dem Albumtitel entsprechend ein genreübergreifendes Spektrum elektronischer Musik beleuchtet. Das Duo verarbeitete auf seinem Debüt so unterschiedliche Einflüsse wie Ambient, Dub Techno, Industrial und Dubstep in den wohlproduzierten und selten über sechs Minuten langen Stücken.

Auf «Turns» ist das musikalische Universum der sieben Tracks erneut sehr weit gefasst und bewegt sich laut Presseinfo unter anderem zwischen «Techno, Bassmusik, Breaks und Experimentellem». Und auch der Albumtitel gibt erneut einen Hinweis auf die enthaltene Musik. In diesem Fall beschreibt «Turns» die manchmal unerwartete musikalische Veränderung bzw. Wendung innerhalb der Stücke, die sich schon allein auf Grund ihrer Laufzeit von bis zu knapp vierzehn Minuten recht deutlich von dem Debüt des Produzentenduos unterscheiden.

Der Opener «Senden» klingt dann auch zuerst wie ein beatloser New-Age-Track aus den neunziger Jahren, der das Ziel hat, den Hörer mit den esoterisch wabernden Flächen und den Meeresbrandung-Sounds aus der Erdumlaufbahn in die unendlichen Weiten des (inneren) Kosmos zu schießen. Allerdings baut sich im Laufe des Stücks der Bassbereich immer weiter auf und macht aus «Senden» einen industriell stampfenden aber trotzdem entspannten und von Glocken und Glöckchen gesäumten Track, der den anfänglichen New-Age-Ansatz nie völlig überschreibt.

Perfekt produziert fließt der Opener dann fast unbemerkt in den Nachfolger «Encipher & Decipher», der zu Beginn erneut mit seiner basslosen New-Age-Aura entzückt, bevor der Track mit klackernd-perkussiven Sounds, Choral-Klängen, einer lieblichen Glöckchenmelodie und straighter Bassarbeit entspannt aber konsequent mit 127 Beats Per Minute an Fahrt aufnimmt.

Beim dritten Track «Club Entropicana», der sich mit seinem Klang gewordenen maschinellem Wahnsinn auch gut in einem klaustrophobischen Horrorfilm machen würde, ist dann für elf Minuten auch erst mal Schluss mit dem schön zurückgelehnten Zuhören. Darauf folgt das kurze Sound-Zwischenspiel «Technogate», das den Übergang zur club-orientierten zweite Hälfte des Albums einleitet. Los geht es dort mit dem treffend betitelten Track «Turnhalle», der sich nach den ersten zwei beatlosen Minuten durch den Einsatz von unbeirrbar kickenden Breakbeats und freundlich-sphärischen Sounds zu einem äußerst tanzbaren Track mausert.

Die folgenden Stücke «Nocturnal» und «Statik» haben eine ähnlich bewegende Qualität. «Nocturnal» beginnt mit Breakbeats und wandelt sich in der zweiten Hälfte mit seinen trancigen Sounds und der geraden Base Drum endgültig in einen clubgeeigneten Track mit geschmackvoller Neunziger-Jahre-Soundsignatur. Das über 13 Minuten lange «Statik» stolpert zu Beginn düster vor sich hin, nur um ab der dritten Minute die Hörer und Tänzer mit einer ebenfalls geraden und äußersten groovenden Base Drum, wohlvertrauten House-Sounds und mehreren clever positionierten Breaks zu erfreuen.

Barker & Baumecker liefern mit «Turns» ein unerhört detailliert produziertes Album aus einem Guss ab. Die vielen musikalischen Einflüsse werden dabei perfekt miteinander verbunden und ergeben - innerhalb eines Tracks sowie über das gesamte Album hinweg - einen fantastischen Flow, auf den sich der Hörer unbedingt einlassen sollte. Jenseits dieses besonderen Hörererlebnisses sind gerade die letzten drei Tracks auch für die Tanzfläche geeignet und werden zukünftig besonders zu Beginn oder zum Ende eines DJ-Sets für die notwendige Spannung beziehungsweise Entspannung im Club sorgen.

Label-Website

zur Startseite

von
erstellt am 23.Nov.2016 | 12:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen